Länderspiel gegen die USA Klinsmann holt Mainzer Neuling


Der Mainzer Manuel Friedrich steht zum ersten Mal im Kader der Nationalelf. Für das Testspiel gegen die USA in Dortmund greift der Bundestrainer zudem auf einen Lokalmatador zurück.

Jürgen Klinsmann gibt den Versagern von Italien die versprochene Chance zur Wiedergutmachung gegen den WM-Teilnehmer USA - wirklich bemerkenswert ist aber die Nominierung von Neuling Manuel Friedrich und Vize-Weltmeister Sebastian Kehl. Mit der lange hinausgezögerten Rückkehr des Lokalmatadors in die Nationalmannschaft sendete Klinsmann am Dienstag bei der Bekanntgabe seines Aufgebotes für den drittletzten WM-Test am Mittwoch kommender Woche auch ein Versöhnungs-Signal an das Dortmunder Publikum, das dem Bundestrainer nach dem Rauswurf von Christian Wörns aus dem WM-Kader nicht unbedingt wohl gesonnen ist.

Neben Kehl und Friedrich ist Oliver Kahn der dritte Spieler im 23-köpfigen Kader, der beim 1:4-Desaster in Florenz wegen einer Verletzung nicht dabei gewesen war. "Die Nominierung ist ein Signal, dass sich unsere WM-Planungen immer mehr konkretisieren", begründete Klinsmann das Festhalten am Italien-Personal. Gegen die USA wird Kahn absprachegemäß wieder an Stelle von Jens Lehmann das Tor hüten und er soll mit dazu beitragen, dass die Stimmung im WM-Gastgeberland wieder ins Positive umschlägt. "Wir wollen Wiedergutmachung bei den Fans betreiben", sagte Klinsmann zur Zielsetzung im ersten Heimspiel 2006.

"Haben Kehl nie abgeschrieben"

Die Berufung von Kehl sei keine Good-Will-Aktion gegenüber den Dortmunder Fans, betonte Klinsmann: "Diese Entscheidung hat nichts mit dem Austragungsort des Länderspiels zu tun, sie ist eine logische Folge seiner Leistung in den vergangenen Wochen." DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte dennoch am Dienstagabend in Dortmund persönlich bei einem Treffen mit BVB-Fans für eine positive Länderspiel-Atmosphäre werben. Allerdings habe er keine "Angst" vor dem Auftritt in Dortmund, wie sie DFB-Vizepräsident Rolf Hocke geäußert hatte. "Angst vor dem Spiel? Um Gottes Willen nein", meinte Zwanziger zu möglichen Missfallensäußerungen gegenüber Klinsmann von der Tribüne.

Der Bundestrainer hatte sich am Montag sogar mit Kehl getroffen, um diesen in einer "ausführlichen Unterhaltung" persönlich und vorab über seine Nominierung zu informieren. "Mit seinem Comeback wird bei uns der Konkurrenzkampf im defensiven Mittelfeld noch intensiver", erklärte Klinsmann. Kehl wurde mit der Berufung auch dafür belohnt, dass er im Gegensatz zu seinem Vereinskollegen Wörns die Enttäuschung über die Nichtnominierung für das Italien-Spiel nicht öffentlich kundgetan hatte. Lediglich zu zwei Fitness-Tests 2005 sowie dem Kurzlehrgang Ende Januar in Düsseldorf war er eingeladen worden, aber abgeschrieben hatte ihn Bundestrainer nach eigener Aussage nie: "Wir haben immer gesagt, dass er seine Chance erhält."

Fragezeichen hinter Huth-Einsatz

Ein Vier-Minuten-Einsatz beim 2:0 gegen die Schweiz am 2. Juni 2004 in Basel war der 24. und bislang letzte Auftritt des 26-Jährigen im Nationaltrikot. Nun darf Kehl in seiner Wahlheimat auf seinen Jubiläums-Einsatz hoffen - Manuel Friedrich dagegen könnte der zwölfte Debütant der Klinsmann-Ära werden. Der 26-Jährige könnte im Endspurt um die 23 WM-Plätze Kapital schlagen aus den weiterhin großen Abwehrproblemen der Nationalmannschaft.

"Schon vor dem Frankreich- und Italien-Spiel war die Nominierung von Manuel für uns ein aktuelles Thema. Seine Entwicklung in den vergangenen Jahren war enorm konstant und sehr interessant", sagte Klinsmann. Im Gegensatz zu Routinier Wörns passt Friedrich auch ins System des Bundestrainers: "Seine Spielweise entspricht unserer Philosophie, seine Stärken liegen unter anderem in seiner Zweikampfstärke und seinem hervorragenden Stellungsspiel."

Der Mainzer Leistungsträger reagierte begeistert und kämpferisch auf die kaum noch erhoffte WM-Chance. "Es ist eine große Ehre für mich, in den Kreis der besten deutschen Spieler berufen zu werden. Sollte ich zum Einsatz kommen, werde ich alles dafür geben, um das Vertrauen des Bundestrainers zu rechtfertigen", sagte Friedrich, der nach zwei Kreuzbandrissen während seiner Zeit bei Werder Bremen erst nach der Rückkehr nach Mainz sein Leistungsvermögen zeigen konnte.

Friedrichs Hoffnungen auf einen Einsatz könnten noch wachsen, wenn Robert Huth von Chelsea London keine Freigabe für das USA-Spiel erhalten sollte. Trainer José Mourinho will nach DFB-Angaben erst am Sonntagabend nach dem Premier-League-Spiel gegen den FC Fulham entscheiden, ob er den Innenverteidiger im FA-Cup-Spiel gegen Newcastle United benötigt. Die Partie findet parallel zum USA-Spiel statt.

DPA

Der Nationalelf-Kader:

Tor

Timo Hildebrand (VfB Stuttgart), Oliver Kahn (Bayern München), Jens Lehmann (Arsenal London)

Abwehr

Arne Friedrich (Hertha BSC Berlin), Manuel Friedrich (1. FSV Mainz.05), Robert Huth (FC Chelsea London), Marcell Jansen (Borussia Mönchengladbach), Philipp Lahm (FC Bayern München), Per Mertesacker (Hannover 96), Christoph Metzelder (Borussia Dortmund), Patrick Owomoyela (Werder Bremen)

Mittelfeld

Michael Ballack (FC Bayern München), Tim Borowski (Werder Bremen), Sebastian Deisler (FC Bayern München), Fabian Ernst (FC Schalke.04), Torsten Frings (Werder Bremen), Sebastian Kehl (Borussia Dortmund), Bernd Schneider (Bayer.04 Leverkusen), Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München)

Angriff

Gerald Asamoah (FC Schalke.04), Mike Hanke (VfL Wolfsburg), Miroslav Klose (Werder Bremen), Lukas Podolski (1. FC Köln)

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