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Fußball-Bundesliga: Keine Ideen, keine Tore - HSV enttäuscht gegen zehn 96er

Mit einem Pfeifkonzert verabschiedete das Hamburger Publikum Bruno Labbadias Team nach dem 0:0 gegen Hannover. Im Anschluss sorgte Paolo Guerrero für einen Eklat und muss nun schwerwiegende Konsequenzen fürchten. Im ersten Sonntagsspiel kam Hoffenheim in Wolfsburg unter die Räder.

Im 44. Nord-Derby stach Hannover die Hanseaten am Sonntag mit grundsolider Taktik aus. Der HSV konnte in der Fußball-Bundesliga erneut nicht überzeugen und musste beim 0:0 einen Rückschlag für seine Europapokal-Ambitionen hinnehmen. Bei nun drei Punkten Rückstand auf Platz fünf und einem Trio aus Stuttgart, Frankfurt und Wolfsburg im Nacken setzte sich der Abwärtstrend der Hamburger auch vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League bei Standard Lüttich am Donnerstag fort.

Bei den Hanseaten lagen nach dem Spiel die Nerven blank. Die Fans pfiffen gnadenlos und Paolo Guerrero leistete sich einen schlimmen Aussetzer. Beim Gang in die Kabine schleuderte der Stürmer am Sonntag seine Trinkflasche gezielt ins Publikum und traf einen Zuschauer im Gesicht. Diese Aktion dürfte für den Peruaner Konsequenzen haben.

96er überstehen kurze HSV-Drangphase

Hannover 96 zeigte sich nach einem Trainingslager vor 57 000 Zuschauern deutlich formverbessert und hat als Vorletzter bei 24 Punkten noch einen Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz. Auch in Unterzahl nach der Gelb-Roten Karte für Jiri Stajner (59.) ließ sich Hannover nicht aus dem Konzept bringen. Erstmals im Jahr 2010 blieb die schlechteste Bundesliga-Abwehr ohne Gegentreffer.

Der Schwede Marcus Berg durfte beim HSV für den angeschlagenen Mladen Petric ran und prüfte 96-Schlussmann Florian Fromlowitz in der 6. Minute mit einem Kopfball. Nach einer guten Viertelstunde bedenklichen Leerlaufs war Fromlowitz bei einem Berg-Schuss (23.) erneut wachsam. Kurz darauf hätte der Schlussmann bei einem Lattenkracher von Dennis Aogo (26.) keine Chance gehabt. Die kurze HSV-Drangphase überstand Hannover unbeschadet.

Pfiffe zur Pause gegen die Hanseaten

Die Niedersachsen wirkten nach ihrem Fünf-Tage-Trip ins Karl-May-Städtchen Bad Segeberg deutlich selbstbewusster als beim desaströsen 1:4 gegen Köln in der Vorwoche. Einzige Chance des ersten Durchgangs war ein Konter über Jiri Stajner und Manuel Schmiedbach (36.), der den Vorzug vor Jan Schlaudraff erhalten hatte. Jerome Boateng und Zé Roberto konnten Ungemach für das HSV-Tor mit vereinten Kräften verhindern.

Den Fans reichte nicht was die HSV-Profis gegen das robuste 96-Bollwerk im ersten Abschnitt boten. Pfiffe begleiteten die Hanseaten in die Kabine. Genauso unerfreut reagierte der Anhang auf die Auswechslung von Ruud van Nistelrooy zum Seitenwechsel. Als Ersatzmann Paolo Guerrero (49.) im Strafraum zu Boden ging und Hannovers Mario Eggimann der Ball an den Ellenbogen sprang, forderten die Hamburger Strafstoß - Schiedsrichter Peter Sippel (München) war anderer Meinung.

Auch als Stajner wegen wiederholten Foulspiels vom Platz musste, konnte der Hamburger SV seine Überzahl nicht nutzen. Immerhin bekamen die Hamburger eine gute Lehrstunde, wie sie am kommenden Donnerstag im Rückspiel der Europa-League bei Standard Lüttich agieren könnten. Dann würde ein 0:0 zum Halbfinaleinzug reichen - und die bitter enttäuschten HSV-Fans versöhnen.

HSV-Präsident Hoffmann: "Inakzeptables Verhalten"

Vorstandschef Bernd Hoffmann hat nach dem Flaschenwurf von Paolo Guerrero eine Bestrafung für den Stürmer des Hamburger SV angekündigt. "Das ist völlig unakzeptabel. Es wird entsprechende Konsequenzen geben", sagte Hoffmann am Sonntagabend im Interview des TV-Senders "Sky". Detailliert wollte sich der Vereinsboss zur Reaktion des Fußball-Bundesligisten nicht äußern. Der Vorfall werde intern geklärt. Man müsse die Aktion des Peruaners im Gesamtzusammenhang beurteilen.

Dzeko-Doppelpack: Wolfsburg schlägt Hoffenheim 4:0

Der VfL Wolfsburg darf dank einer erstklassigen Chancenverwertung und Torgarant Edin Dzeko weiter von der erneuten Qualifikation für den Fußball-Europacup träumen. Drei Tage nach der 1:2-Niederlage beim FC Fulham im Europa-League-Viertelfinale deklassierte der deutsche Meister am Ostersonntag 1899 Hoffenheim mit 4:0 (1:0). Dzeko zog durch einen Doppelpack (25./75.) mit nun 18. Saisontreffern in der Torschützenliste mit Leverkusens Stefan Kießling und Schalkes Kevin Kuranyi gleich. Andrea Barzagli (51.) und Zvjezdan Mismimovic (74.) steuerten die übrigen Tore vor 28 107 Zuschauern in der Volkswagen-Arena zum zu hoch ausgefallenen Sieg bei.

"Es war wichtig, dass wir nicht in Rückstand geraten sind. Heute hatten wir einige Male Glück. Wenn wir unsere Chancen bekommen, haben wir Spieler, die ein Spiel für uns entscheiden", sagte Interims- Trainer Lorenz-Günther Köstner. "Jetzt gilt es, für Donnerstag Kräfte zu sammeln", sagte er mit Blick auf das Fulham-Rückspiel. "Wenn ich mit diesen Toren der Mannschaft helfen kann, dann mache ich das gerne", sagte Doppelpack-Dzeko. Für Hoffenheim blieb nur das Hadern: "Wir haben eine Halbzeit richtig gut gespielt, aber kein Tor gemacht. Wir haben einen nicht so guten Lauf", sagte 1899-Kapitän Per Nilsson.

Dzeko bestraft mangelhafte Chancenverwertung

Durch den sechsten Sieg aus den vergangenen sieben Spielen ist der Abstand des VfL mit nun 43 Zählern auf den fünften Tabellenplatz auf nur noch fünf Punkte geschrumpft. Hoffenheim wartet dagegen seit fünf Spielen weiter auf einen Sieg und stagniert als Tabellenelfter mit 34 Punkten im Niemandsland der Tabelle. Dabei war das Team von Trainer Ralf Rangnick rund 60 Minuten das bessere Team gegen die nach dem Europacupspiel am Donnerstag müde wirkenden Gastgeber. Allerdings nutzen die Gäste auch beste Chancen nicht. Nilsson, der für den gelbgesperrten Innenverteidiger Josip Simunic spielte, köpfte völlig frei stehend aus etwa sieben Metern kläglich neben das Tor (16.). In der 24. Minute hielt Wolfsburgs Torhüter Diego Benaglio sein Team mit einem grandiosen Reflex gegen Maicosuel im Spiel.

Dzeko bestrafte die mangelhafte Chancenverwertung im Gegenzug nach einer schönen Flanke von Christian Gentner eiskalt. Gästekeeper Daniel Haas, der den verletzen Timo Hildebrand (Rücken) vertrat, hatte bei dem Kopfball keine Chance. Auch im zweiten Durchgang änderte sich das Bild nicht. Hoffenheim machte das Spiel, aber Wolfsburg das Tor. Während Hoffenheims Sejad Salihovic einen Freistoß aus gut 22 Metern knapp über das Tor setzte, köpfte Barzagli eine Freistoß-Flanke von Zvjezdan Misimovic zu seinem ersten Bundesligator in Netz. Erst danach gaben sich die Gäste geschlagen. Ein Doppelschlag von Misimovic und Dzeko machte den Sieg perfekt.

DPA/SID/ins / DPA

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