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EM 2021 im stern-Check Cristiano Ronaldo holt sich den EM-Torrekord – Ungarn kämpft, weint und singt

Christiano Ronaldo dreht grimmig zum Torjubel ab
Cristiano Ronaldo dreht nach seinem 2:0 gegen Ungarn zum Jubel ab. Er hält nun den Torrekord für Europameisterschaften.
© Bernadett Szabo / Getty Images
Viel los am Spieltag der deutschen Gruppe: Nur Rüdiger zeigt richtig Biss – allerdings an falscher Stelle. Und Cristiano Ronaldo hat einen neuen Rekord aufgestellt. Das und mehr im EM-Check des stern.

So lief der EM-Spieltag

Alle Ergebnisse, Torschützen und Tabellen des EM-Spieltags zum Nachlesen im stern-Ticker.

Darüber spricht die EM

War es klar, dass bei dieser Corona-EM der Sport nicht so ganz im Vordergrund stehen würde? Erst der Kollaps des Dänen Christian Eriksen am Wochenende, und nun gestern die total versemmelte Greenpeace-Aktion in München und das Pandemie-vergessene Verhalten der Fangruppen in Budapest. "Ja gibt es denn kein normales Fußballspiel mehr", möchte man mit ZDF-Mann Béla Rethy fragen. In Ungarns Hauptstadt war nicht nur die Hütte erwartungsgemäß voll, sondern Fangruppen zogen auch in einer Art Party-Marsch durch die Straßen ins Stadion. "Rücksichtslos und unsportlich", befand SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sofort; sicherlich wissend, dass er in Ungarn nicht gehört werden wird. Wie ja auch sonst offenbar niemand von der Orbán-Regierung gehört wird. Also freute sich so mancher über "Gänsehaut-Momente" im Budapester Stadion, erzeugt durch lautstarke Fangesänge, andere fragten bange: "Wenn das mal gut geht." Bleibt also nur das Vertrauen darauf, dass das Virus tatsächlich in der Sommerfrische ist. Und wer nun den Kopf über die Ungarn schütteln will, der sei daran erinnert, dass die Hälfte des Stadions gefüllt war mit laut singenden, jubelnden Portugiesen, die sich die Gelegenheit von Corona nicht vermiesen ließen.

Depp des Tages

An Mats Hummels kommt man in dieser Rubrik natürlich nicht vorbei. Extra zurückgeholt und dann gleich das entscheidende Tor für den Gegner machen. Sowas nennt man wohl dumm gelaufen. Bei seinem letzten Spiel gegen die Franzosen machte er auch das einzige Tor, da aber auf der richtigen Seite. Hinterher wurden "wir" Weltmeister, was werden "wir" jetzt? Schaun mer mal.

Allgemein fehlte den Deutschen gegen den Weltmeister ja doch der Biss. Mit einer Ausnahme: Antonio Rüdiger knabberte und fummelte an Paul Pogba rum, dass es dem Franzosen irgendwann nun wirklich keine Freude mehr war. "Vielleicht ist das seine Auffassung von eklig", fragte sich ZDF-Experte Christoph Kramer in Anspielung an eine Äußerung des Chelsea-Verteidigers vor dem Spiel. Gegen die starken französischen Stürmer könne man nicht immer nur "lieb, lieb, lieb" sein. In den sozialen Medien holte sich Rüdiger erwartungsgemäß reichlich beißenden Spott ab. Aber es gab auch prominente Unterstützung. "Das war eine Kontaktaufnahme, er hat nur mal geschnuppert. Ich weiß zwar nicht, was er da wollte, ob er an Tyson gedacht hat [der Boxer Mike Tyson biss 1997 Evander Holyfield ein Stück von seinem Ohr ab, Anm. d. Red.], aber im Fußball ist man manchmal in einer anderen Welt. Und dann macht man Dinge, die man im normalen Leben nicht machen würde", schrieb Ex-Nationalkicker Olaf Thon in einer Kolumne auf web.de. Das weiß wohl auch der Gebissene, denn nach dem Spiel sah man Pogba und Rüdiger in fast zärtlicher Annäherung.

Gewinner des Tages

Buh! Da war er wieder, der epische Siegerjubel von Cristiano Ronaldo. Der Superstar der Portugiesen war da, als man ihn brauchte. Mit seinem Doppelpack gegen unglückliche Ungarn hat der fünfmalige Weltfußballer nun elf EM-Treffer erzielt – zwei mehr als der Franzose Michel Platini. Der 36-Jährige ist damit alleiniger Rekordtorschütze und hat auch als einziger Spieler bei jeder seiner fünf Endrundenteilnahmen getroffen. Rekorde, Rekorde, Rekorde. "Ich bin der Mannschaft sehr dankbar, dass sie mir geholfen hat, zwei Tore zu schießen", sagte CR 7 bescheiden, der nach der Führung des Dortmunders Raphael Guerreiro nachlegte. "Jetzt ist es notwendig, so weiterzumachen und das nächste Spiel zu gewinnen." Das wollen wir allerdings nicht hoffen, denn der nächste Gegner der Portugiesen ist: Deutschland.

Der EM-Moment

Gäbe es keine Corona-Pandemie, hätte man diesen emotionalen Moment uneingeschränkt genießen können. Das ungarische Publikum honorierte den leidenschaftlichen, aber letztlich vergeblichen Kampf ihrer Mannschaft gegen Europameister Portugal. 80 Minuten hatten die Magyaren standgehalten, erst dann fielen die drei Gegentreffer. Fans und Mannschaft sangen nach dem Match gemeinsam die Nationalhymne. Da gab es Gänsehaut, da flossen Tränen.

Ungarns Mannschaft singt mit dem Publikum die Nationalhymne
Ein Moment des Stolze und der Emotion: Die ungarische Mannschaft singt nach großen, verlorenen Kampf gemeinsam mit dem Publikum die Nationalhymne.
© Darko Bandic / AP / DPA

Das steht heute an

Die erste Runde ist rum, alle Teams haben einmal gespielt. Die zweite Runde eröffnen um 15 Uhr in St. Petersburg Finnland und Russland aus der Gruppe B. (live auf MagentaTV und im stern-Ticker). Die Russen stehen nach dem 0:3 gegen Belgien schon unter Zugzwang. Danach geht die Gruppe A zum zweiten Mal an den Start. Die Türkei will gegen Wales in Baku die Auftaktpleite gegen Italien vergessen machen (18 Uhr/live in der ARD, auf MagentaTV und im stern-Ticker). Die Italiener wiederum könnten sich in Rom schon in die K.o.-Runde schießen – mit einem Sieg über die Schweiz, die sich aber beim 1:1 gegen Wales verlorene Punkte zurückholen will (21 Uhr/live auf der ARD, auf MagentaTV und im stern-Ticker).


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