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FUSSBALL: Chaos: Wird die WM 2002 zum Reinfall?

Knapp ein Jahr vor der Weltmeisterschaft 2002 ist bei den Gastgebern Japan und Südkorea von Vorfreude nichts zu sehen. Es fehlt an allen Ecken und Enden.

Die Organisatoren fürchten den finanziellen Reinfall, der Fußball-Weltverband FIFA das organisatorische Desaster. Knapp ein Jahr vor der Weltmeisterschaft 2002 ist bei den Gastgebern Japan und Südkorea von Vorfreude nichts zu sehen. Im Gegenteil: Der als Generalprobe deklarierte Konföderationen-Pokal, der am Sonntag mit dem Endspiel zwischen Japan und Frankreich in Yokohama endet, deckte ernüchternd auf, dass die beiden Länder organisatorisch noch weit von der WM-Form entfernt ist.

Höfliche Kritik

»Wir haben kleinere Probleme festgestellt. Das ist gut so, sonst hätten wir diesen Test nicht gebraucht«, formulierte FIFA-Präsident Sepp Blatter in Tokio höflich seine Erkenntnisse. Eine Zukunft aber hat das Modell mit den asiatischen Rivalen, die vor sechs Jahren von der FIFA-Exekutive als gleichberechtigte Partner zur gemeinsamen Ausrichtung praktisch gezwungen wurden, auch in Blatters Augen nicht. »Sollte es noch einmal zu einem Co-Hosting kommen, dann muss es Prinzipien geben. Und das erste Prinzip wäre, dass ein Land die Führungsrolle hat«, meinte der 65-jährige Schweizer.

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Transportprobleme

Denn nie kam während der WM-Vorbereitung der Eindruck auf, dass beide Länder wirklich an einem Strang ziehen wollen - auch beim Konföderationen-Pokal nicht. Überraschend hatte Japan mit der Abwicklung der aus organisatorischer Sicht eigentlich anspruchslosen Veranstaltung größere Probleme als der wirtschaftlich schwächere Mit-Gastgeber Südkorea. Die Mini-WM mit acht Teams in sechs Städten löste in Japan bereits alarmierende Transportprobleme aus, obwohl die Stadien vielfach nur halb gefüllt und praktisch keine ausländischen Fans angereist waren.

Kaum Unterkünfte

Noch Besorgnis erregender war für die FIFA die Erkenntnis, dass es in beiden Ländern viel zu wenig sprachlich geschultes Personal gibt, das im kommenden Jahr die 32 Mannschaften und die erwarteten 800 000 ausländischen Gäste betreuen kann. Offensichtlich gelingt es den Gastgebern nicht, ihre Bevölkerung für die erste Fußball-WM auf asiatischem Boden zu mobilisieren. So hat das japanische Organisations-Komitee (JAWOC) in einer landesweiten Aktion nach 16 500 Freiwilligen gesucht - und nur knapp 5 000 Anmeldungen erhalten. Zudem kann das JAWOC in einigen Spielorten kaum Unterkünfte anbieten, weil die örtlichen Hotel-Manager die Verhandlungen blockieren.

Finanzieller Kollaps

Die größte JAWOC-Sorge aber ist die vor einem finanziellen Kollaps. Auf Grund der angespannten Lage hat das OK das Gesamtbudget von ursprünglich rund 1,1 Milliarden Mark um 47 Millionen Mark gekürzt. Zugleich forderte es die zehn Austragungsorte zu einer Zusatz-Spende von jeweils rund 1,75 Millionen Mark auf. Die meisten Kommunalpolitiker aber klagen ohnehin darüber, dass sich die WM nicht rechnen wird. Acht der zehn Prefekturen gehen davon aus, dass sie am Ende in den roten Zahlen landen werden, weil die hohen Stadion-Baukosten über den Plänen liegen und sich nicht rentieren werden.

Schon gar nicht, wenn die Zuschauer nicht kommen. Die Besucherzahlen bei der »Test-WM« waren enttäuschend, selbst bei Spielen der eigenen Mannschaften waren die Stadien in beiden Ländern kein einziges Mal ausverkauft. 33 000 Zuschauer besuchten die Spiele durchschnittlich. Bei den Spielen ohne Beteiligung der gastgebenden Teams waren es knapp 22 000 Besucher, obwohl die OK's mit Freikarten lockten. Zum Vergleich: Beim Konföderationen-Pokal vor zwei Jahren in Mexiko, bei dem die deutsche Mannschaft in der Vorrunde ausschied, besuchten die 16 Spiele durchschnittlich 59 000 Zuschauer.

Bei der WM im kommenden Jahr werde dies alles ganz anders, versprechen die Organisatoren, und verweisen auf einen Ansturm der einheimischen Bevölkerung beim WM-Kartenvorverkauf. Allein in Japan seien bereits 15 Millionen Ticket-Bestellungen eingegangen - das lässt hoffen.

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