HOME

Stern Logo WM 2006

Deutscher Erfolg: Klose ist Torschützenkönig

Er war bei dieser WM mehr als nur ein effektiver Stürmer, Miroslav Klose ist zum Führungsspieler gereift. Mit fünf Treffern gewann er außerdem die Torjägerkrone.

Nicht einer der Weltstars wie Ronaldo, Thierry Henry oder Hernan Crespo, sondern Miroslav Klose ist der beste Torschütze dieser Weltmeisterschaft. Dass ihm für den Gewinn des "Goldenen Schuhs" fünf Treffer reichten, so wenig wie seit 1962 nicht mehr, wird den 28-Jährigen wenig stören. Zum ersten Mal seit Gerd Müller 1970 ist wieder ein Deutscher WM-Torschützenkönig.

Klose, der in 62 Länderspielen mittlerweile 29 Treffer schoss, ist bei dieser WM zu einem echten Führungsspieler gereift, der in fast allen Partien das Prädikat Weltklasse verdiente. Nicht nur im Abschluss zeigte er Format, sondern auch als Vorlagengeber. An ihm konnte sich das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann aufrichten. Der in Polen geborene Stürmer von Werder Bremen erteilte auf dem Platz Anweisungen, war immer präsent - und schoss wichtige Tore wie den Ausgleich im Viertelfinale gegen Argentinien. Gegen Costa Rica und Ecuador traf er in der Vorrunde jeweils doppelt.

Auch außerhalb des Platzes übernahm der Stürmer Verantwortung, bemühte sich zum Beispiel darum, dass sein Kompagnon Lukas Podolski in Fahrt kommt. Nachdem der 21-Jährige in den ersten Partien zurückhaltend war, forderte ihn Klose zu mehr Laufbereitschaft auf. Das klappte. Podolski zeigte sich wie verwandelt, schoss Deutschland quasi im Alleingang mit beiden Toren zum 2:0 gegen Schweden ins Viertelfinale - nachdem Klose sich als dribbelstarker, mustergültiger Vorlagengeber ausgezeichnet hatte. Damit spielten sich beide in die Herzen der Nation, schossen acht der insgesamt 14 deutschen Tore.

Der pfeilschnelle Klose ist einer derjenigen, der Klinsmanns Philosophie am stärksten mit umsetzt. In den Pressekonferenzen des DFB-Teams zeigte sich der privat eher ruhige und stille Klose selbstbewusst. Zum Gegner Argentinien sagte er: "Es ist ihr Pech, dass sie gegen uns spielen." Klose kommt auch bei den Fans gut an. Als er sich am Sonntag bei der Verabschiedung des DFB-Teams zeigte, brandete noch einmal riesiger Jubel auf. "Es ist faszinierend. Wir können uns nur bei euch bedanken", rief er den Hunderttausenden zu.

Klose, der spektakuläre Treffer gern mit einem Salto feiert, ist in der DFB-Rangliste der besten WM-Torjäger mit zehn Treffern bis auf ein Tor an Bundestrainer Jürgen Klinsmann herangerückt. Damit liegt er auf Rang drei, Gerd Müller auf Platz eins war insgesamt sogar 14 Mal erfolgreich.

Seine Leistungsexplosion im Vergleich zur schwachen letzten Europameisterschaft erklärt Klose damit, endlich fit zu sein. "Vor zwei Jahren war ich wie ein anderer Mensch. Ich habe mich von Verletzung zu Verletzung geschleppt und war nie zu 100 Prozent fit. Für mein Spiel brauche ich aber totale Fitness."

Lob kommt von Teammanager Oliver Bierhoff und Klinsmann. Klose sei "absolut" Weltklasse. Es sei beeindruckend, "mit welcher Dynamik und Aggressivität er vorne reingestoßen ist und auch für die Mannschaft nach hinten gearbeitet hat". So etwas könne kein anderer Stürmer. Und Klinsmann schwärmt von Klose, der bei der letzten WM mit fünf Toren zweitbester Torjäger nach Ronaldo war, als einem "gereiften Spieler mit toller Entwicklung", der ein "Leader" der Nationalelf sei.

Ob Werder den Goalgetter, der mit 25 Toren auch Bundesligatorschützenkönig wurde, nach dieser fantastischen WM halten kann, ist fraglich. Auch wenn er dort als unverkäuflich bezeichnet wird. Was das bedeutet, wenn zweistellige Millionenbeträge geboten werden, konnte man häufig genug in der Vergangenheit beobachten.

Das Talent im Umgang mit dem Ball wurde dem im schlesischen Oppeln geborenen "Mirek" offenbar in die Wiege gelegt, denn auch die Eltern waren sportlich erfolgreich: Vater Josef unter anderem als Profifußballer beim AJ Auxerre, Mutter Barbara als Handball-Nationalspielerin für Polen mit 82 Länderspielen. Kloses Familie zog zunächst nach Frankreich und anschließend ins pfälzische Kusel. Mit Fußball-Spielen begann er als Zehnjähriger. Für die SG Blaubach-Diedelkopf kickte er zunächst in der Jugend, dann in der Bezirksliga Westpfalz. Seine Eltern rieten dem eleganten Fighter mit der gewaltigen Sprungkraft zu einer soliden Ausbildung; so wurde er Zimmermann. Sein Profikarriere begann Klose, der verheiratet ist und einen Dobermann besitzt, in Kaiserslautern. 2004 wechselte er zu Werder Bremen.

Holger Mehlig/AP / AP

Wissenscommunity