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Nach dem Hawaii-Rekord: Ironman-Weltmeister Jan Frodeno: Und er kann doch verlieren

Seit zwei Jahren ist Triathlet Jan Frodeno ungeschlagen. Im Oktober gewann er zum dritten Mal den legendären Ironman Hawaii. Doch der Ehrgeiz des gebürtigen Kölners hat Grenzen. Wer diese Grenzen zieht und gegen wen er am liebsten verliert, verriet er jetzt in einem Interview.

Jan Frodeno schreit die Freude über seinen dritten Hawaiisieg heraus

Zum dritten Mal nach 2015 und 2016 gewann Jan Frodeno am 12. Oktober 2019 den legendären Ironman Hawaii 

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Nein, Jan Frodeno ist kein schlechter Verlierer. Im Gegenteil. Reckte er einmal nicht das Zielbanner eines Wettkampfs in die Höhe, suchte er nie die Schuld bei anderen. Fair und respektvoll würdigte der gebürtige Kölner die Leistungen seiner Bezwinger. Ein Ritual, das Frodeno kaum noch kennt. Seit zwei Jahren hat der Familienvater jeden Triathlon gewonnen, bei dem er am Start stand. Und doch weiß der dreimalige Ironmanweltmeister ganz genau, wie sich Verlieren anfühlt. Zumindest abseits des Triathlons.

Frodeno: "Ich kann vor Freude einfach losschreien"

"Der Ehrgeiz beschränkt sich mittlerweile fast nur noch auf den Wettkampf", sagte Frodeno bei einem Pressetermin im Showroom eines Kölner Sportartikel-Herstellers der Deutschen Presse-Agentur. Sein dritter Sieg auf Hawaii liegt vier Wochen zurück. Zeit, die der 38-Jährige vor allem mit seiner Familie verbracht hat. Er wirkt entspannt und mit sich im Reinen. "Ich bin ein lebensfreudiger Mensch. Ich kann genießen, ich kann vor Freude einfach losschreien", erzählt der Modellathlet, der viele Jahre seiner Kindheit in Südafrika verbrachte.

Einen Schrei der Befreiung stieß "Frodo" auch am 12. Oktober aus. In 7:51:13 Stunden war er 3,8 Kilometer durch den Pazifik geschwommen, hatte auf seinem Rad 180 Kilometer gegen den tückischen Wind auf Big Island gekämpft und seinen Konkurrenten mit einem unfassbaren Marathon den letzten Funken Hoffnung auf den Sieg geraubt. Der drittplazierte Sebastian Kienle wähnte ihn "auf einem anderen Planeten". Und als "Besten jemals" adelte Hawaii-Rekordchampion Mark Allen (USA) den ersten deutschen Dreifachsieger des wichtigsten Triathlons der Welt. "Es ist schön, und ich fühle mich geehrt", kommentiert Frodeno bescheiden.

Kinder haben Frodeno stark gemacht 

Es sei aber auch sehr, sehr schwer, Menschen und Persönlichkeiten über Jahrzehnte hinweg zu vergleichen, findet Frodeno. "Es ist wie jede andere Anerkennung eine äußere Anerkennung, ein Empfinden. Wenn jemand das so findet, ist es total cool. Wenn nicht, ist das auch vollkommen okay." Geprägt haben ihn in der Saison 2019 auch seine beiden Kinder. Ein und drei Jahre alt sind die Sprösslinge, die er mit seiner australischen Ehefrau Emma hat. Die holte 2008 in Peking olympischen Triathlongold – genau wie ihr späterer Ehemann. "Meine Kinder haben mich auf jeden Fall sehr geerdet. Sie haben mir relativ deutlich gemacht, dass der Sport doch nur die schönste Nebensache der Welt ist", betont Frodeno mehr als ein Jahrzehnt nach seinem überraschenden Coup bei den Olympischen Spielen. 

Früher sei er eigentlich gar kein Kindertyp gewesen, gesteht Deutschlands Sportler des Jahres 2015. Nun genieße er, die Welt auch aus einer anderen, aus deren Perspektive zu sehen. Seine Kinder hätten ihn auch stärker gemacht, "weil sie mir meine Ziele nicht genommen, mir aber einen Fokus auf das Wesentliche gegeben haben". Nicht nur deswegen lässt Frodeno sie beim Spielen zu Hause auch immer gewinnen. "Außerhalb vom Triathlon kann ich sehr gut verlieren", sagt er und lächelt zufrieden.

js / DPA

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