Hintergrund Die Sanktionsmöglichkeiten des DFB


Abgesehen von möglichen zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen kann der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Manipulations-Skandal gegen Vereine, Spieler, Trainer oder Funktionäre Sanktionen von Geldstrafen über Sperren bis hin zu Lizenzentzügen aussprechen.

Auch im Pokal sind Spielwiederholungen unter bestimmten Bedingungen möglich. Zuständige Instanzen sind der Kontrollausschuss, das Sportgericht und das Bundesgericht. Laut Rechts- und Verfahrensordnung vom 30. April 2001 können gegen Vereine für aktive oder passive Bestechung Geldstrafen bis zu 250 000 Euro verhängt werden. Dabei ist bereits der Versuch strafbar. Für dasselbe Vergehen können Spieler mit einer Sperre zwischen drei Monaten und zwei Jahren sanktoniert werden, daneben sind auch Geldstrafen möglich. In schweren Fällen kann eine Sperre auf Dauer ausgesprochen oder die Lizenz entzogen werden. Verstöße in Zusammenhang mit Bestechung verjähren in fünf Jahren.

Auch Pokalspiele wiederholbar

Wiederholungsspiele im DFB-Vereinspokal sind nur möglich, solange betroffene Mannschaften die nächste Runde noch nicht absolviert haben, es sei denn, es wurde vorher ein Verfahren eingeleitet. Unmittelbar nach dem vom Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer am 21. August 2004 beeinflussten Erstrundenspiel SC Paderborn - Hamburger SV (4:2) wurde durch die Anzeige von Oddset vom DFB ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Nachdem der DFB nach eigener Einschätzung keine hinreichenden Beweise für eine Manipulation finden konnte, erklärte der Kontrollausschuss-Vorsitzende Horst Hilpert das Ermittlungsverfahren für "ruhend".

Die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB erkennt Eidesstattliche und ehrenwörtliche Erklärungen nicht als Beweismittel an.

Nach dem Bundesliga-Skandal in der Saison 1970/71, bei dem in der Summe fast eine Million Mark Bestechungsgeld kursierte, wurden von den verschiedenen Rechtsinstanzen des DFB Strafen gegen 53 Spieler aus sieben Clubs sowie gegen zwei Trainer, zwei Vereine und sechs Funktionäre verhängt. Es gab keine Spielwiederholungen.

Lizenzentzug und Sperren

Den vom Vorwurf der Bestechung in der Hauptsache betroffenen Vereinen Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld wurde die Lizenz entzogen. Horst-Gregorio Canellas, Kickers-Präsident und am Morgen nach dem letzten Spieltag Auslöser des Skandals, sowie der Bielefelder Trainer Egon Piechaczek wurden auf Lebenszeit gesperrt. Bei Canellas wurde das Urteil 1976 aufgehoben. Drohenden Gefängnisstrafen entgingen die Hauptverantwortlichen.

Im Zusammenhang mit Wettbetrug wurde in der Bundesliga bislang nur ein einzelner Spieler bestraft. Der Kroate Vlado Kasalo vom 1. FC Nürnberg hatte in der Saison 1990/91 in zwei aufeinander folgenden Spielen mit je einem spektakulären Eigentor Niederlagen seines Clubs verschuldet, um Gewinne auf dem schwarzen Wettmarkt zu kassieren. Kasalo wurde vor einem ordentlichen Gericht wegen illegalen Glücksspiels zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. Der 1. FC Nürnberg entließ Kasalo fristlos, der DFB entzog dem Abwehrspieler die Lizenz. Kasalo heuerte 1992 beim Zweitligisten FSV Mainz 05 an, wo er bis 1994 aktiv war.

DPA DPA

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