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Franziska van Almsick: "Ich bin die Unvollendete"

Selbstbewusst, sexy, stark: Franziska van Almsick beim Foto- Shooting für den stern. Im ersten großen Gespräch nach ihrem Rücktritt sagt Deutschlands populärste Sportlerin, warum sie auch ohne olympisches Gold gut leben kann. Und spricht offen über ihre verletzliche Seite - ihre Essstörungen, Thema einer bewegenden Autobiografie

Franziska, Sie haben nun offiziell Ihre Karriere beendet. "Ich bin aufgetaucht, und mein Leben geht an Land weiter", schreiben Sie im letzten Satz Ihres Buches. Wie wird dieses Leben denn aussehen?

Klingt vielleicht komisch: Aber ich will etwas zurückgeben. Meine Erfahrungen, mein Wissen, auch mein Talent, das Wassergefühl. Darauf habe ich gewartet. Schon im letzten Jahr spürte ich immer mehr Lust, mich zu verändern, mich auszuprobieren. Konkret heißt das: Ich werde eine Schwimmakademie gründen.

So ganz vom Wasser können Sie nicht lassen?

Ich habe immer gesagt, wenn ich aufhöre mit Schwimmen, verbrenne ich meine Badeanzüge. Da haben sich eine Menge Leute beschwert: "Die könnte man doch auch stiften!" Dabei war das nur Spaß. Fest stand für mich nur, dass ich nie Trainer sein wollte. Aber wenn ich Leute beobachte, wie die so schwimmen - Brust halt, Froschbewegung, der Kopf steif oben raus, hinten Senkspreizfuß -, wird mir schlecht. Wenn junge Leute schwimmen lernen wollen, dann doch gleich richtig. Sie sollen Spaß dabei haben. Und die Kids müssen mehr motiviert werden. Momentan kann man das Seepferdchen machen und noch zwei Prüfungen, das war's. Bei uns soll es mehrere Zertifikate geben, es wird so ein ähnliches System wie in Amerika sein. Ich will den Schwimmunterricht hier professioneller und moderner machen. Ende des Jahres soll's losgehen.

Fürchten Sie sonst, so wie viele Spitzenathleten nach der Karriere in eine Sinnkrise zu geraten, weil in ihrem Leben nicht viel war außer Sport?

Nö, das ist anders bei mir. Natürlich, mit 20 oder 21, war Schwimmen mein Leben. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo du dich für andere Sachen interessierst. Ein Beispiel: Ich bin Schirmherrin für "Fair feels good". Das ist eine Organisation, die sich für Produzenten aus der Dritten Welt einsetzt. Deren Waren kommen hier auf den Markt, ohne dass irgendwelche Zwischenhändler Kohle damit machen. Kaffee aus Brasilien, Bananen aus Afrika, solche Sachen. Ich will die Kaffeepflücker sehen, ich will mit ihnen reden. Endlich habe ich dafür Zeit. Nach so einer Karriere, wie ich sie erlebt habe, habe ich den Wunsch, etwas zurückzugeben. Ich will auch mehr mit meiner Familie sein und mit meinem Freund natürlich. Ich will bei Geburtstagen zu Hause sein. Wenn Freunde heiraten - und sie sind jetzt in dem Alter, wo sie Kinder kriegen -, dann will ich dabei sein und nicht immer sagen müssen: "Tut mir leid, keine Zeit". Bei mir ist jetzt die Zurückgebe-Zeit angebrochen. Verdammt viele Menschen haben Rücksicht genommen auf mich in den vergangenen 15 Jahren.

Haben Sie das Gefühl, sehr viel verpasst zu haben, das Sie jetzt nachholen müssen?

Es war nicht so, dass ich was vermisst hätte. Ich hab's ja nie anders erlebt. Seit meinem sechsten Lebensjahr schwimme ich, und ich war immer sehr diszipliniert. Morgens um sieben habe ich angefangen mit dem Training, das ging bis elf, dann hatte ich meine Mittagspause, und nachmittags ging's wieder stundenlang in die Halle. Jahraus, jahrein, zwanzig Jahre lang. Wenn meine Familie in Urlaub fuhr, konnte ich nicht mit. Schwimmen war mein Job, mein Leben. "Bleib mal ganz ruhig", habe ich mir immer gesagt, meine Zeit wird noch kommen.

Hatten Sie nie das Bedürfnis, sich hängen zu lassen?

Ich hab's nie gemacht, ich weiß gar nicht, wie das ist. Im letzten Urlaub war ich mit Stefan ...... Kretzschmar, dem Handballspieler, mit dem Sie seit vier Jahren zusammen sind ... .. ja, wir waren eine Woche golfen und dann in New York. Es war toll, aber du denkst eben ständig an die Olympiavorbereitung. Dann fliegst du nach Hause, und alles geht wieder von vorne los. Ich war schon entspannt, aber trotzdem war's eher ein Durchatmen.

Werden Sie das nicht doch vermissen? Die Wettkämpfe, das Wasser, die Aufregung?

Nein. Sportlich ist jetzt wirklich der beste Zeitpunkt, Schluss zu machen. Ich bin einfach müde. Ich merke, dass der Biss und die Freude über Erfolge nicht mehr so stark sind wie früher. Also, die Spiele in Athen waren ein tolles Erlebnis, ich will das gar nicht klein reden - aber es waren halt meine vierten Olympischen Spiele. Und die Bronzemedaille? Logisch, bin ich stolz drauf und froh drüber. Aber eben auch nur froh. Als ich sah, wie meine drei Staffelkolleginnen sich vor Freude kaum einkriegten über die Medaille, stand ich daneben und dachte so: "Mensch, war das schön, als dir das noch so viel bedeutet hat." Die Zeit ist reif zu gehen.

Jetzt klingen Sie gerade so, als gingen Sie auf die fünfzig zu.

Ja, vielleicht. Boris Becker hat mal gesagt, Sportjahre sind wie Hundejahre. Ich hab doch auch schon alles erlebt! Wer will mir denn in sportlichen Emotionen irgendwas vormachen? Ich kenne den Untergang und die absoluten Höhepunkte. Klar wäre Gold in Athen ein schöner Abschluss gewesen. Aber es hat nicht gereicht, und daran werde ich auch bestimmt noch eine Zeit lang knabbern. Ich bin eben die Unvollendete. Und so gesehen passt doch dieser Abschluss zu meinem Leben, zu diesem ewigen Rauf und Runter. Klar, ich hätte schon gerne ... da ist wieder dieses Wort: zurückgegeben. Ich hätte die Goldmedaille meinen Eltern gewidmet oder Stefan. Ich war traurig, dass ich so viele Leute enttäuscht habe.

In Ihrem Buch schreiben Sie oft über Ihre Angst zu enttäuschen. Woher rührt sie?

Ich denke, von diesem ständigen Hin und Her. Wenn du 16 oder 17 bist - ein Alter, in dem man viele Selbstzweifel hat - und alle vier Wochen steht etwas anderes über dich in der Zeitung, weißt du irgendwann gar nicht mehr, wer du eigentlich bist. Ich war mal die fette Kuh und dann wieder "Franzi van Sex". Ich stand entweder immer kurz davor abzuheben oder mich echt schlecht zu fühlen. Ich habe viel zu sehr darauf geachtet, was andere über mich sagen und denken.

Sie schreiben: "Wenn ich auf den Startblock steige, dann muss ich stark sein, und niemand darf wissen, wie dreckig es mir eigentlich geht." Sie haben sich und der ganzen Welt jahrelang Theater vorgespielt. Denn es ging Ihnen verdammt dreckig.

Ja. Ich war mehrere Jahre lang essgestört. Das war eine harte Zeit. Zumal ich nicht wirklich drüber reden konnte. Solange ich noch geschwommen bin, wollte ich nicht drüber reden, weil ich nicht in jedem Interview darauf angesprochen werden wollte. Ich wollte kein Verständnis und kein Mitleid. Die Sache musste ich erst mit mir selbst klären. Und das hat gedauert.

Wann fing es an?

Ende 1995, vor den Olympischen Spielen in Atlanta. Ich war 17 Jahre alt, und da war dieser enorme Druck, den ich zuvor so nie wirklich gespürt hatte. Ich musste einen Schulplan absolvieren und natürlich meinen Trainingsplan, und ich hatte einen Manager, der die restliche Zeit mit Terminen voll gepackt hat. Mein Leben war komplett fremdbestimmt. Ich fühlte mich wahnsinnig überfordert und kam einfach nicht raus aus dieser Mühle. Alles, was ich wollte, war: mich frei machen, selbst bestimmen können. Und das Essen war mein Mittel, um über mich selbst zu bestimmen. Ich allein konnte entscheiden, ob ich esse oder nicht. Am Anfang konnte ich es gut vertuschen, da habe ich bei Essenseinladungen zum Beispiel gesagt: "Danke, hab schon." Und weil ich damals schon nicht mehr zu Hause wohnte, fragte keiner nach. Ich wollte einfach Kontrolle über mich.

Wie weit ging dieses Kontrollieren?

Bis es weh tat. Ich hatte natürlich Hunger und entsetzliche Magenschmerzen. Aber mit den Schmerzen habe ich mich selbst gefühlt. Darauf kam es mir an. Ich bin nun mal ein emotionaler Mensch, ständig auf der Suche, mich zu spüren.

Waren Sie magersüchtig zu der Zeit oder kurz davor?

Es gibt Fotos von damals, auf denen man relativ deutlich sieht, dass ich sehr wenig Gewicht habe. Aber es kann noch nicht dramatisch gewesen sein, weil mich niemand drauf ansprach - das meine ich übrigens ironisch. Nie wurde es zum Thema, dass ich zu wenig wiege. Im Leistungssport gilt es ja, im Gegenteil!, als toll, wenn du nichts wiegst - weniger Wasserverdrängung. Ich habe im Fernsehen Berichte über Magersüchtige gesehen und immer nachvollziehen können, wie die sich fühlen. In so einem Zustand verändert sich dein Körperbewusstsein. Du bist spindeldürr, und du guckst in den Spiegel und siehst gar nicht dich. Du fühlst dich schwer, als würden alle deine Probleme an dir kleben.

Sie wogen 60 Kilo bei 1,80 Meter Körpergröße. Das muss doch aufgefallen sein.

Nicht wirklich. Allerdings hat mein Trainer Dieter Lindemann im Trainingslager oft neben mir gesessen und aufgepasst, dass ich esse. Nicht essen bedeutet, du bist schlapp und oft krank. Unglaublich, wie oft ich krank war vor Atlanta! Ich musste mich entscheiden: Wenn ich weiter Leistung bringen wollte, musste ich essen. Der Sport war die Rettung, sonst wäre ich da noch viel tiefer reingesumpft. Aber ich habe immer gemerkt: Wenn ich nichts esse, komme ich nicht von der Stelle. Also bin ich mit einem blauen Auge davongekommen.

Haben Sie darüber sprechen können?

Das ist ein schwieriges Thema. Es sind ja gerade die Liebsten um einen herum, die nicht merken, was mit dir los ist. Oder die in so einer Situation hilflos sind. Meine Managerin Regine Eichhorn war eine der Ersten, die über meine Bemerkungen übers Essen oder über mein Aussehen nachgedacht hat. Wenn wir unterwegs waren und ich kaufte mir ein Päckchen Salzstangen und sagte dabei: "Oh Mann, schau dir meine Hose an, ich muss abnehmen!" und zog so ein bisschen Haut am Hosenbund zusammen, schaute sie irritiert. Obwohl wir uns gut kannten, hat sie sich schwer getan, mich drauf anzusprechen.

Sie haben sich von Salzstangen ernährt?

Das war mein Hauptnahrungsmittel. Salzstangen und mal ein Äpfelchen, mal auch nur ein halbes. Und zum Frühstück ein Bonbon. Dabei ging es mir ja nicht ums Abnehmen. Ich war gefangen in einem Kreislauf aus Kontrolle und Strafe - "Kann ich noch drei Salzstangen essen? Nein, die isst du nicht, das ist viel zu viel ... das hast du dir nicht verdient". So war das.

Wann haben Sie beschlossen, dass es so nicht weitergeht?

Ich dachte erst, ich kriege das alleine wieder hin. Aber ich schaffte es nicht. Du denkst von morgens bis abends ans Essen. "Wann kannste, wie kannste, was sagst du den anderen, wenn du nichts isst?" Du siehst in Gedanken ständig irgendwelche Braten an dir vorbeischweben, das ist wirklich zum Verzweifeln. Im Winter 1998 habe ich dann mit einer Therapie angefangen. Das war meine Rettung. Das Training nach den Spielen in Atlanta war nur noch Quälerei gewesen. Ich fühlte mich ausgebrannt. Die offizielle Version lautete: "Franziska konzentriert sich jetzt auf die Schule." Aber Franziska hatte selbst für die Schule keine Kraft mehr. Und im Frühjahr 97 hatte ich einen Motorradunfall. Und wieder musste ich mich meinem Problem nicht stellen. Es hieß ja: "Franziska trägt jetzt Gips, schwimmen kann sie erst mal nicht." Und insgeheim habe ich gedacht: Danke, lieber Gott, danke.

Und diese Auszeit ...

... habe ich genutzt, um über mein Leben nachzudenken. Dank der Therapie habe ich wieder vernünftiger gegessen - und habe drei Kilo zugenommen. Ich war nicht wirklich fett, aber undefiniert, weil der Körper erst mal alles festgehalten hat. Und als der Gips abkam, konnte ich mich immer noch darauf berufen - "Frau van Almsick, wieso klappt's denn noch nicht, tut die Hand noch weh?" Und wieder war mein wirkliches Problem vertuscht. Und ohne mich dafür zu entschuldigen: Die Jahre 1996 bis 1999 waren für mich die Zeit der Rückanpassung und des Zurückfindens in mein Leben.

Essstörungen haben oft familiäre Ursachen. Wie sah das bei Ihnen aus?

Die Kindheit spielt natürlich eine Rolle. Meine Eltern waren beide berufstätig. Das war eben so im Osten. Ich bin schon als Sechsjährige allein zum Training gestiefelt, habe die S-Bahn genommen und konnte noch nicht mal lesen, wohin sie fuhr. In der ersten Klasse hatte ich einen Hausschlüssel und bin nicht in den Hort gegangen, sondern nach Hause, habe mir ein Spiegelei gemacht oder Nudeln gekocht. Ich fand diese frühe Selbstständigkeit toll, ein ängstliches Kind war ich nie. Aber wenn ich heute so darüber nachdenke, würde ich sagen: war doch zu früh. Und wir hätten vielleicht doch mehr Zeit miteinander verbringen sollen. Das alles war auch für meine Eltern und meinen Bruder nicht einfach.

Was meinen Sie?

Heute kann ich gut damit umgehen, aber vor ein paar Jahren litt ich darunter, was meiner Familie durch meinen Erfolg, durch meine Popularität passiert ist. Meine Mutter hat sich zum Beispiel eine Zeit lang nur noch mit ihrem Mädchennamen am Telefon gemeldet. Mein Bruder hat sich ein Pseudonym zugelegt, weil die Leute durchgedreht sind. Überlegen Sie doch mal, in jungen Jahren, mit 14, 15, überhole ich meinen Bruder, überhole ich meine Eltern, ich verdiene mehr Geld als sie. Und sehe doch, dass sie von früh bis spät arbeiten. Allein die Werbeverträge, mit denen ich kurz nach der Wende nach Hause kam. Das war mir peinlich. Ich bin froh, dass ich durch die Essstörungen und die Therapie die Chance hatte, mir selbst zu begegnen.

Wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie ihnen von Ihren Problemen erzählten?

Eigentlich wurde es nie so richtig ausdiskutiert. Meine Eltern wussten nicht, wie dreckig es mir ging. Klar, wir haben oft telefoniert. Aber anrufen, wenn es mir nicht gut ging? Das habe ich dann auch nicht getan.

Fühlen Sie sich heute geheilt?

Latent bin ich nach wie vor gefährdet. Wenn ich einen schlechten Tag habe, sehe ich auch noch nach sechs Jahren, wie gefährlich es ist, sich auf diese Art spüren zu wollen. Und trotzdem geht's mir echt gut. Ich kann damit umgehen.

Gehen Sie noch zur Therapie?

Ja. Nicht mehr so regelmäßig. Aber ich habe das zu schätzen gelernt. Ich gehe vor allem zur Stressbewältigung hin. Ich klingel immer wieder mal an und sage: Bei mir ist die Luft raus, ich finde gerade den Notausgang nicht. Das hilft.

Aber verletzlich sind Sie doch. Sie widmen dem Journalisten Franz-Josef Wagner in einem Kapitel Ihres Buches viel Platz wegen dessen Zeile "Franzi von Speck". Das liegt vier Jahre zurück. Warum so viel der Ehre?

Dieser Typ hat mir einen Tritt in die Magengrube versetzt. Als ich dachte: "So, jetzt habe ich es geschafft", haut der diese Überschrift raus, und alle drucken das nach. Ich kenne den Mann gar nicht! Aber er hatte genau den Punkt getroffen. Das tat weh.

Als Wagner die Zeile über Ihren Auftritt bei Olympia in Sydney schrieb, konnte er von Ihrem Problem nicht wissen.

Das entschuldigt ihn nicht, so was macht man generell nicht. Ich war nicht fett, ich war zu keinem Zeitpunkt fett. Ich war nicht durchtrainiert, und ich hatte bestimmt drei Kilo mehr. Aber über drei Kilo, da lache ich, die hat man schon nach einem Abendessen drauf, wenn man mal überzieht. Er hat mich verletzt, ja. Und ich gebe zu, dass mir dieses Kapitel großen Spaß gemacht hat.

Sie haben andererseits immer auch von den Medien profitiert, in früheren Jahren selbst von Wagner.

Ja, ich weiß, dass es ein Geben und Nehmen ist. Insgesamt bin ich schon gut behandelt worden von der Presse. Nur diese frei erfundenen Geschichten kann ich nicht ausstehen. Ich war schon mehrmals schwanger, habe fünfmal geheiratet und zuletzt gleich unterm Olymp. Und außerdem mache ich gerade Urlaub auf Ibiza, während wir hier sitzen. Das nervt.

In Ihrem Buch schreiben Sie: "Ich weiß jetzt, wer ich bin". Also bitte, wer ist Franziska van Almsick?

Ich bin jemand, der sich inzwischen mehr vertraut. Wenn was Superschönes in der Zeitung steht wie "Die Göttliche", lese ich das mit einem Schmunzeln und weiß, dass ich nicht göttlich bin. Und wenn sie was Fieses schreiben, verletzt mich das nicht mehr so wie früher. Ich habe erkannt: Ich bin okay. Ich finde mich nett. Ich bin kein schlechter Mensch.

Hat das jemand behauptet?

Sagen wir: Es ist nicht so, dass alle Leute mich mögen. Und wenn man im Alltag ständig damit konfrontiert wird, ist das echt schwer zu ertragen. Wenn ich gute Laune habe, geht's. Aber wenn ich schlechte Laune habe, motze ich schon mal zurück und verhalte mich halt wie eine Diva. Ich kann nicht immer nett sein, ich kann nicht immer lachen. Es gibt Tage, da will ich gar nicht lachen. Manche Leute verstehen das nicht. Und dann wirst du schnell in eine Schublade gesteckt.

Passiert Ihnen das umgekehrt nie?

Doch, das mache ich mit anderen Prominenten auch. Aber ich hab dazugelernt. Es ist mir schon ein paarmal so gegangen, dass ich dachte: "Was für ein Idiot". Und dann merke "Ach, der ist eigentlich okay".

Zum Beispiel?

Michael Schumacher fand ich immer doof. So aalglatt, der perfekte Schwiegersohn. Da war eine Sport-Gala, und er kam mit dem Hubschrauber. Verspätet. Wird Sportler des Jahres und kommt zu spät, sodass alle gucken. Ich dachte nur: Was für 'ne Extrawurst. Aber wenn man dann erfährt, wie chaotisch sein Leben ist und wie viele Termine er hat, versteht man das besser. Wir haben miteinander geredet, und ich muss sagen: Der ist echt nett.

Von Christine Kruttschnitt, Michael Streck und Michel Comte (Fotos)

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