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Fünf Fragen und Antworten zum Schweden-Spiel: Wie gut ist der Teamgeist wirklich? Wo spielt Lahm?

Vorhang auf zum letzten Pflichtspiel des Jahres für das DFB-Team: Wer ersetzt Sami Khedira? Stürmt Angela Merkel wieder die Kabine? Das müssen Sie vor dem Anpfiff wissen.

Von Klaus Bellstedt, Berlin

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft strebt am Abend in Berlin gegen Schweden (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) den vierten Sieg im vierten Qualifikationsspiel für die Fußball-WM 2014 in Brasilien an. Nach der 6:1-Gala vor vier Tagen gegen Irland zeigt die Stimmungskurve wieder nach oben. Davor hatten sich Joachim Löw und sein Team viel Kritik gefallen lassen müssen. Was der Sieg auf der Insel wirklich wert ist, wird man vermutlich schon im Olympiastadion erkennen. Die Schweden um Superstar Zlatan Ibrahimovic sind ein anderes Kaliber. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten vor dem letzten WM-Qualifikationsspiel des Jahres.

1. Wer rückt für den verletzen Sami Khedira in die Startaufstellung – ein offensiver oder ein defensiver Mittelfeldspieler?

Weder noch. Es ist Toni Kroos und den bezeichnet Joachim Löw gerne als "Zwischenspieler". Nach seinen beiden Toren gegen Irland wäre Kroos' Rückversetzung auf die Bank ohnehin schwer vermittelbar gewesen. Der Bayern-Profi ist auf dem Platz mehr der Typ Künstler, während Khedira seine Rolle etwas handfester interpretiert. Für das Schweden-Spiel bedeutet das: Anders als gegen Irland wird Bastian Schweinsteiger vermutlich defensivere Aufgaben übernehmen und versuchen, die Kreise von Superstar Zlatan Ibrahimovic einzuengen. Kroos kommt mit seiner Spielanlage die Rolle des Bindeglieds zwischen Abwehr und Angriff zu - mit Fokus auf die Offensive. So ganz ohne Risiko ist das gegen die unberechenbaren und gut organisierten Schweden nicht. Schließlich fehlt ein echter zweiter Abräumer. Insofern trifft der Ausfall von Khedira den Bundestrainer schon hart.

2. Der Kapitän kehrt nach abgesessener Sperre zurück. Wechselt Philipp Lahm wieder die Seite und spielt links für "Problemspieler" Marcel Schmelzer?

Nein, Lahm spielt rechts. Das hat einen einfachen Grund: Schmelzer, bei dem sich Joachim Löw mittlerweile zum zweiten Mal öffentlich für seine vernichtende Kritik entschuldigt hat, hat den Bundestrainer gegen Irland überzeugt. Würde er ihn jetzt trotzdem auf die Bank setzen, wäre Schmelzers Karriere in der Nationalmannschaft vermutlich schon beendet, bevor sie richtig angefangen hat. Fakt ist: Löw fehlen auf den Außenpositionen der Viererabwehrkette grundsätzlich die Alternativen. "Nicht umsonst wechsele ich ständig von rechts nach links", sagt Lahm. Jetzt, gegen Schweden, bekommt Schmelzer seine nächste Bewährungschance. Der Kapitän läuft rechts auf und verdrängt Jerome Boateng - vorerst. Apropos Boateng: Für Lahms Teamkollegen von den Bayern ist auch in der Innenverteidigung kein Platz. Dort hält Löw am formverbesserten Per Mertesacker neben dem bewährten Holger Badstuber fest.

3. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft wirklich?

Seit der Kritik von Bastian Schweinsteiger, der dem DFB-Team während der EM mangelnden Zusammenhalt konstatiert hatte, gibt es eine Teamgeist-Diskussion rund um die Nationalelf. Aber natürlich auch intern. Mesut Özil konterte zunächst: "Ich war ja mittendrin, habe eigentlich gespürt, dass wir eine Einheit waren. Da war jeder für den anderen da, jeder kämpfte für die Mannschaft", sagte der Star von Real Madrid. Nun muss man wissen, dass Özil nicht eben zu den Führungsspielern in der Mannschaft zählt. Mehr Gewicht als seine Worte hatten da schon die Aussagen von Manuel Neuer: "Man kann nie sagen, dass es nicht noch besser geht." Das war zwar diplomatisch, zwischen den Zeilen ließ sich daraus aber doch ablesen, wie es wirklich um den Zusammenhalt stand und steht. Am Rande des Spiels in Irland ließ erst der Bundestrainer selbst verlauten, dass es bei der EM "Reibereien" gab, dass die Stimmung im Vergleich zur WM 2010 nur "gut" und nicht "überragend gut" gewesen sei. Kapitän Philipp Lahm hat die Katze nun im Interview mit der "SZ" ebenfalls aus dem Sack gelassen: "Ich gebe ihm (Schweinsteiger, Anm. der Red.) recht, die Stimmung war schon mal besser als bei der Euro. Bastian wollte einen Anstoß geben, dass die Spieler darüber nachdenken, ob sie bei der EM alles fürs Team getan haben." Und jetzt? Befindet sich die Mannschaft, was den Teamgeist betrifft, in einer Art Konsolidierungsphase. Die Wunden nach dem EM-Aus heilen langsam. Aber es haben sich eben auch neue Hierarchien gebildet. Sami Khedira ist nicht mehr nur der Nebenmann von Bastian Schweinsteiger. Und Mats Hummels ist - allein schon was das Auftreten außerhalb des Platzes betrifft - ein Führungsspieler. Aber lassen das die Etablierten auch zu? Es sind nur zwei Beispiele, die beweisen, dass Konflikte programmiert waren und sind. Vom offensichtlichen Nebeneinander der beiden Fraktionen aus München und Dortmund mal ganz zu schweigen. Es wird also noch ein bisschen dauern, bis der Teamgeist von 2010 wieder hergestellt ist. Siege können dab ei helfen.

4. Abgesehen von Zlatan Ibrahimovic: Auf welchen Spieler bei den Schweden muss die deutsche Mannschaft noch achten?

Auf Johan Elmander. Der Stürmer von Galatasaray Istanbul laborierte wochenlang an einer Zehenverletzung. Beim mühsamen 2:1-Erfolg auf den Färöern am vergangenen Freitag wurde der 31-Jährige noch geschont, nun hat er sich fit gemeldet. "Es ist nicht schlimmer geworden. Ich denke, dass ich spielen kann", sagte Elmander am Tag vor dem Match im Olympiastadion. Seitdem Ibrahimovic mehr als vorgezogener Zehner agiert, sind die Schweden mehr denn je auf ihren zweiten Stürmer von internationalem Format angewiesen. Hinter dem Duo klafft eine große Lücke. Elmander, der abgesehen von seiner Heimat und der Türkei schon in Dänemark, Frankreich, England und Holland gekickt hat, ist ein technisch starker (und beidfüßiger) Fußballer, der über ein gutes Kopfballspiel verfügt und im gegnerischen Strafraum auch seinen wuchtigen Körper immer wieder geschickt einsetzt.

5. Stürmt Bundeskanzlerin Angela Merkel wie beim letzten Mal in Berlin wieder die Kabine der Nationalmannschaft?

Eher nicht, weil damals beim DFB einige verstimmt über die spontane Reaktion der Kanzlerin waren. Rückblick: Angela Merkel eilte nach dem 3:0-Sieg der DFB-Auswahl gegen die Türkei am 8. Oktober 2010 im Berliner Olympiastadion zusammen mit Ex-Bundespräsident Christian Wulff, dessen Tochter und Regierungssprecher Steffen Seibert in die deutsche Kabine – ohne Delegationschef Theo Zwanziger. Sie hatte die Aktion zuvor auf der Ehrentribüne mit Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff abgesprochen. Ein offizieller Fotograf des Bundespresseamtes hatte die Szene festgehalten, wie die Kanzlerin Mesut Özil gratuliert. Merkel (im DFB-grünen Blazer) schüttelte dabei dem halbnackten Regisseur und Deutsch-Türken die Hand - ein Bild mit Symbolwert angesichts der Dauerdebatte um Migranten. Der damalige DFB-Präsident Zwanziger hatte sich danach intern beklagt, dass sich der Verband nicht von der Politik instrumentalisieren lassen dürfe. Nun ist Zwanziger zwar Geschichte, Merkel wird sich nach dem Schweden-Spiel, das sie gemeinsam mit dem schwedischen Regierungschef Fredrik Reinfeldt auf der Tribüne des Olympiastadions verfolgen wird, aber wohl dennoch nicht noch einmal herausnehmen, in das Heiligste der deutschen Nationalmannschaft einzudringen - ohne vorher die richtigen Leute gefragt zu haben. Obwohl: Bei Merkel weiß man nie ...

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