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Fifa schlägt Alarm Weltfußball im Griff der Wettmafia


Betrüger haben den internationalen Fußball im Griff. Wie fest, zeigen stern-Recherchen. Ein hoher Fifa-Mitarbeiter schildert in einer E-Mail einen Flächenbrand: Die Wettmafia manipuliert Spiele quer über den Globus.
Von Nina Plonka und Wigbert Löer

Der Weltfußballverband Fifa schlägt intern Alarm. In einer mehrseitigen, vertraulichen E-Mail an Fifa-Generalsekretär Jérome Valcke und seine drei Direktoren beschreibt ein hoher Fifa-Mitarbeiter einen Flächenbrand. Wegen mutmaßlich verschobener Spiele laufen in Südamerika in zwölf Ländern Untersuchungen, im Nahen Osten in acht und in Afrika in neun Staaten, zählt der Fifa-Mann auf. Die zwei jungen südkoreanischen Fußballprofis, die sich vor kurzem umgebracht haben, hätten dies "wegen Druckes, den sie durch die Nachforschungen verspürten" getan. Es geht in dem Papier auch um Geldwäsche: "Daran sind auch kolumbianische Kartelle sind beteiligt." Die Fifa ermittelt derzeit weltweit.

Der stern beschreibt erstmals, wie eines der berüchtigten Wett-Kartelle in Asien aufgebaut ist und wie die Mafiosi vorgehen, wenn sie Länderspiele verschieben. Vergangene Woche war in Rovaniemi im Norden Finnlands der Wettbetrüger Wilson Perumal zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. In seinen Aussagen und in Briefen, die dem stern vorliegen, belastet er auch den Boss seines Wettkartells, einen Mann aus Singapur namens Dan Tan. Der stern druckt zum ersten Mal ein Foto Dan Tans und das Organigramm seines Wettkartells.

Die Rolle der Fifa beim Kampf gegen die Wettbetrüger ist allerdings fragwürdig. Den Einsatz des FIFA-Schiedsrichters Ibrahim Chaibou (Niger) im Länderspiel Nigeria gegen Argentinien im vergangenen Juni verhinderte die FIFA nicht, obwohl die Ermittler des Fußballweltverbandes wussten, dass Chaibour auf der Gehaltsliste des Tan-Dan-Syndikats gestanden haben soll.

Der Schiedsrichter war schon 2010 aufgefallen. Sowohl bei dem Spiel Südafrika gegen Guatemala als auch bei dem Spiel Ecuador gegen Venezuela sorgte er mit jeweils zwei Elfemetern für ungewöhnliche Ergebnisse. In beiden Spielen fielen insgesamt fünf Tore. In Asien wurde viel Geld genau auf dieses Ergebnis gesetzt. Außerdem steht laut stern-Recherchen auch der Spiele-Agent Subramaniam Rasamanickam, der eine Fifa-Lizenz besitzt mit dem Kartell in enger Verbindung. Subramaniam Rasamanickams Name und Unterschrift tauchen auf einem Vertag für ein vermutlich verschobenes Freundschaftsspiel zwischen El Salvador und Costa Rica auf, der der Zeitung El Gráfico aus El Salvador und dem stern vorliegt. Das Länderspiel wurde von Dan Tans Syndikat organisiert. Rasamanickam, so schreibt der Fifa-Mitarbeiter in der vertraulichen Mail an ihren Generalsekretär, sei ein "bekannter Gefährte" der Wettbetrüger.

Neben Subramaniam Rasamanickam, werden in dem Report zwei weitere FIFA-Spielvermittler dem Wettsyndikat aus Singapur zugerechnet.


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