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FC Chelsea in der Krise Die Leiden von Havertz und Werner in der Premier League

Die teuersten Transfers des FC Chelsea: Kai Havertz und Timo Werner (r.)
Die teuersten Transfers des FC Chelsea: Kai Havertz und Timo Werner (r.)
© Alex Livesey / John Walton / Getty Images
Der FC Chelsea steckt in einer Krise. Das hat auch viel damit zu tun, dass die teuersten Transfers des Sommers, die deutschen Nationalspieler Kai Havertz und Timo Werner, nur auf der Bank sitzen oder in einer Formkrise stecken.

Bundestrainer Joachim Löw dürfte sorgenvoll nach London blicken. Dort, beim FC Chelsea, spielen zwei Nationalspieler, die dazu beitragen sollen, die Nationalelf nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien aus ihrem Tief zu führen. Doch im Moment plagen die Hoffnungsträger andere Sorgen. Der hochtalentierte Kai Havertz sitzt nach einer Covid-19-Infektion meist auf der Bank. Timo Werner spielt zwar regelmäßig, ist aber komplett außer Form. Seit zwölf Spielen hat der Angreifer wettbewerbsübergreifend kein Tor mehr erzielt – trotz bester Chancen. 

Ein Sinnbild seiner Formkrise lieferte Werner am vergangenen Wochenende, als er im Spiel gegen Manchester City einen Eckball kurz spielen wollte, aber Ball und Eckfahne gleichzeitig traf – und sich dabei auch noch wehtat. "Wenn es nicht dein Tag ist", twitterte Gary Lineker, Englands Fußball-Experte Nummer eins, und postete den Video-Ausschnitt dazu.

Hohe Ansprüche beim FC Chelsea

Das Problem ist, dass Havertz und Werner die enorm hohen Ansprüchen des Londoner Klubs im Moment nicht erfüllen – genau wie die gesamte Mannschaft. Der FC Chelsea steckt in einer schweren Krise. In den vergangenen sechs Spielen gewannen die Londoner nur ein Spiel, erreichten ein Unentschieden, kassierten dafür aber vier Niederlagen. Vom zwischenzeitlichen dritten Rang stürzte das Team auf den neunten ab.

Unter Druck gerät deswegen in erster Linie Trainer Frank Lampard. Der frühere Profi führte die Mannschaft in seiner ersten Saison als Trainer auf den vierten Platz und in die Champions League. Im Sommer spendierte Klubbesitzer Roman Abramowitsch knapp 250 Millionen Euro für neue Spieler (bei Transfererlösen von 53 Millionen Euro). Kein Klub in Europa nahm mehr Geld in die Hand. Ziel der Investitionen ist es, Chelsea nach Jahren wieder zu einer Großmacht in England und Europa zu machen. Der größte Teil des Geldes wurde in die deutschen Talente investiert. Für Havertz legten die Blues 81 Millionen Euro hin und machten den früheren Leverkusener zum teuersten deutschen Profi aller Zeiten. Timo Werner war mit 53 Millionen Euro der zweitteuerste Neuzugang im Sommer.

Dass die beiden nun in einer Formkrise stecken, hat viel mit dem Trainer zu tun. Beide spielen nicht auf ihren Lieblingspositionen. Lampard setzt Havertz häufig auf dem Flügel oder als Stürmer, dabei fühlt er sich im (rechten) offensiven Mittelfeld am wohlsten. Ähnliches gilt für Werner, der auf der Außenbahn im Sturm ran muss, obwohl er sich im Zentrum wohler fühlt. Havertz schaffte nach seiner Covid-19-Erkrankung nicht die Rückkehr in die Startelf. "Wir müssen ihm Zeit geben, vor allem wegen seiner Situation mit Covid. Es ist nicht so, dass das kein Problem wäre, es ist ein Problem, das über seine Erkrankung hinaus geht und ich bin hier, um ihm zu helfen", sagte Lampard vor wenigen Tagen.

Damit deutete der Coach an, dass er Harvertz schwaches Auftreten bisher auch mit Anpassungsschwierigkeiten an die Premier League zu tun habe. Lampard kündigte vorsorglich an, dem 21-Jährigen alle Zeit der Welt zu geben, um sich zu entwickeln. Dass Havertz eines der größten Talente des Weltfußballs ist, daran zweifelt auch in London niemand.

Großer Druck durch hohe Ablösesummen

Ein weiterer Grund für die Formkrise könnte der gewaltige Druck sein, der zwangsläufig durch die hohen Ablösesummen entsteht. Havertz wäre nicht das erste Talent, das unter einer zu hohen Erwartungshaltung verkrampft. Timo Werner, der sich vor Weihnachten harsche Worte von Lampard wegen seiner vergebenen Torgelegenheiten anhören musste, gab offen zu: "Es spielt eine Rolle, wie viel du kostest." Daran habe er sich aber gewöhnt. An die körperlichen Anforderungen in der Premier League müsse er sich dagegen noch anpassen: "Es ist schwieriger, als ich dachte. Der Kontakt hier ist härter als in Deutschland. Ich hatte damit gerechnet, aber nicht so", sagte er "Sky Sports". Der enge Terminkalender tut ein Übriges. Dabei lief es für Werner in den ersten Monaten gut. In 23 Pflichtspieleinsätzen schoss er acht Tore und bereitete sechs vor. Dann kam der Einbruch.

Wie lange Werner und Havertz noch unter Lampard spielen werden, ist offen. Angeblich soll das Verhältnis des Trainers zu einigen Spielern gestört sein. Lampard pflege bisweilen einen rauen Umgangston, heißt es. In den englischen Medien wird bereits fleißig über seine Ablösung spekuliert. Denn schließlich ist ein Trainer auf dem Markt, der auf der gesamten Insel heiß begehrt ist: Er heißt Thomas Tuchel.

Quellen: DPA, "Süddeutsche Zeitung", "Kicker", "transfermarkt.de", "The Athletic"


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