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Kritik an Fußball-Großereignissen Schmadtke über WM-Boykott: Nicht immer nur anmahnen

Jörg Schmadtke
Jörg Schmadtke, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg
© Swen Pförtner / DPA
Rassismus, Homophobie, eine WM im Autokratenstaat Katar: Der internationale Fußball und seine Institutionen werden gerade heftig durchgeschüttelt. Jörg Schmadtke, Geschäftsführer des VfL-Wolfsburg, macht sich für ein Ende der Heuchelei stark.

Es dürfte nicht der Fußball sein, der von der gerade zu Ende gegangenen Europameisterschaft in Erinnerung bleiben wird. Eher die Hybris der Uefa, das Turnier auch in Pandemiezeiten über den ganzen Kontinent zu verteilen. Oder die Farce um die verbotene Regenbogenbeleuchtung der Münchner Allianz-Arena. Und nicht zuletzt die hässliche Fratze des Rassismus, die sich zeigte, als vermeintliche Fans die englischen Elfmeter-Fehlschützen Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka aufgrund ihrer Hautfarbe übelst bepöbelten.

Wohl mit keinem Turnier ist in der öffentlichen Wahrnehmung so hart ins Gericht gegangen worden wie mit der abgelaufenen Euro, die ja – noch so eine Verrücktheit – unter dem Label Euro 2020 firmierte, obwohl sie coronabedingt um ein Jahr verschoben worden war. Nun hat sich auch ein prominenter Bundesliga-Manager vernehmlich zu Wort gemeldet und eine Diskussion über konkrete Konsequenzen aus der meist folgenlosen Kritik an Sport-Großereignissen gefordert: Jörg Schmadtke, Geschäftsführer beim Champions-League Teilnehmer VfL-Wolfsburg.

In einem Interview mit dem Portal "Sportbuzzer" sagte Schmadtke, es gebe "viele fragwürdige Dinge, die in den letzten Jahren passiert sind – von der WM-Vergabe über eine EM in Pandemie-Zeiten auf dem ganzen Kontinent bis hin zur Entscheidung, Olympia ohne Zuschauer stattfinden zu lassen".

Wirtschaftliche Interessen stehen über dem Sport

Das Verhalten der großen Verbände wie Fifa, Uefa oder IOC mache immer mehr sichtbar, dass "sportpolitische und wirtschaftliche Interessen über dem Sport stehen." Es müsse daher die Frage erlaubt sein, "ob man das einfach nur anmerkt und dann zur Tagesordnung übergeht - oder ob man bereit ist, auch einmal ernsthaft über Konsequenzen zu diskutieren. Etwa auch über eine Nicht-Teilnahme, zum Beispiel an der WM."

Schmadtke fordert nicht explizit, dass Deutschland die Weltmeisterschaft 2022 in Katar boykottiert. "Aber zumindest sollte man die Dinge mal ergebnisoffen diskutieren", sagte er. "Oder man sagt: Wir haben nun einmal ein Sportsystem, in dem es in erster Linie um wirtschaftliche Interessen geht. Dann sollte man aber auch aufhören, sich über die Belastung der Spieler zu beklagen."

Die Uefa-Pläne, das EM-Teilnehmerfeld von 24 auf 32 Teilnehmer zu vergrößern, seien ein weiterer Beleg dafür, "dass es in erster Linie nicht um Sinnhaftigkeit und nicht um die Spieler geht - sondern um Profit." Er könne darum die entsprechenden Proteste - unter anderem von Fan-Organisationen - gegen die unverhohlene Unterordnung des Sports unter wirtschaftlichen Interessen "gut verstehen". Aber "wenn wir das permanent anmahnen, müssen wir irgendwann auch einmal ehrlich und offen über Konsequenzen reden" und "nicht immer nur kritisieren und dann das Spiel trotzdem weiter mitspielen."

kng/mit DPA

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