HOME

Saisonabschluss der Fußball-Bundesliga: Wer steigt ab?

Zum Endspurt, meine Herren: Wenn die 48. Saison der Fußball-Bundesliga heute in ihren letzten Spieltag geht, ist Spannung nur im Tabellenkeller garantiert. Dort aber richtig.

Es als dramatischstes Saisonfinale in der Geschichte der Fußball-Bundesliga anzuteasern, wäre sicher vermessen. Der Meisterkampf ist entschieden - theoretische Absurditäten hin oder her. Und auch im Rennen um die internationalen Plätze hat es in anderen Jahren schon mehr denkbare Konstellationen gegeben. Aber dafür bahnt sich im Tabellenkeller zum Abschluss der Saison Nummer 48 heute ein Spieltag mit Hochspannung an.

Vor allem in Bochum: Wenn der VfL (17./28 Punkte) auf Hannover 96 (15./30) trifft, ist für beide Vereine alles möglich. Siegen die Gäste, bleiben sie sicher in der Liga. Verlieren sie, könnte 96 dagegen direkt absteigen. Geht das Spiel unentschieden aus, muss Hannover bei einem gleichzeitigen Sieg der Nürnberger als Drittletzter in die Relegation gegen den Dritten der Zweiten Liga, also den FC Augsburg. Die Bochumer wiederum brauchen wohl einen Sieg, um wenigstens die Relegation zu schaffen. Mit drei Punkten würden sie Hannover überholen und möglicherweise auch Nürnberg. Wenn Nürnberg zuhause gegen Köln verliert, wäre der VfL mit einem Remis zumindest Drittletzter. Hört sich kompliziert an, ist es auch. Selten war die Konstellation im Keller so eng - abgesehen vom bereits abgestiegenen Tabellenletzten Hertha BSC.

Der Trend spricht derzeit für Hannover: Die 96er ließen sich zwar zwischenzeitlich vom FC Bayern abschlachten (0:7), feierten aber glänzende Siege gegen Schalke (4:2) und Mönchengladbach (6:1), die die Frage aufwerfen, warum Hannover sich überhaupt soweit unten wiederfinden muss. Trainer Mirko Slomka wird wohl die Elf vom Gladbachspiel auf den Rasen des Ruhrstadions schicken. Auch Bochum ist zwar von Ausfällen verschont. Ob das aber weiterhilft? Wie Nürnberg, ist der VfL im steilen Abwärtstrend und kann dankbar sein, dass Hertha schon aus dem Rennen ist. Die Schreckensbilanz des VfL aus den letzten zehn Spielen: zwei Unentschieden und acht Niederlagen. Nürnberg wiederum verlor zuletzt vier Spiele in Folge. Bis auf Diekmeier kann der Club in Bestbesetzung antreten, weiß aber nicht, was ihn erwartet. Köln war in dieser Saison die Wundertüte der Liga. Entsetzlichen Heimspielen folgten häufig starke Auswärtsauftritte.

Der Norden: Viel Hass, aber wohl wenig Drama

Blick nach oben: Das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV, angesichts der vor allem in der vergangenen Saison angeheizten Rivalität zwischen den beiden Vereinen ohnehin ein Hassgipfel, hat am 33. Spieltag auch noch sportliche Brisanz erhalten - wenigstens ein wenig. Denn der HSV kann sich nach dem 4:0 gegen Nürnberg wieder für die Europa League qualifizieren, muss dafür aber in Bremen gewinnen. Werder reicht wahrscheinlich ein Unentschieden für Platz 3. Damit könnten die Bremer in die Qualifikation für die Champions League gehen. Der Trend spricht hier klar für die Gastgeber, die zuletzt viermal in Folge gewannen und nach den Bayern auf der Zielgeraden der Saison das stärkste Team der Liga sind.

Ein Drama bahnt sich also nicht an. Dem HSV würde ein Sieg zudem nur dann reichen, wenn der derzeitige Tabellensechste Stuttgart in Hoffenheim verliert. Der Verlust der Champions-League-Teilnahme droht Werder auch nur dann, wenn Leverkusen in Mönchengladbach gewinnt. Bei einem Unentschieden von Werder müsste Bayer zudem 7:3 oder gar mit fünf Toren Abstand siegen. Die Borussia ist zwar durch, dürfte aber im rheinischen Derby ihre letzten Kräfte motivieren und sich nicht so gehen lassen wie zuletzt in Hannover. Zudem will sich Oliver Neuville bei seiner Abschiedsvorstellung sicher einen würdigen Abgang bereiten.

Hertha: Zynischer Höhepunkt einer grausamen Saison

Während der VfB Stuttgar also in Hoffenheim noch alles verspielen kann, was er sich in einer famosen Rückrunde erkämpft hat, ist aus den restlichen Partien die Luft raus - es sei denn, man hält es für möglich, dass Bayern bei Hertha 0:9 verliert und Schalke gleichzeitig mit 9:0 bei den heimstarken Mainzern gewinnt. Bitter für die Berliner, dass sie am Tag ihres Abschieds von der Bundesliga im eigenen Stadion mitansehen müssen, wie die Bayern ihre Meisterschaft feiern. Der zynische Gipfel einer furchtbaren Saison für die Hertha.

Auch die Zuschauer bei Wolfsburg gegen Frankfurt, Freiburg gegen Dortmund erwartet kein Drama mehr - dafür können sie auf die für die bedeutunglosen Kicks des letzten Spieltages typische Torflut hoffen.

Für einige Spieler geht es immerhin auch um persönliche Ehre und Titel: Torschützenkönig können bei realistischer Betrachtung noch der Wolfsburger Edin Dzeko und der Leverkusener Stefan Kießling (beide je 21 Treffer) werden. Lucas Barrios (18) von Borussia Dortmund hat eine Außenseiterchance. Kevin Kuranyi wohl nicht, weil er beim letzten Spiel voraussichtlich zuschauen wird. Unter besonderer Beobachtung werden die Nationalspieler stehen, die am Wochenende im Einsatz sind, insbesondere die Torhüter Manuel Neuer, Hans Jörg Butt und Tim Wiese.

ben

Wissenscommunity