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H. Sarpei: "Schwarzer Humor ...": Wenn einer bei dieser EM bis zum Schluss feiert, dann euer Italiener

Der deutschen Mannschaft wie den Fans fehlt bei der EM 2016 bislang noch die Leichtigkeit, die Partyfreude. Hans Sarpei hat einen einfachen Rat, wie es besser werden könnte: Trefft euch beim Italiener!

Hans Sarpei über Italiener

Hans Sarpei rät den Deutschen, die EM beim Italiener zu genießen.

England entgeht dem #Brexit von Euro 2016 gegen Wales, Deutschland spielt unentschieden gegen Polen, und Nordirland gewinnt das sogenannte Brückenspiel gegen die Ukraine. Pünktlich zum Bergfest der Gruppenphase ist es Zeit, erste Erfahrungen zu teilen. Insbesondere nach meinen persönlichen Eindrücken in Paris, dem Tag, an dem die deutsche Elf das erste Mal seit dem Terrorakt im November im Stade de France auflief.

Es ist eine sonderbare Zeit, in der dieses Turnier fällt. Auf der einen Seite unzählige Bilder und Videos von herausragenden Partymomenten der isländischen, irischen und walisischen Fans. Und gleichzeitig schrecklichen Szenen von Terrorakten Einzelner in den USA, in England und Frankreich sowie Hooligan-Szenen kleinerer Gruppierungen. Und auch Deutschland scheint mit dieser EM noch nicht richtig warm zu werden, was nicht nur am Wetter liegt. Denn während die Public Viewings in Frankreich längst von Fans vieler Nationen besucht werden, müssen wir noch ins Turnier finden. Wie der Elf auf dem Rasen fehlt uns Fans noch die Leichtigkeit, die Partyfreude.

Wir taktieren, statt zu feiern

Liegt es am Fußball-Overkill, den ich vor wenigen Wochen in meiner Kolumne beschrieben habe? Liegt es daran, dass man als Weltmeister erst nach der Vorrunde mit der Ernsthaftigkeit feiert? Das Land, welches das Public Viewing bei der WM 2006 salonfähig gemacht hat, sendet derzeit wenige Bilder von jubelnden Fans und auch Gastronomie und Handel zeigen sich enttäuscht vom derzeitigen Zwischenstand. Wir taktieren, statt zu feiern. Es kommen ja noch einige Spiele, so die Hoffnung.

Am kommenden Dienstag trifft Deutschland nun auf Nordirland. Die Nordiren, die sensationell die Ukraine schlugen, sensationell feierten und gleichzeitig bei den ersten beiden Spielen auf tragische Art und Weise durch einen Sturz sowie einen Herzinfarkt zwei Fans verloren haben. Trauer und Freude sind Symbolbilder dieser sonderbaren Zeit, dieser sonderbaren EM.

Deutschland wird sich aller Voraussicht nach als Gruppensieger qualifizieren, im Achtelfinale auf einen Gruppendritten treffen, bevor im Viertelfinale mit Italien die erste echte Herausforderung ansteht. Ein K.o.-Spiel auf Augenhöhe. Wir sollten es den Isländern, Iren und Walisern nachmachen und jeden Moment dieser EM genießen, denn bei einem Spiel gegen Italien könnte unser Bier schnell schal werden. Also: Geht auf die Straße und in die Kneipen, geht in die Stadien und geht mit Freunden zum Public Viewing. Diese EM könnte zumindest für unsere Farben sonst schneller vorbeigehen, als es uns lieb ist. Und falls es schief geht: Trefft euch beim Italiener! Die Feiern - egal mit wem - immer bis zum Schluss.

Euch allen eine sportliche Woche

Hans

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