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Ex-Nationalspieler Lauth: "Solange es nach oben geht, bin ich dabei"

Er war eines der größten deutschen Stürmer-Talente - und kickt im besten Fußballeralter friedlich in der Zweiten Liga. Benjamin Lauth, 28, Kapitän von 1860 München, spricht im stern.de-Interview über Anspruch und Wirklichkeit - und den größten Anreiz, Fußball zu spielen.

Herr Lauth, der TSV 1860 München ist ein Traditionsverein, der seine Heimspiele vor bis zu 30000 Zuschauern in der Allianz-Arena austrägt. Das Selbstverständnis ist erstklassig. Warum steht Ihr Klub vor dem Spiel gegen Heimspiel gegen Rostock heute Abend nur auf Platz 12 der Zweiten Bundesliga?
Wir haben am Ende der Hinrunde immerhin noch zu unserer Linie gefunden und da vergangenes Wochenende in Koblenz (2:2, die Red.) weitergemacht. Aber es stimmt, wir haben viel liegenlassen. Deshalb können wir uns keine Schwächephase mehr erlauben. Andererseits sind es im Moment gerade mal acht Punkte bis zum Relegationsplatz - nicht so viel eigentlich. Da springt man bei zwei, drei Siegen in Folge gleich nach oben.

Warum lief die Hinrunde so schlecht?
1860 hatte einen Umbruch zu verarbeiten, die Hälfte der Mannschaft war im Sommer ausgewechselt wurden. Manche, die blieben, spielten dann auf anderen Positionen. Es dauerte aber natürlich trotzdem zu lange, bis wir eingespielt waren.

Wann kam die Trendwende?
Auch wenn nach diesem Spiel erst richtig Feuer war: mit nach dem.0:1 gegen Kaiserslautern. Wir waren da nicht schlechter. Die Woche drauf in Cottbus, wir verloren wieder.0:1, sind wir erneut gut aufgetreten. Und dann, im nächsten Spiel gegen Bielefeld, haben wir dann eben 1:0 gewonnen.

Gehört 1860 ganz nach oben?
In den Spielen gegen die Mannschaften, die oben stehen, habe ich keinen Unterschied bemerkt. Es ist noch etwas möglich in der Rückrunde. Ich finde aber auch mit Blick auf die nächste Saison wichtig, dass die Mannschaft sich findet und dann eingespielter als zuletzt in die neue Spielzeit startet.

Sie waren in der vergangenen Saison der vielleicht beste Stürmer der Zweiten Liga, machten 15 Tore. Nun haben Sie erst viermal getroffen. Zufrieden?
Das ist für einen Stürmer natürlich zu wenig. Ich bin ganz gut reingekommen, hatte dann aber eine Phase, in der es nicht lief. Die letzten Spiele waren wieder ordentlich, auch wenn ich kein Tor gemacht habe.

Sind Sie jemand, der sich über Tore definiert?
Das geht ja gar nicht anders als Stürmer.

Hat sich ihre Position in der Mannschaft geändert?
Ich versuche verstärkt, mir die Bälle selbst nach vorn zu schleppen. Bisher habe ich noch nicht so viele 100-prozentige Torchancen vergeben. Das war in der Hinrunde unser Manko - dass wir nur bis zum Strafraum ordentlich gespielt haben.

1860 ist ein emotionaler Verein. Dass man plötzlich im Keller der Tabelle stand, hat die Leute doch wütend gemacht, auch wenn die Mannschaft bis zum Strafraum gut spielte.
Ja. Aber unsere Fans verzeihen auch wieder sehr schnell. Das ist jetzt das vierte Jahr, in dem der Verein in der Zweiten Liga und dort nicht regelmäßig oben mitspielt. Trotzdem kommen regelmäßig 25000 bis 30000 Zuschauer. Das ist alles andere als normal, finde ich.

Sie haben beim Hamburger SV, beim VfB Stuttgart und in Hannover gespielt, galten als großes Talent, machten fünf Länderspiele und hofften darauf, bei der WM 2006 dabei zu sein. Nun spielten sie, scheinbar nicht unzufrieden, in Liga zwei. Haben Sie lange mit sich gerungen, diesen Schritt zurück zu gehen?
Ich bin nicht in die Zweite Liga gegangen, sondern zurück zum TSV 1860 München. Ich hätte ja Hannover nicht verlassen müssen, ich hätte auch bei anderen Erstligisten spielen können. Aber hier bin ich zu Hause, bei meinem Verein, und der ist nicht da, wo er hingehört. Ich möchte helfen, das zu ändern.

Spielt es sich in der Heimat leichter?
Ich habe mich in Hannover nicht wohl gefühlt, in Hamburg hingegen sehr und in Stuttgart auch. In München habe ich meine Familie und noch viele Freunde. Das ist natürlich angenehm, aber bei der Wahl eines Vereins nicht entscheidend. Ich denke, für manche Spieler ist ein soziales Umfeld wichtig, für andere nicht so sehr.

Und für Sie?
Ich habe oft Besuch bekommen. Und meine Freundin hat mich jeweils begleitet. Mich hat die Erfahrung, in anderen Städten zu leben, weiter gebracht.

Sie sind kein wuchtiger Brecher, sondern ein Stürmertyp, der von seinen technischen Fertigkeiten lebt. Hätten Sie es in der Bundesliga, wo die Anspiele präziser kommen, nicht leichter?
Das ist schwer zu sagen. Das Niveau der zweiten Liga wird besser, aber es ist rauer. Verteidiger leben eher von robustem Einsatz. Mich da zu etablieren, hat mir mit Sicherheit nicht geschadet.

Ihr Anspruch ist der Wiederaufstieg. Wann ist es so weit?
Ich bin hergekommen, weil es für mich keinen größeren Anreiz gibt, als mit 1860 in der Ersten Liga zu spielen. Solange der Verein den Weg nach oben einschlägt, solange es voran geht, bin ich dabei.

Wigbert Löer

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