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Olympia-Gold für White: "Fliegende Tomate" rockt die Halfpipe

Der Superstar der Halfpipe degradierte bei seiner Show die Konkurrenz wieder einmal zu Statisten: Shaun White wiederholte mit spektakulären Sprüngen seinen Olympiasieg von 2006.

Der Superstar der Halfpipe degradierte bei seiner Show die Konkurrenz wieder einmal zu Statisten: Shaun White wiederholte mit spektakulären Sprüngen seinen Olympiasieg von 2006. Der 23-Jährige aus den USA setzte sich am Mittwochabend (Ortszeit) am Cypress Mountain überlegen durch. Top-Favorit White erhielt für seine spektakuläre Sprünge 48,4 Punkte und lag damit deutlich vor dem Finnen Peetu Piiroinen (45,0). Bronze ging an Scott Lago (USA/42,8). Christophe Schmidt aus Miesbach war in der Vorrunde ausgeschieden.

Unter Flutlicht und vor Millionen Fans in aller Welt nutzte White seine große Bühne, kein Konkurrent konnte aus seinem Schatten treten. Der Multi-Millionär konnte es sich leisten, im ersten Durchgang einen Sicherheits-Lauf mit nur eine Double Cork (Doppel-Salto mit mehreren Schrauben) zu zeigen. Doch selbst das reichte. Davon beeindruckt,stürzte die Konkurrenz im zweiten Lauf reihenweise. Im zweiten Lauf bot White den Fans dann die große Show.

Das Streben nach immer spektakuläreren, aber auch gefährlicheren Sprüngen hatte zahlreiche Verletzte gefordert. So lag Whites' größter Kontrahent, Kevin Pearce, nach einem Sturz auf den Hinterkopf zu Silvester im Koma.

In der Qualifikation am Vormittag bei strahlendem Sonnenschein hatte White für seinen ersten Durchgang bereits 45,8 Punkte erhalten. Bei seinem zweiten Auftritt landete er nach dem Double Cork allerdings auf dem Hosenboden. "45 von 50 Punkten ist nicht schlecht", sagte White. "Aber den Lauf danach kann man wegwerfen."

Der einzige deutsche Teilnehmer konnte das Finale nur noch als Zuschauer betrachten. Der Olympia-Achte von Turin stürzte im ersten Lauf der Qualifikation. 32,3 Punkte für den zweiten Lauf und Platz 20 reichten nicht für das Halbfinale. "Das war nicht optimal", räumte Schmidt ein. "Um bei so einem Contest weiterzukommen, muss man eben sehr viel riskieren." Viele Fahrer stürzten, wofür einige weniger ihre risikoreichen Sprünge als den Zustand der Halfpipe verantwortlich machten. "Die Pipe ist grausig", beklagte sich Louie Vito über die Wettkampf-Bedingungen. "Die Pipe ist super", meinte hingegen Schmidt.

Die "fliegende Tomate", wie der 23-jährige White wegen seiner roten Mähne genannt wird, beherrscht die Szene seit Jahren mit immer neuen Kunststücken. Die Tageszeitung "Vancouver Sun" hatte das Spektakel in der 160 Meter langen und 19 Meter hohen Eisröhre angekündigt als das heißeste Event, "seit Pamela Anderson die Stadt verlassen hat".

Das Pin-Up-Girl hatte einst ihre Karriere in der Werbebranche in Vancouver begonnen und hätte damals ihre helle Freude an White gehabt: Der Amerikaner genießt in der Snowboard-Szene Kultstatus und ist nach Angaben des Wirtschaftsmagazins "Forbes" mit 8 Millionen US- Dollar (5,86 Millionen Euro) Jahreseinkommen der Topverdiener der Winterspiele.

White besitzt sogar eine halbe Million Euro teure Halfpipe in den Rocky Mountains. Zum Training fliegt er mit dem Helikopter. Hingegen gibt es in Deutschland keine einzige Eisröhre. Ein "Missstand" und "großer Nachteil" für die deutschen Snowboarder, wie Schmidt kritisierte.

Ulrike John, DPA / DPA

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