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EM 2021 AfD-Mann empört mit Twitter-Entgleisung über Manuel Neuers Regenbogenbinde

Manuel Neuer
Manuel Neuer mit Kapitänsbinde beim Spiel gegen Portugal
© Philipp Guelland / AFP
Während Fußball-Deutschland den Sieg gegen Portugal feiert, regte sich der AfD-Politiker Uwe Junge über die regenbogenfarbene Kapitänsbinde von Manuel Neuer auf. Sein homophober Tweet sorgt für Empörung, mittlerweile hat er sich entschuldigt.

Ein begeisterndes Spiel, ein starkes Ergebnis, beste Stimmung: Der 4:2-Sieg der deutschen Nationalmannschaft am Samstagabend gegen Portugal ließ eigentlich keine Wünsche offen. Der langjährige AfD-Politiker Uwe Junge wollte hingegen nicht in den allgemeinen Jubel einstimmen. Er setzte lieber einen homophoben Tweet ab, in dem er unter anderem die regenbogenfarbene Kapitänsbinde von Manuel Neuer als "Schwuchtelbinde" verunglimpfte.

Der Ex-AfD-Fraktionschef im Landtag von Rheinland-Pfalz schrieb: "Münchener Arena soll beim Ungarn-Spiel in Regenbogenfarben leuchten und Neuer trägt die Schwuchtelbinde statt unsere Nationalfarben. Jetzt fehlt noch der Kniefall und ihr werdet immer mehr Fans verlieren. Muss man sich leisten können." Der Tweet ist mittlerweile wieder gelöscht, die Empörung aber ist da. "Solche Kommentare zeigen, wie schrecklich intolerant Deutschland regiert würde, wenn jemals die AfD mitregieren würde", schrieb etwa SPD-Politiker Karl Lauterbach als Antwort auf die verbale Entgleisung. 

Am Sonntagvormittag ruderte Junge dann auf Twitter verbal zurück: Für den Begriff Schwuchtelbinde entschuldige er sich. Inhaltlich bleibe er aber dabei, dass derartige Statements nichts auf dem Trikot der Nationalmannschaft zu suchen hätten. Junge ist ein ehemaliger Offizier der Bundeswehr, der von 2016 bis 2021 den Fraktionsvorsitz der AfD im Landtag von Rheinland-Pfalz innehatte. Bei der Landtagswahl im Frühjahr trat Junge nicht mehr an.

AfD-Bundesfraktionsvorsitzende Alice Weidel kommentierte via Twitter: "Das ist nicht die AfD. Uwe Junge wird sich die Partei demnächst von außen anschauen dürfen." Weidel ist selbst homosexuell und hat darüber auch öffentlich gesprochen, ihre Partei hat der Lesben- und Schwulenverband in der Vergangenheit hingegen als zutiefst homophob bezeichnet.  

Protest gegen ungarische Regierung

Hintergrund von Junges homophober Äußerung: Die Stadt München setzt sich dafür ein, dass beim nächsten Deutschland-Spiel gegen Ungarn die Münchener EM-Arena in Regenbogenfarben leuchten soll, um ein Statement gegen die Politik der ungarischen Regierung um Viktor Orban zu setzen. Das ungarische Parlament hatte kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das die Aufklärung von Jugendlichen zum Thema Homosexualität einschränkt, etwa durch ein Verbot entsprechender Bildungsbücher.

Die deutsche Nationalmannschaft steht für Toleranz, Kapitän Manuel Neuer hatte schon im EM-Auftaktspiel gegen Frankreich die Regenbogenbinde getragen.

Mit dem Spruch zum "Kniefall" spielte AfD-Mann Junge zudem auf Sportler an, die auf ein Knie gehen, um sich mit der "Black Lives Matter"-Bewegung zu solidarisieren. Die in den USA etablierte Geste wird seit einiger Zeit auch von der englischen Fußball-Nationalmannschaft praktiziert. Kurz vor der Begegnung zwischen England und Schottland am Freitagabend gingen die Spieler beider Mannschaften auf ein Knie, um gegen rassistisch motivierte Gewalt zu protestieren.

bak

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