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Dopingverdacht in Sotschi: Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle positiv getestet

Doping-Schock in Sotschi: Die deutsche Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle soll positiv auf ein verbotenes Mittel getestet worden sein. Die B-Probe steht allerdings noch aus.

Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle ist nach übereinstimmenden Informationen der Nachrichtenagentur DPA und der ARD bei den Winterspielen in Sotschi positiv auf ein verbotenes Mittel getestet worden. Das deutsche Team hatte zuvor ein von der Norm abweichendes Ergebnis der A-Probe #link;http://www.stern.de/sport/olympia/olympia-2014/news/dopingfall-bei-olympia-2014-in-sotschi-deutscher-athlet-positiv-getestet-2091684.html;bei einem deutschen Olympia-Teilnehmer bestätigt#, will aber vor Analyse der B-Probe keinen Namen bekanntgeben.

Inzwischen ist die Anhörung durch die Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) beendet. "Wenn es neue, verlässliche Informationen gibt, werden wir die Öffentlichkeit informieren", erklärte Christian Klaue, Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Der DOSB muss nun abwarten, bis die IOC-Disziplinarkommission eine Entscheidung trifft. Ob dies noch im Laufe des Freitags der Fall sein wird, blieb zunächst offen.

Spekulation um verunreinigten Energieriegel

Russlands Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler glaubt den Grund für die positive A-Probe im deutschen Olympia-Team zu kennen. "Wenn es stimmt, was ich gehört habe, hat sie verunreinigte Energieriegel genommen", sagte Pichler in der ARD. Pichler zufolge müsse man nun die Verantwortlichen fragen: "Wie kann man den Sportlern so etwas geben?" Der in Ruhpolding lebende Pichler stellte am Donnerstag vor dem Start der Frauen-Staffel fest: "Ich bin natürlich auch schockiert wie alle Deutschen."

Sachenbacher-Stehle war zuvor nicht für die Damen-Staffel an diesem Freitag nominiert worden. Die ehemalige Ski-Langläuferin war vor zwei Jahren zum Biathlon gewechselt. Im Massenstart-Wettbewerb von Sotschi lief sie als Vierte knapp an einer Medaille vorbei.

Die 33-Jährige aus Reit im Winkl war 2006 am Tag vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Turin wegen erhöhter Blutwerte mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt worden und musste sich das Auftaktrennen der Ski-Langläuferinnen von außen anschauen.

Erster Fall in Sotschi

Der DOSB wurde am Donnerstag um 21.30 Uhr (Ortszeit) vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) informiert, dass die A-Probe eines Sportlers "ein von der Norm abweichendes Ergebnis erbracht" habe, hieß es in einer Mitteilung des Verbandes. Ob das Resultat der B-Probe inzwischen vorliegt, ist nicht bekannt. Erst danach will DOSB-Generaldirektor Michael Vesper über den Stand des Verfahrens informieren.

2002 hatte der Blutdoping- Fall des Ski-Langläufers Johann Mühlegg bei den Winterspielen in Salt Lake City für einen Skandal gesorgt. Der gebürtige Deutsche startete allerdings für Spanien.

Deutsche Athleten geschockt

Die deutschen Biathleten reagierten geschockt auf die Nachricht einer positiven A-Probe in der deutschen Olympia-Mannschaft. "Ich habe es gerade auf dem Handy gelesen. Und kann es gar nicht glauben", sagte der ehemalige Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer nach dem Training am Freitag. Der für die abschließende Männer-Staffel am Samstag als Schlussläufer vorgesehene Simon Schempp stellte fest: "Ich habe es gerade mitgekriegt. Das ist ein extremer Schock. Mehr kann ich dazu nicht sagen." Die deutschen Langläufer sollten sich dagegen nicht zu dem Thema äußern, hieß es am Freitag.

Auch der Olympiasieger in der Nordischen Kombination, Eric Frenzel, zeigte sich überrascht: "Alle sind überrascht, dass es so etwas in Deutschland geben kann, da das Kontrollsystem einfach viel zu gut ist", sagte Frenzel. "Von daher hat es einem schon die Füße vom Boden gezogen", meinte Frenzel, einen Tag nach dem Silbermedaillengewinn mit dem Team der Nordischen Kombinierer.

"Wer sich so lange mit der Dopingproblematik beschäftigt wie ich, ist so leicht nicht mehr zu schockieren", meinte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag. "Also ist die Nachricht weder wirklich schockierend noch überraschend." Allerdings müsse man vor einer endgültigen Bewertung abwarten, was die Öffnung der B-Probe ergeben werde.

Knapp 2500 Dopingtests in Sotschi vorgesehen

Vor der Abreise nach Sotschi hatte Chef de Mission Vesper gesagt, dass er sicher sei, dass die deutsche Mannschaft bei den Winterspielen sauber an den Start gehen würde. "Absolut, das ist unser Ziel", sagte er damals. Es seien nur Sportler nominiert, die nachweislich kontrolliert worden seien. Jeder nominierte Athlet wurde laut Vesper vor den Winterspielen noch einmal unangemeldet getestet, "weil wir nichts unversucht lassen wollen, um für sauberen Sport zu sorgen".

Das IOC hat bei den Winterspielen in Sotschi die Rekordzahl von 2453 Test bis zur Schlussfeier am 23. Februar vorgesehen. Ein Großteil der Urin- und Blutkontrollen ist bereits vorgenommen worden. Mehr als 50 Prozent der Tests werden außerhalb der Wettkämpfe durchgeführt. Bei den Winterspielen 2010 in Vancouver gab es einen Doping-Fall.

Justizminister Maas plant Haftstrafen für Doping

Unterdessen hat Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD ein strenges Anti-Doping-Gesetz angekündigt. "Sowohl der Besitz als auch die Anwendung von Doping-Mitteln sollen unter Strafe gestellt werden", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Es droht gedopten Sportlern also künftig nicht mehr nur die Wettkampfsperre, sondern das Gefängnis." Sportler und Doping-Ärzte müssten mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren rechnen. Ein Gesetzentwurf solle noch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium vorgelegt werden.

Unter Strafe gestellt werden solle schon der Besitz geringer Mengen von Dopingmitteln, und zwar für die Zeit von Wettkämpfen und auch die Vorbereitungs- und Trainingszeit. "Wir sind es der Mehrheit der ehrlichen Sportler schuldig, endlich zu handeln", sagte Maas.

bak/DPA / DPA

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