HOME

Fifa in der Krise: So gefährlich können die Ermittlungen für Blatter werden

Die Untersuchungen der Schweizer Justiz in Zürich haben die Fifa durcheinandergewirbelt. Funktionäre wurden verhaftet. Kann der Kongress noch abstimmen? Wie gefährlich ist die Lage für Blatter?

Der geordnete Fahrplan der Fifa-Tagung scheint ins Wanken zu geraten - Boss Joseph Blatter steht in der Kritik

Der geordnete Fahrplan der Fifa-Tagung scheint ins Wanken zu geraten - Boss Joseph Blatter steht in der Kritik

Einen Tag nach den Festnahmen mehrerer ranghoher Fifa-Funktionäre soll in Zürich der Kongress des Fußball-Weltverbandes beginnen. Ob es dazu kommt, hängt womöglich auch von einer Sitzung der Uefa-Mitglieder ab.

Am Vormittag hat Fifa-Präsident Joseph Blatter Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung in Zürich eingeladen. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem Fifa-Kongress, der am Nachmittag in einem Theater in Zürich eröffnet werden soll. Die Europäische Fußball-Union Uefa hatte eine Verschiebung des Kongresses und der für Freitag anberaumten Präsidentschaftswahlen gefordert. Dies wurde von der Fifa bislang strikt abgelehnt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Lage der Fifa:

Wie geht es nach den dramatischen Entwicklungen in Zürich weiter?

Die Kongresseröffnung ist für 17 Uhr geplant. Bislang hält die Fifa daran fest. Spannend ist die Sitzung der Uefa-Mitgliedsverbände ab 12.30 Uhr in einem Zürcher Hotel. Dann will die Verbandsspitze um Michel Platini und DFB-Chef Wolfgang Niersbach die Basis vom harten Kurs gegen Blatter - inklusive einer Kongress-Boykott-Drohung - überzeugen.

Ist eine Abstimmung überhaupt möglich?

Sollte die Fifa sich dazu entscheiden, die Präsidenten-Wahl am Freitag wie geplant durchzuführen, wäre die Abstimmung auch nach der Verhaftung mehrerer Spitzen-Funktionäre möglich. Der Fifa-Präsident wird vom Kongress gewählt. Dort sitzen die 209 Nationalverbände. Jeder Verband entsendet eine Person, und hat bei der Wahl eine Stimme. Eine Wahl könnte durchgeführt werden. Ob sie allerdings stattfinden sollte, oder ob die Verbände sich dagegen aussprechen, das wird der Tagesverlauf zeigen.

Welche Konsequenzen hätte eine Kongressabsage für die Fifa?

Auf den ersten Blick erscheint eine Kongressabsage unmöglich. Der Gesichtsverlust für Blatter wäre riesig. Andererseits ist der Ruf ohnehin ruiniert und mit einer Verschiebung könnte man den Willen zur Erneuerung sogar noch besser verkaufen. Ein Boykott durch die Uefa wäre bedrohlicher. Die wirtschaftlich stärkste und numerisch zweitgrößte Konföderation auf Konfrontationskurs würde die Fußball-Welt entzweien.

Was ist die Strategie von Joseph Blatter?

Zuerst schien es, als wolle Blatter die Krise wieder einmal aussitzen. Dann meldete er sich doch zu Wort und versprach den Kampf gegen die bösen Mächte des Fußballs. Diese Linie dürfte er bis zum Kongress durchziehen. Der Schweizer glaubt womöglich selbst, dass nur er seine geliebte Fifa aus der Krise führen kann. Seinen Kontrahenten Platz zu machen, kommt für den 79-Jährigen einfach nicht infrage.

Wie gefährlich sind die Ermittlungen für Blatter?

Blatter selbst steht nicht in der direkten Schusslinie, die Ermittlungen treffen ihn derzeit noch nicht. Sollte allerdings einer der verhafteten Fifa-Funktionäre als Kronzeuge fungieren wollen, könnte auch Blatter in den Fokus rücken. Das betont Insider Jens Weinreich, er schreibt bei Twitter: "Jack Warner hat sich gestellt. Wenn er auspackt, wäre Blatter erledigt. Das wäre der Tsunami, den Warner 2011 versprochen hat."

Was bedeuten die Untersuchungen der Schweizer Justiz für die WM 2018 und 2022?

Noch ist in der WM-Frage nichts Entscheidendes passiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und tut dies vermutlich auf deutlich professionellere und unabhängigere Weise, als es die Fifa-Ethikhüter je haben tun können. Tatsächlich wurden die Durchsuchungen im Fifa-Hauptquartier erst durch die Strafanzeige des Weltverbandes angestoßen. Nun darf mit Spannung abgewartet werden, was die eidgenössischen Ermittler aufspüren - auch bei ihren angekündigten Verhören der Wahlmänner aus dem Fifa-Exko von 2010.

Wie wahrscheinlich ist eine Neuvergabe der Turniere?

Für eine Neuausschreibung gibt es noch keine konkreten Anzeichen. Erst wenn die Schweizer Ermittler tatsächlich belastbare Beweise für Korruption finden, könnte diese Diskussion eine juristisch tragbare Grundlage finden. Der Imageschaden für die Fifa und ihre WM-Ausrichter Russland und Katar wäre aber immens. Spätestens dann müsste es auch zu einer Neubesetzung der Fifa-Spitze kommen.

feh/DPA / DPA

Wissenscommunity