Löw rüffelt Ballack "Nicht ganz so geschickt"


Bundestrainer Joachim Löw bekommt seit dem verlorenen EM-Finale vor allem eine Szene nicht aus dem Kopf: Zwischen ihm und Michael Ballack herrscht deshalb vor dem Länderspiel gegen Belgien Klärungsbedarf. Löw und Oliver Bierhoff ziehen aber auch eine positive Bilanz von der EM.

Bei der Aufarbeitung der Fußball-Europameisterschaft hat Joachim Löw seinen Kapitän Michael Ballack für dessen Verhalten nach dem verlorenen Finale gegen Spanien gerüffelt und einen Teil der Abschiedsfeier in Berlin als "nicht gelungen" eingestuft. Ballack und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff waren unmittelbar nach dem 0:1 gegen Spanien in Wien verbal aneinandergeraten, als sich das Team im Wiener Ernst-Happel-Stadion mit Dankeschön-Winkelementen von den deutschen Fans verabschieden sollte. Ballacks Wortwahl sei in dem Moment "nicht so ganz geschickt gewesen", kritisierte Bundestrainer Löw.

Bierhoff bedarf es keiner Aussprache

Zwar seien die Emotionen verständlich: "Allerdings muss man sich als Kapitän der Mannschaft nicht in diesem Maße und mit solchen Ausdrücken abreagieren", sagte Löw. Während der Bundestrainer darüber mit Ballack, der für das erste Länderspiel der neuen Saison an diesem Mittwoch (21.00 Uhr/ZDF) in Nürnberg gegen Belgien wegen einer Fußprellung ausfällt, noch einmal reden will, sieht Bierhoff dafür keine Veranlassung. "Für mich ist die Sache erledigt, damit beschäftige ich mich nicht mehr", betonte der Manager in Herzogenaurach.

"Trotz der Enttäuschung über das verlorene Finale" hat Bierhoff dem Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bereits eine erste positive EM-Analyse vorgelegt. Neben dem sportlichen Erfolg mit der Vize-Europameisterschaft habe das Turnier in Österreich und der Schweiz auch finanziell einen größeren Gewinn als erwartet abgeworfen. Bierhoff: "Die endgültige Abrechnung fehlt noch. Aber von der Tendenz sind wir weit unter dem geplanten Etat geblieben."

Spieler-Prämien die höchsten Ausgaben im EM-Etat

Der DFB hatte die EM mit einem Etat von rund 20 Millionen Euro geplant, der laut Bierhoff unterschritten wurde. Der europäische Verband Uefa überwies für die sportlichen Erfolge bis hin zum Finaleinzug allein 19 Millionen Euro. Auf der anderen Seite standen als größte Ausgabe die Spieler-Prämien in Höhe von rund 4 Millionen Euro. Hinzu kommen alle Reise- und Aufenthaltskosten, die Ausgaben für den großen Betreuerstab und alle Aufwendungen rund um das Team.

Bierhoff verteidigte nochmals die aufwendigen Maßnahmen rund um das DFB-Team von der Kader-Präsentation auf der Zugspitze bis hin zur Dankeschön-Feier am Brandenburger Tor in Berlin. "Sicher kann man immer wieder unterschiedlicher Meinung sein. Aber mit der Zugspitze haben wir es auf den Titel aller Blätter gebracht und ein Zeichen gesetzt, dass die EM-Vorbereitung beginnt", sagte der Manager und schloss an: "Es ist wichtig, auch Dinge zu riskieren."

Abschiedsparty nicht unbedingt nach Löws Geschmack

Löw räumte allerdings ein, dass der Charakter der Abschiedsparty in Berlin etwas verschoben wurde: "Sich feiern zu lassen ist was anderes als das, was wir wollten. Für uns sollte vor allem das Dankeschön an die Fans rüberkommen." Die Emotionen seien übergeschwappt und das Rahmenprogramm, "in dem die Spanier verulkt wurden", sei "nicht in jeder Hinsicht gelungen" gewesen, betonte er.

DPA DPA

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