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WM 2010: Deutschland gegen Serbien: "Ein Kampf auf Biegen und Brechen"

Deutschland fiebert dem zweiten WM-Spiel der DFB-Elf entgegen. Zur Mittagszeit soll der Sprung ins Achtelfinale gelingen. Gegner Serbien muss gewinnen, um nicht schon raus aus dem Turnier zu sein.

Von Klaus Bellstedt, Port Elizabeth

Bastian Schweinsteiger hatte bei dieser WM früh ein gutes Gefühl: "Es könnte was ganz Großes mit dieser Mannschaft werden." Noch bevor das DFB-Team auch nur eine Minute in Südafrika auf dem Platz gestanden hatte, gab der emotionale Leader im DFB-Team diesen Satz von sich. Es folgte ein begeisternder erster Auftritt gegen Australien. 4:0 wurden die spielerisch arg limitierten "Socceroos" bezwungen. Der Sieg entfachte daheim in Deutschland eine Euphoriewelle wie zu seligen Sommermärchen-Zeiten 2006.

Vielleicht darf man bald ein bisschen träumen

Aber von Euphorie im Umfeld der Nationalmannschaft war in den Tagen nach dem geglückten WM-Auftakt nichts zu spüren. Auch nicht bei Bastian Schweinsteiger, der unter der Woche wegen eines Infekts der oberen Atemwege nicht sonderlich gut gelaunt war. Sollte allerdings das zweite Vorrundengruppenspiel gegen Serbien in Port Elizabeth (ab 13.30 Uhr im stern.de-Liveticker) wieder überzeugend gestaltet werden, darf man sich guten Gewissens Schweinsteigers Zitat über die deutsche Mannschaft in Erinnerung rufen - und vielleicht ein bisschen träumen.

Bundestrainer Joachim Löw hatte in Durban, nur wenige Minuten nach dem Schlusspfiff gegen Australien, vor dem nächsten Gegner gewarnt. Man könnte auch sagen, er hatte den 4:0-Erfolg einfach nur richtig eingeordnet: "Wir heben jetzt nicht ab. Warum denn? Mit den Serben wartet ein ganz anderes Kaliber auf uns." Es zeichnet die gesamte sportliche Leitung der Nationalmannschaft aus, vor allem aber Joachim Löw, innerhalb des DFB über die Jahre eine bemerkenswerte Kultur der Bescheidenheit geschaffen zu haben.

Bierhoff will keine Spaßbremse sein

Schön war's, nett war's gegen Australien, aber "erreicht haben wir noch gar nichts", wie Oliver Bierhoff sagte und damit die riesige Erwartungshaltung am Tag vor dem Serbien-Spiel herunterdampfte. Und der Teammanager wies gleich auf zwei Aspekte hin, die es gegen die Mannschaft von Trainer Radomir Antic besser zu machen gelte: "Ich will ja jetzt keine Spaßbremse sein, aber vor dem Tor müssen wir noch konkreter sein." Bierhoff meinte die mangelnde Chancenauswertung der Mannschaft. Und dann sprach er wie Löw, fachspezifisch und selbstkritisch: "Die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen waren manchmal zu groß." Das Streben nach Perfektion - auch darauf wird bei den Deutschen in diesen winterlichen Tagen in Südafrika Wert gelegt.

Dem zweiten Gruppenspiel bei einer Fußball-Weltmeisterschaft kommt eine immense Bedeutung zu. Verliert man den Auftakt wie die Serben, steht man bereits früh mit dem Rücken zur Wand. Kein Wunder, dass die Partie der "weißen Adler" auf dem Balkan zur "nationalen Angelegenheit", ja gar zu einem "Spiel des Jahrhunderts" hochstilisiert wurde. Sollten die Serben erneut verlieren, könnten sie fast schon mit dem Kofferpacken beginnen. Coach Antic sprach deshalb im Vorfeld der Partie von einer "Must-win-Situation". Serbien wird nicht mauern können, im Gegenteil, das Team um Superstar Nemanja Vidic von Manchester United muss versuchen, das Spiel zu machen. Eine Tatsache, die der kombinationssicheren und konterstarken deutschen Mannschaft entgegen kommen sollte - auch wenn es der Bundestrainer nicht zugeben wollte. Er warnte nämlich lieber: "Die Serben sind angeschlagen, das kann für uns gefährlich werden", so Löw. "Es wird ein Kampf auf Biegen und Brechen", kündigte er am Vorabend des Spiels an.

Jeder im DFB-Team ist sich der Wichtigkeit der Begegnung, zu deren Anpfiff am Indischen Ozean eine Temperatur von 21 Grad vorausgesagt wird, bewusst. Siegen Löws Jungs auch im zweiten Spiel, herrscht Ruhe im Karton. "Damit würden wir uns auch ein unangenehmes drittes Spiel mit K.o.-Charakter erspart bleiben", sagte Oliver Bierhoff kurz vor dem Abflug der Mannschaft im deutschen Quartier in Erasmia.

Viel kam dem Teammanager nicht über die Lippen

Es ist typisch für diese deutsche WM-Mannschaft, dass nach außen gar nicht so sehr viel über den Gegner gesprochen wird. Na klar, da sei der lange Zigic, Teammanager Bierhoff hob einzig den mit 2,02 Meter längsten Spieler dieser WM hervor. Ihn gelte es, bei "hohen Bälle sowohl von Abwehr- als auch von Mittelfeldseite aus zu attackieren und auf unnötige Fouls zu verzichten". Mehr kam Bierhoff zu den Serben nicht über seine Lippen.

Der Fokus blieb wenige Stunden vor dem Spiel auf die eigene Gemeinschaft gerichtet. Löws Hinweis, er denke darüber nach, vielleicht auf einer Position die Mannschaft zu ändern, gilt als kleine Finte in Richtung des Gegners. Es gelte, sich nicht auf dem ersten Erfolg gegen Australien auszuruhen, heißt es im deutschen Lager. Man dürfe keine Überheblichkeit an den Tag legen. Bierhoff sah tiefenentspannt und zuversichtlich bei seinen letzten Statements vor dem Spiel aus. Bis jetzt gab es ja auch keinen Anlass zur Sorge. Wobei - wegen der frühen Anstoßzeit um 13.30 Uhr müsse die Mannschaft, so Bierhoff, bereits um 10 Uhr Pasta zu sich nehmen, um den Kohlehydratspeicher rechtzeitig zu füllen. Das sei ein "bisschen ungewohnt". Wenn's weiter nichts ist.

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