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P. Köster: Kabinenpredigt: Reformen jetzt! Sonst wird's in der Bundesliga nicht mehr spannend

Der FC Bayern wird zum achten Mal in Folge deutscher Meister und wird auch in den nächsten Jahren nicht zu schlagen sein. Wenn nicht endlich was passiert. Reformvorschläge von stern-Stimme Philipp Köster.

stern-Stimme Philipp Köster über die fehlende Spannung in der Bundesliga

Und am Ende jubeln die Bayern - ob am Wochenende, wie hier Goretzka, Gnabry (re.) und Pavard (verdeckt) oder schon seit Jahren am Ende der Saison.

AFP / stern

Erinnern Sie sich? Es ist erst ein paar Monate her, da war die Rede von der spannendsten Bundesliga-Saison seit vielen Jahren. Endlich werde es mal kein Alleingang des FC Bayern, hieß es, sondern ein packender Vierkampf mit den Verfolgern Leipzig, Dortmund und Gladbach. Das Ende vom Lied: Wieder einmal geht der Rekordmeister mit stattlichem Vorsprung durchs Ziel, von Spannung keine Spur. Und wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, heißt auch in den Jahren 2021,2022, 2023 und 2024 der deutsche Meister FC Bayern München.

Wollen wir das achselzuckend hinnehmen und uns an Paul Breitner erinnern, der vor Jahren sinngemäß im Sport-1-"Doppelpass" verkündete, die Münchner könnten schließlich nichts dafür, wenn sich die Konkurrenz so dämlich anstelle? Oder wollen wir endlich die sportliche Ödnis dort bekämpfen, wo sie entsteht, nämlich bei der extrem ungleichen Verteilung der Fernsehgelder, die die sportliche Ungleichheit nicht nur zementiert, sondern vertieft?

Bundesliga hat sich vor der Diskussion gedrückt

Die Bundesliga hat sich viele Jahre lang um diese Diskussion herumgedrückt. Weil die meisten Klubs der Profiligen, von Frankfurt bis Sandhausen, ebenfalls von den stetig steigenden Fernsehgeldern profitiert haben. Weil sich niemand mit dem mächtigen FC Bayern anlegen wollte. Und weil im Windschatten der Münchner auch andere Klubs wie Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen das Geld aus der Champions League genutzt haben, um sich von der nationalen Konkurrenz zu distanzieren.

Nun aber haben sich die Geschäftsgrundlagen geändert. Der vermeintliche immerwährende Goldrausch, ausgelöst durch immer neue Rekordsummen bei den TV-Rechten, ist offenkundig vorbei. Gerade warnte die DFL die Klubs in einem Brandbrief davor, dass schon nächste Saison rund 150 Millionen Euro weniger ausgezahlt würden. Und bei der nun anstehenden Ausschreibung der nationalen TV-Rechte wird es anders als bei den Vergaben zuvor keine großen Sprünge mehr geben. 

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Ertrag stagniert, nun geht's um die Verteilung

Wenn jedoch der nationale Ertrag stagniert, rückt die Verteilung der Gelder aus den internationalen Wettbewerben, vornehmlich aus der Champions League, in den Fokus. Und ein kurzer Blick allein auf den Prämiensegen des FC Bayern in der laufenden Saison 2019/2020 verdeutlicht die dramatische Kluft zwischen dem Rekordmeister und der Konkurrenz.

74 Millionen Euro wurden den Münchner allein fürs Antreten in der Königsklasse und die sechs Siege in der Vorrunde überwiesen. Rechnet man mit ein, dass die Bayern auch bei den nationalen und internationalen TV-Rechten der Bundesliga die höchsten Prämien kassieren, wird klar: Jedes Jahr, in dem dieser Status Quo aufrecht erhalten wird, macht andere Meister als den FC Bayern unwahrscheinlicher. Und wollen wir wirklich 2028 dem gealterten Joshua Zirkzee gratulieren, wenn er zur 16.Meisterfeier auf den Rathausbalkon am Marienplatz schlurft. Nein, es braucht endlich eine neue, gerechtere Verteilung des TV-Geldes.

Ewige Ödnis wird auch Bayern wirtschaftlich schaden

Es geht dabei nicht darum, die Münchner abzustrafen. Der Klub hat in den letzten Jahren innerhalb der herrschenden Verhältnisse seine Alleinstellung ausgebaut. Oft rücksichtlos, aber auch nicht nur zum Schaden der Liga. Die internationalen Erfolge des FC Bayern (und mit Abstrichen auch Borussia Dortmund) haben auch auf die Bundesliga abgestrahlt – die wachsenden Erlöse der internationalen Vermarktung sind wesentlich das Verdienst der Großklubs.

Trotzdem muss auch der FC Bayern begreifen, dass ein funktionierender, sportlicher Wettbewerb nicht nur nettes Beiwerk, sondern Kern und Wesen der Bundesliga ist, und dass die dauerhafte Ödnis an der Tabellenspitze sich in naher Zukunft auch im wirtschaftlichen Ergebnis niederschlagen wird.

Meister mal nicht aus München? Auch für FC Bayern gut

Mehr Chancengleichheit bedeutet, einen neuen Verteilungsschlüssel für die nationalen TV-Gelder zu erarbeiten. Es bedeutet auch, die Ligen stärker an den Geldern der internationalen Wettbewerbe partizipieren zu lassen. Es ist aber auch die Verpflichtung für die Bundesliga, alles dafür zu tun, international sichtbarer zu werden und sich nicht darauf zu verlassen, dass Münchner und Dortmunder schon durch Amerika und Asien touren.

Gemeinsam für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, das wäre ein gutes Projekt für die Bundesliga. Vielleicht kommt der deutsche Meister irgendwann mal wieder nicht aus München. Das wäre ein großer Erfolg, auch für FC Bayern.

dho

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