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Olympia 2016: Auf Hundertstel gleich: Darum gibt es beim Schwimmen so oft Unentschieden

Am Freitagabend gab es beim Schwimmwettbewerb der Männer drei zweite Plätze, einen Tag zuvor zwei Goldsiegerinnen mit identischer Zeit. Doch warum gibt es so viele Unentschieden beim Schwimmen?

Beim Schwimmen wird nur auf die Hundertstelsekunde genau gemessen - aus gutem Grund

Beim Schwimmen wird nur auf die Hundertstelsekunde genau gemessen - aus gutem Grund

Am Freitagabend absolvierte Sport-Superstar Michael Phelps sein letztes Einzelschwimmen bei den diesjährigen Olympischen Spielen in Rio über 100 Meter Butterfly. Als er nach 51,14 Sekunden die Wand anschlug, reichte es diesmal nicht für Gold, sondern nur für Silber - gemeinsam mit dem Südafrikaner Chad le Clos und dem Ungarn Laszlo Cseh. Am Ende gab es drei zweite Plätze.

Ähnlich lief es einen Tag zuvor, als Simone Manuel (USA) und Penny Oleksiak (Kanada) über 100 Meter Freestyle gleichzeitig nach 52,70 Sekunden an die Wand schlugen - am Ende stand ein doppelter Olympischer Rekord.

Alle Athleten schwammen die Strecke auf die Hundertstelsekunde gleich. Doch hätte man mit einer genaueren Zeitmessung auf ein Tausendstel nicht doch einen konkreten Sieger bestimmen können? Vermutlich - doch das wäre unfair gewesen, wie Timothy Burke in einem Beitrag auf dem US-Portal "Deadspin" erklärt.

Tausendstel möglich, aber unfair

Es gab bereits eine genauere Zeitmessung bei internationalen Schwimmwettkämpfen: Der Schwede Gunnar Larsson gewann 1972 bei den Olympischen Spielen in München über 400-Meter-Lagen die Goldmedaille, weil er 0,002 Sekunden schneller war als sein Konkurrent Tim McKee aus den USA.

Doch wie sich später herausstellte, war die genaue Zeitmessung nicht fair. Denn: In einem 50-Meter-Pool entspricht eine Tausendstelsekunde auf den aktuellen Weltrekord gerechnet eine zurückgelegte Strecke von 2,39 Millimetern. Der Sport-Dachverband FINA wiederum erlaubt eine Toleranz von drei Zentimetern pro Bahn - mehr als zehnmal so viel. Man könnte die Schwimmzeit also auf eine Tausendstelsekunde genau bestimmen, allerdings nicht ausschließen, ob ein Athlet einen minimal weiteren Weg zurücklegen musste.

Nicht jede Bahn ist gleich

Es ist außerdem unmöglich, einen Pool zu bauen, in dem jede Bahn auf den Millimeter gleich lang ist. Denn die Bahnlänge wird nicht nur beim Bau festgelegt, sie ist auch abhängig von der Temperatur des Wassers, der Umgebung und selbst davon, ob sich Menschen im Becken befinden oder nicht, erklärt Burke. Genau aus diesem Grund wird beim Schwimmen nicht mehr auf Tausendstelsekunden genau gemessen. Ganz im Gegensatz zu anderen Sportarten wie Bobfahren, in dem jedes Team auf der gleichen Strecke antritt.

cf

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