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WM-Vorbereitung: Einläuten der heißen Phase

Koffer packen, Japan schlagen, Feinschliff holen: Nach harten Trainingswochen kehrt Jürgen Klinsmann euphorisch nach Deutschland zurück, auch wenn er bei der Probe des WM-Ernstfalls wohl erneut auf seinen Schlüsselspieler verzichten muss.

Beim weiterhin angeschlagenen Michael Ballack meidet der Bundestrainer jegliches Risiko, der Kapitän soll nur bei "Grünem Licht" der DFB-Mediziner schon am Dienstag (20.30 Uhr/ARD) in Leverkusen gegen WM-Teilnehmer Japan auflaufen. "Wir müssen abwarten und auf Dr. Müller-Wohlfahrt vertrauen", erklärte am Montag ein skeptischer Klinsmann vor der letzten Übungseinheit in Genf, bei der der Mittelfeldstar wenigstens wieder Lauftraining absolvieren wollte. "Danach warten wir Michaels Feedback ab", sagte der Bundestrainer.

Weder bei Ballack noch beim gleichfalls am Sprunggelenk lädierten Abwehrspieler Robert Huth soll zehn Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica eine Verschlimmerung der Kapsel-Blessuren riskiert werden. Zumal schon am Freitag in Mönchengladbach der abschließende Test gegen Kolumbien ansteht. Ein erneuter Verzicht auf Ballack wie beim 7:0 gegen Fußball-Zwerg Luxemburg würde im DFB-Team niemanden beunruhigen. "Jeder ist relaxed, weil es eine kleine Verletzung ist", bemerkte Torhüter Jens Lehmann: "Kurzfristig sind auch die besten Spieler zu ersetzen, auf lange Sicht wird das schwieriger. Im Moment ist es nicht so, dass sich jeder den Kopf darüber zerbrechen würde."

Heimvorteil als Schlüsselrolle

Überhaupt herrscht im deutschen WM-Trupp vor dem Flug nach Düsseldorf an diesem Dienstagmorgen eine fast schon überschwängliche Zuversicht, die sich auch in Klinsmanns Bilanz der Trainingslager im Ausland widerspiegelte. "Sardinien und Genf waren ein voller Erfolg. Alles hat perfekt funktioniert", schwärmte Klinsmann. Nun soll die Mannschaft aus der Abgeschiedenheit und Ruhe in Italien und der Schweiz in die WM-Vorfreude in Deutschland eintauchen. "Wir alle freuen uns darauf, vor Ort das WM-Gefühl erleben zu dürfen."

Der Heimvorteil spielt eine Schlüsselrolle im WM-Projekt des Bundestrainers. "Diese Mannschaft braucht das Publikum im Rücken", betonte er. Allerdings sieht Routinier Bernd Schneider auch die Gefahr, dass sich die junge Mannschaft vom euphorischen Publikum zu sehr nach vorne treiben lassen könnte. "Man muss aufpassen, dass man da nicht unnütze Wege geht", sagte der Leverkusener Lokalmatador.

Nowotny feiert Länderspiel-Comeback gegen Japan

In der ausverkauften BayArena werden die Japaner zudem kein Spielball á la Luxemburg sein. "Das ist eine bessere Messlatte, ein ganz anderes Kaliber", betonte Klinsmann. Vor allem die Abwehr dürfte gegen die flinken Asiaten anders als gegen Luxemburg auf den WM-Prüfstand kommen. "In der Rückwärtsbewegung müssen wir sehr wachsam sein", warnte Klinsmann. Die intensiven taktischen Trockenübungen in Genf soll das Team gegen die Asiaten unter Wettkampf-Bedingungen umsetzen. "Es ist wichtig, dass das System der Viererkette sitzt", betonte Lehmann, der am Dienstag 90 Minuten im Tor stehen wird.

Spannend bleibt, wie Klinsmann gegen Japan und erst Recht gegen Costa Rica die Innenverteidigung besetzen wird. Per Mertesacker und Christoph Metzelder gelten als Wunschpärchen. Gegen Japan darf aber der 32 Jahre alte Noch-Leverkusener Jens Nowotny sein Länderspiel-Comeback nach fast zwei Jahren feiern und sich empfehlen. "Die Überlegungen sind nicht abgeschlossen für das Eröffnungsspiel", betonte Klinsmann.

Letzte Feinjustierung im Berliner WM-Quartier

Geklärt sind dagegen die Fronten auf den Außenpositionen. Der schwächelnde Arne Friedrich bekam von Klinsmann am Montag zum 27. Geburtstag das WM-Startticket für die rechte Seite geschenkt. "Wir haben da gar keine Bedenken", sagte der Bundestrainer. Bernd Schneider oder Torsten Frings kommen dort als Notlösungen nur zum Zuge, "wenn es brennen sollte". Links bleibt der Gladbacher Marcell Jansen weiterhin nur der Platzhalter für Philipp Lahm, der selbst mit seiner Ellbogenverletzung seine Position verteidigt hat. "Wer sich mit einer Gipsschiene im Training so quälen kann, der brennt. Auch Marcell weiß, dass Philipp links gesetzt ist", erklärte Klinsmann.

Nach den Übungsschwerpunkten Kondition und Taktik im Genfer Trainings-Camp wird erst nach dem Japan-Test in Düsseldorf und anschließend im Berliner WM-Quartier die letzte Feinjustierung vorgenommen. Insbesondere Standardsituationen wie Freistöße und Eckbälle sollen dann im Geheim-Training einstudiert werden. Die deutsche WM-Wundertüte wird Klinsmann aber erst am 9. Juni in München vor dem Weltpublikum öffnen: "Zeigen werden wir diese Sachen in den Testspielen noch nicht. Das kann ja sonst schon jeder sehen."

DPA

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