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Länderspiel: Mehr als ein Freundschaftsspiel

«In Serbien ist die Partie gegen Deutschland nicht nur ein Freundschaftsspiel», warnte Lothar Mätthäus vor dem Testspiel der DFB-Elf gegen die Auswahl von Serbien und Montenegro in Bremen.

Diesen Hinweis von Lothar Matthäus sollten die deutschen Fußball-Nationalspieler unbedingt ernst nehmen. "In Serbien ist die Partie gegen Deutschland nicht nur ein Freundschaftsspiel", sagt der Trainer von Partizan Belgrad vor dem Länderspiel des WM-Zweiten am Mittwochabend in Bremen gegen die Auswahl von Serbien und Montenegro: "Sie haben einen großen Nationalstolz und wollen gegen einen renommierten Gegner ihren Ruf aufpolieren."

Matthäus wird im Weserstadion auf der Tribüne sitzen und ein besonderes Auge auf die vier Akteure aus seinem Club werfen, die Auswahltrainer Dejan Savicevic in seinen 20-köpfigen Kader berufen hat. Zum Quartett des souveränen Tabellenführers in der heimischen Liga gehört unter anderem Zvonimir Vukic, der trotz seiner 23 Jahre bereits als "Maradona des Balkans" (Matthäus) bezeichnet wird.

Serben wollen an alte Erfolge anknüpfen

Am 11. Februar 2003 ist Rest-Jugoslawien in Serbien und Montenegro umbenannt worden, doch das Nachkriegs-Chaos hält an. Erst vor einer Woche wurde der nach dem Mord an Ministerpräsident Zoran Djindjic verhängte Ausnahmezustand wieder aufgehoben. Im Fußball wollen die Serben und Montenegriner unter neuem Namen an alte Erfolge anknüpfen. "Unser großes Ziel ist die Teilnahme an der Europameisterschaft in Portugal", sagt Verbandspräsident und Ex-Nationalspieler Dragan Stojkovic. In der Qualifikation sind sie noch ungeschlagen, aber nach dem 1:1 in Italien war das 2:2 gegen Aserbaidschan ein Rückschlag. "Durch die Zersplitterung Jugoslawiens in mehrere Nationen hat die Qualität jedes einzelnen Landes gelitten", sagt Matthäus.

Der Bremer Mladen Krstajic, der das Heimspiel im Weserstadion als "ein Geschenk" betrachtet, steht symbolhaft für den zerschlagenen Vielvölkerstaat. Sein Vater stammt aus Montenegro, seine Mutter ist Serbin, als Kind wuchs er in Bosnien auf, ehe er vor dem Bürgerkrieg nach Belgrad zog. "Sport hat keine Grenzen", sagte der Verteidiger, der eher zufällig in der jugoslawischen Nationalelf debütierte: "Ich hätte auch für Bosnien-Herzegowina gespielt."

Nun tritt er mit einem Team in seiner Wahlheimat an, das wie die deutsche Mannschaft auf zahlreiche namhafte Kräfte verzichten muss. "Einige Spieler fehlen wegen Verletzung oder Übermüdungen", sagte Auswahlcoach Savicevic. In der Abwehr fehlt Sinisa Mihajlovic, im Mittelfeld Dejan Stankovic (beide Lazio Rom), und im Angriff muss Savicevic ohne die Top-Stürmer Darko Kovacevic (San Sebastian) sowie Mateja Kezman vom PSV Eindhoven auskommen. Dafür stürmt Altstar Pedrag Mijatovic, den Jupp Heynckes während der gemeinsamen Zeit bei Real Madrid als "nach Ronaldo besten Spieler der Welt" bezeichnet hatte.

Die Favoritenrolle schieben die Serben der deutschen Mannschaft zu. "In Deutschland wird qualitativ immer noch mit der beste Fußball gespielt", sagte Krstajic: "Gegen den Finalisten der WM muss man 500 Prozent für ein Unentschieden geben." Jungstar Vukic betrachtet die Deutschen in einer Hinsicht sogar als Vorbild: "Was sie auszeichnet, fehlt uns: Wir treten zu selten als Team auf. Da müssen wir ansetzen." Am liebsten schon in Bremen.

Dubravko Kolendic und Klaus Bergmann / DPA

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