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Uefa-Cup: Manipulationsverdacht bei Bayern-Spiel

Es ist ein unglaublicher Verdacht: Das peinliche Ausscheiden der Bayern im Uefa-Cup gegen Zenit St. Petersburg im Mai dieses Jahres soll möglicherweise von der russischen Mafia verschoben worden sein. Die spanische Justiz hat bereits erste Ermittlungen aufgenommen. Von den Bayern gibt es eine erste Reaktion.

Die spanische Justiz ermittelt wegen des Verdachts, dass beim Halbfinal-Aus des FC Bayern München im Uefa-Pokal gegen den späteren Champion Zenit St. Petersburg (1:1/0:4) im Mai Bestechung im Spiel gewesen sein könnte. Der deutsche Fußball-Meister reagierte in einer schriftlichen Stellungnahme abwartend. "Dem FC Bayern München ist dieser Verdacht ebenso wenig bekannt wie der Münchner Staatsanwaltschaft. Wir werden versuchen, jegliche etwaige Information zu diesem Vorgang zu erhalten", übermittelte der Club.

Eine Sprecherin des Nationalen Gerichtshofs bestätigte am Mittwoch der Deutschen Presse Agentur dpa in Madrid, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. Das Gericht dürfe aber zu laufenden Ermittlungen keine Einzelheiten bekanntgeben. Das 0:4 am 12. Mai bei Zenit St. Petersburg war die höchste Münchner Niederlage im Europapokal seit 31 Jahren.

Die Madrider Zeitungen "El País" und "ABC" berichteten in ihren Mittwoch-Ausgaben, der Verdacht der spanischen Justiz stütze sich auf abgehörte Telefongespräche von russischen Mafia-Bossen in Spanien. Der in Spanien festgenommene Gennadi Petrow, der als der Chef einer der einflussreichsten Mafia-Clans in Russland gilt, soll nach Madrider Presseberichten in einem abgehörten Telefongespräch damit geprahlt haben, für das Weiterkommen der Zenit-Fußballer gesorgt zu haben.

Spanische Polizei hörte russische Mafia ab

Er habe für den Erfolg des Außenseiters Zenit "50 Millionen" ausgegeben, sagte er nach Angaben der Zeitungen. Die Währung habe er nicht genannt. Die spanische Justiz nahm diese Äußerungen ernst genug, um ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. Der im Frühjahr auf Mallorca festgenommene Petrow steht im Verdacht, der Chef des mächtigen russischen Mafia-Clans "Tambowskaja" in St. Petersburg zu sein. Nach den Zeitungsberichten sollen Petrow und seine Gehilfen in drei abgehörten Telefonaten davon gesprochen haben, das Halbfinale manipuliert zu haben. Der ebenfalls inhaftierte Leonid Christoforow, der als die "rechte Hand" Petrows gilt, soll sogar getönt haben, das Resultat des Rückspiels (4:0 für Zenit) im Voraus gekannt zu haben.

Der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón, der die Ermittlungen gegen die russischen Mafia-Größen leitet, unterrichtete laut "El País" die deutsche Staatsanwaltschaft von seinen Untersuchungen. Bei der Münchner Staatsanwaltschaft war davon nichts bekannt.

Ermittler bewegen sich auf dünnem Eis

Die Ermittler bewegen sich jedoch offenbar auf dünnem Eis. "Es ist nicht einmal klar, ob der ’Kauf’ eines Fußballspiels im Ausland nach spanischem Recht einen Straftatbestand darstellt", betonte die Zeitung "ABC". Zenit war damals als Außenseiter in das Halbfinale gegen den hohen Favoriten FC Bayern gegangen und hatte dann im Endspiel die Glasgow Rangers 2:0 besiegt.

Bisher hatte es keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass beim Erfolg der Russen gegen den deutschen Rekordmeister irgendwelche Manipulationen im Spiel gewesen sein könnten. Die Uefa betrachtet den Ausgang von rund 25 Spielen des Uefa-Pokals als verdächtig und begann eigene Ermittlungen. Das Halbfinale zwischen dem FC Bayern und Zenit gehöre laut "El País" nicht zu den überprüften Begegnungen.

Hubert Kahl/DPA / DPA

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