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P. Köster: Kabinenpredigt: Warum es beim Dembélé-Transfer eigentlich nur Verlierer geben kann

Der Wechsel von Ousmane Dembélé von Dortmund zu Barcelona wird zur Hängepartie. Am Ende könnten alle Beteiligten als Verlierer dastehen, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Sollte der Transfer von Ousmane Dembélé scheitern, wird das wochenlange Theater ausschließlich Verlierer produziert haben

Sollte der Transfer von Ousmane Dembélé scheitern, wird das wochenlange Theater ausschließlich Verlierer produziert haben.

Kann natürlich sein, dass Ousmane Dembélé doch noch wechselt. Dann wird der FC Barcelona den jungen Spieler euphorisch begrüßen, noch ein paar warme Worte finden und der Spieler beglückt verkünden, endlich bei seinem Traumverein spielen zu können. Oder so ähnlich.

Sollte der Transfer allerdings scheitern und dafür sprechen nicht nur die etwas erratischen stochastischen Ausführungen von BVB-Vorstand Aki Watzke ("Wechselwahrscheinlichkeit unter 50 Prozent, ich sage aber nicht, wie viel unter 50 Prozent"), dann wird das wochenlange Theater ausschließlich Verlierer produziert haben. Am glimpflichsten wird dabei noch der davon gekommen sein, der mit seinen Millionen sicher anderweitigen Ersatz für Neymar finden wird, der sich aber auch fragen muss, ob er die Verhandlungen mit dem abgebenden Klub nicht hätte seriöser führen müssen.

Wer ist Schuld für den Schlamassel?

Bei Borussia Dortmund wiederum wird man auf Wochen unnötigen Ärgers zurückblicken und zudem die knifflige Aufgabe haben, den bockigen Dembélé wieder in eine Mannschaft zu integrieren, die er zuvor im Stich gelassen hat. Und der Spieler schließlich wird sich nicht nur damit abfinden müssen, in der neuen Saison nicht neben Messi und Iniesta aufzulaufen, sondern muss auch noch im Klub Abbitte leisten. Ein schwerer Gang für einen 20-jährigen Fußballprofi.

Wer Schuldige für den ganzen Schlamassel sucht, wird sie natürlich zuallererst im Dembélé-Lager finden. Man kann nur mutmaßen, welche krude Strategie hinter der Entscheidung steckte, einfach nicht mehr zum Training zu erscheinen. Vielleicht war es der spontane Entschluss des Spielers oder doch die Wild-West-Strategie eines Beraterkreises, die auf kurzfristigen Profit weit mehr achten als auf die Perspektive ihres Spielers. Fest steht jedenfalls: Der Streik wird dem jungen Franzosen mittelfristig erheblich schaden. Dembélé wird nun stets der Ruf anhaften, im Zweifel allein aufs eigene Fortkommen zu achten. Im internationalen Spitzenfußball, wo Fußballer ja zunehmend wie Börsenwetten betrachtet werden, ist Dembélé künftig als Risikospieler gelistet.

Was der BVB suggeriert, ist ein bisschen albern

Dass Borussia Dortmund derzeit suggeriert, ohne eigenes Verschulden in den internationalen Transferwahnsinn hineingezogen worden zu sein, ist jedoch ebenfalls ein bisschen albern. Hätte der BVB den jungen Dembélé unbedingt behalten wollen, hätte der Klub das bereits in den ersten Gesprächen mit dem FC Barcelona klar signalisieren können. Stattdessen hat das viele Geld den BVB-Verantwortlichen auch den Kopf verdreht. Nicht anders ist zu erklären, dass Michael Zorc die gigantische Summe, die der BVB verlangt, mit den Worten rechtfertigte, diese spiegele "den sportlichen Wert" des jungen Franzosen wider. Dabei tut sie das gar nicht, sie spiegelt stattdessen nur die Exzesse eines durchgeknallten Investorenfußballs wider. Vor der katarischen Geldschwemme für den Brasilianer wäre kein Klub der Welt auf die Idee gekommen, derartige Summen für Dembélé zahlen zu wollen.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob der Klub nicht schon aus eigenem Interesse seinen Umgang mit Ousmane Dembélé überdenken sollte. Zu einer zerrütteten Beziehung gehören nämlich immer zwei. Natürlich hat der Spieler durch seine Absenz beim Training geradezu um eine Suspendierung gebettelt und durch die eilige Räumung seines Hauses ein eher peinliches Zeichen des Abschiedes gesetzt. Aber eine kluge Klubpolitik würde sich darum bemühen, auch für den Fall eines gescheiterten Transfers zu planen. Und dazu gehört, dass Dembélé eine Rückkehr in die Mannschaft ohne Gesichtsverlust möglich gemacht wird.

Ousmane Dembélé soll "Mea culpa" machen?

Müsste es also nicht stärkere Signale des Klubs geben, die dem Spieler signalisieren, dass er nicht in ein vollends feindlich gesinntes Umfeld zurückkehrt? Und warum musste Aki verkünden, Dembélé müsse vor dem Verein "Mea culpa" machen? Mea culpa - das ist das alte katholische Sündenbekenntnis. Soll Dembélé also wirklich über den Trainingsplatz in Brackel laufen, sich gegen die Brust schlagen und laut ausrufen: "Ich bekenne: Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken, durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld"?

Nein, ganz gleich, ob der Transfer noch zustande kommt oder nicht. Es wäre wünschenswert, dass zumindest eine Partei in diesem absurden Theater Fassung und kühlen Kopf behält, nämlich Borussia Dortmund. 

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