HOME

Handball: Handball-EM - Deutschland besiegt Mazedonien 24 -23

Sechs Minuten vor dem Schlusspfiff sah die DHB-Auswahl gegen Mazedonien wie der sichere Verlierer aus. 21:22 in Rückstand, zwei Minuten in Unterzahl und Siebenmeter gegen sich. Doch der frisch eingewechselte Silvio Heinevetter zeigte seine ganze Klasse und rettete am Ende einen 24:23-Sieg seines Teams.

Die deutsche Mannschaft hat bei der Handball-Europameisterschaft ihre Chance auf das Erreichen der Zwischenrunde und damit auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London gewahrt. Gegen Mazedonien gelang dem DHB-Team ein 24:23-Zittersieg.

Martin Heuberger nahm zu Beginn der Partie einige Veränderungen vor: Carsten Lichtlein stand für Silvio Heinevetter im Tor und Lars Kaufmann begann für Pascal Hens, der keine Sekunde spielen sollte, im linken Rückraum, und sorgte auch gleich für die 1:0-Führung.

Schnelle Führung für das deutsche Team

Das bei deutschen Angriffen gellend pfeifende mazedonische Publikum sorgte bei dem deutschen Gegner für eine Heimspielatmosphäre, aber das DHB-Team ließ sich davon nicht beirren und ging durch weitere Treffer von Holger Glandorf und Patrick Groetzki nach vier Minuten mit 3:0 in Führung. Mazedoniens Superstar Kiril Lazarov sorgte dann aber dafür, dass sein Team auf der Anzeigetafel erschien.

Nach knapp sieben Minuten war dann aber der gute Auftakt bereits vergessen, ein Stürmerfoul und ein weiterer leichter Ballverlust später hatte Mazedonien zum 3:3 ausgeglichen. Lichtlein sorgte für einen ersten Lichtblick, als er einen Siebenmeter Lazarovs abwehren konnte, aber ein Schrittfehler Glandorfs machte diese Parade schon beim nächsten Angriff zunichte.

Sowohl als Anspieler als auch als Torschütze war Lazarov von der deutschen Defensive nicht in den Griff zu bekommen und so ging Mazedonien in der 15. Minute erstmals in Führung, mit 7:6. Immer wieder wurden Gegenstände auf das Spielfeld geworfen, aber mehr Maßnahmen als eine Hallendurchsage wurden von den Offiziellen nicht ergriffen.

Überzahlspiel ungenügend

Selbst eine doppelte Überzahl konnte die deutsche Mannschaft in dieser Phase nicht zu einem Torerfolg nutzen, im Gegenteil: Lichtlein musste den knappen Rückstand mit einer Parade retten. Der einzige Spieler, der in der Offensive bis dahin einen guten Tag erwischt hatte, war Kaufmann, der mit seinem vierten Treffer den 8:8-Ausgleich erzielte (20. Minute).

Es blieb ein Kampfspiel. Defensiv konnte die deutsche Mannschaft zulegen, vor allem Lichtlein rechtfertigte seine Aufstellung und konnte einige gute Chancen des Gegners parieren. Vor der Pause ging Deutschland mit zwei Toren in Führung, aber durch eine Zwei-Minuten-Zeistrafe für Kaufmann konnte Mazedonien auf 11:11 ausgleichen. Mit 12:12 ging es in die Halbzeitpause.

Im zweiten Durchgang bot die Partie zunächst dasselbe Bild: viel Kampf und wenig spielerische Klasse auf beiden Seiten, wenn nicht Lazarov am Ball war. Aber es blieb eng. Adrian Pfahl, der im Angriff inzwischen Glandorf ersetzte, brachte die deutsche Auswahl in der 37. Minute mit 15:14 in Führung. Doch das sollte vorerst der letzte Moment zur Freude im deutschen Lager sein.

Mazedonien zieht davon

Ein zwischenzeitlicher kompletter Zusammenbruch der DHB-Auswahl ließ Mazedonien Tor um Tor davonziehen. 17:15 hieß es in der 41. Minute. Aber Mazedonien ist keine Mannschaft von absolutem Top-Format, deshalb konnte die deutsche Mannschaft dran bleiben und das Spiel eng halten.

Als es etwas besser lief und die DHB-Auswahl sogar mit 20:19 in Führung ging, folgte der nächste Rückschlag: Oliver Roggisch kassierte seine dritte Zeitstrafe und damit die Rote Karte. Die Überzahl nutzte Mazedonien auch sogleich zum 20:20-Ausgleich (51. Minute).

Immer wieder geriet die deutsche Mannschaft in Unterzahl und konnte so nur reagieren, anstatt zu agieren. Fünf Minuten vor dem Ende brachte Branislav Angelovski sein Team mit 22:21 in Führung. Die entscheidende Spiel-Szene sahen die Zuschauer dann sechs Minuten vor dem Ende.

Heinevetter rettet den Sieg

Erneut gab es Siebenmeter für Mazedonien und eine Zwei-Minuten-Strafe für Michael Haaß. Heinevetter kam für den angeschlagenen Lichtlein ins Spiel, parierte den Strafwurf und war gleich noch einmal erfolgreich. Von einem Zwei-Tore-Rückstand hätte sich die deutsche Mannschaft wohl nicht mehr erholt.

Im deutschen Team übernahm jetzt wieder Kaufmann, der neben einigen Highlights auch viele Fehler machte, die Verantwortung und schaffte den Ausgleich. Drei Minuten vor dem Ende gelang Dejan Masnov noch einmal die 23:22-Führung für die Mazedonier, doch das sollte der letzte Gegentreffer für Heinevetter gewesen sein.

Vorne trafen Patrick Wiencek und Uwe Gensheimer und hinten lag der Torwart der Füchse Berlin quer in der Luft und parierte nun jeden Ball oder provozierte einen Fehlwurf. Nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel im deutschen Lager keine Grenzen, während die mazedonischen Fans ihrem Frust mit einem Geschosshagel auf das Spielfeld freien Lauf ließen.

Henning Schulz

sportal.de / sportal

Wissenscommunity