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Tennis: Power Ranking - Die zehn besten Spieler der Welt

Wenig überraschend führt Novak Djokovic unser aktuelles Power Ranking an, dahinter bleibt es aber spannend. Im Mittelpunkt steht Roger Federer, der das kommende Masters in Shanghai einfach mal auslässt und schon bei den US Open als schlechter Verlierer sein Gentleman-Image aufs Spiel setzte.

In der kommenden Woche steigt mit dem Turnier in Shanghai das vorletzte Masters der Saison. Es geht um wichtige Punkte für das ATP World Tour Finals in London. Keine Sorgen um die Teilnahme müssen sich die neben Rafael Nadal und Andy Murray bereits qualifizierten Novak Djokovic (verletzt) und Roger Federer (relative Lustlosigkeit) machen, der Rest der Weltelite greift bereits in dieser Woche in Tokio oder Peking und dann auch in Shanghai zum Schläger.

Hoffnung auf einen Startplatz für London können sich auch einige Spieler aus unserem aktuellen Power Ranking machen – in Topform reisen zum Beispiel Jo-Wilfried Tsonga und Janko Tipsarevic an. Der eine muss seinen Platz nur verteidigen, der andere hat 800 Punkte Rückstand, doch auch der Serbe hat noch Chancen.

Am beherrschenden Thema der vergangenen Wochen im Tennis, einem möglichen Streik der Spieler wegen zu großer Belastung und einem zu engen Terminkalender, kommen wir hier auch nicht vorbei – auch wenn wir die Chancen für einen Streik als nicht allzu hoch einstufen. Für die Rangliste wurden wie gewohnt die vergangenen vier Turniere eines jeden Spielers herangezogen, das Ganze im Verhältnis 100, 80, 60 und 40 Prozent.

10. (neu) Andy Roddick (USA, 29 Jahre, Weltrangliste: 15) / Letzte vier Turniere: Wimbledon (3. Runde), Cincinnati (Viertelfinale), Winston-Salem (Halbfinale), US Open (Viertelfinale) / Power Ranking-Punkte: 458

Es ist sicherlich nicht die Saison des Andy Roddick. Der Amerikaner kämpfte mit Verletzungen, auf der US-Tour kam er aber rechtzeitig wieder in Form. Trotzdem war Roddick für eine der Szenen des Tennis-Jahres verantwortlich, als er sich bei den US Open wegen eines Risses im Court mit dem Oberschiedsrichter anlegte, quasi selbst die Verlegung auf den Außenplatz 13 bestimmte, dann wie eine wutschnaubende Dampflok voranschritt und seinen etwas unsicher wirkenden Gegner David Ferrer und die vielen Zuschauer im Schlepptau hatte. Der eigentlich als Spaßvogel bekannte Roddick lässt in jedem Fall keinen Zweifel aufkommen, wie wichtig ihm Tennis noch ist. Als er nach seinem gestrigen Erstrundenaus in Peking von einem Reporter nach einem möglichen Rücktritt befragt wurde, antwortete Roddick: "Ich denke, sie sollten zurücktreten", stand auf und verließ die PK.

9. (7.) Tomas Berdych (CZE, 24 Jahre, Weltrangliste: 10) / Letzte vier Turniere: Bastad (Halbfinale), Montréal (Viertelfinale), Cincinnati (Halbfinale), US Open (3. Runde) / Power Ranking-Punkte: 522

Wie Roddick steigt auch Tomas Berdych eine Woche vor dem vorletzten Masters wieder in das Turniergeschehen ein. In Peking ist der Tscheche an Nummer drei gesetzt und will Spielpraxis sammeln, zumal er in den letzten Wochen mit Schulterproblemen zu kämpfen hatte. Direkt nach den US Open sicherte Berdych zudem zusammen mit Radek Stepanek, der wie schon im August nur knapp an den Top Ten scheiterte, den Verbleib Tschechiens in der Weltgruppe des Davis Cups. Gegen Italien in der ersten Runde der kommenden Saison ist für die Tschechen dann sogar mal wieder das Viertelfinale möglich.

8. (neu) John Isner (USA, 26 Jahre, Weltrangliste: 18) / Letzte vier Turniere: Washington (Finale), Montréal (Viertelfinale), Cincinnati (Viertelfinale), US Open (Viertelfinale) / Power Ranking-Punkte: 584

Schon im vergangenen Jahr galt John Isner als Geheimtipp, immer wieder kratzte er an den Top 20. Doch Anfang dieses Jahres kam dann ein kleiner Hänger und der 2,06 Meter große Aufschlagriese fiel im Juni bis auf Position 47 zurück. Doch spätestens seit der Zweitrundenniederlage in Wimbledon ist Isner wieder im Aufwind. Gerade in seiner Heimat bei der US-Open-Serie trumpfte er auf. Dabei zeichnete ihn vor allem seine Nervenstärke aus, in diesem Jahr hat Isner in Tiebreaks eine Bilanz von 33:20.

6. (neu) Janko Tipsarevic (SRB, 27 Jahre, Weltrangliste: 13) / Letzte vier Turniere: Montréal (Viertelfinale), Cincinnati (Halbfinale), US Open (Viertelfinale), Kuala Lumpur (Sieg) / Power Ranking-Punkte: 709

Janko Tipsarevic würde gerne noch in das Rennen um die letzten Plätze für das ATP World Tour Finals in London eingreifen. Deshalb nahm der Serbe in Kuala Lumpur seinen ersten Titel in seiner Karriere überhaupt recht gelassen hin, verschob die Party und jettete sofort weiter nach Tokio, wo in dieser Woche das nächste Turnier steigt. "Ich will gar nicht zuviel über London nachdenken", sagte Tipsarevic nach dem Erfolg in Malaysia. "Ich muss in Tokio und Shanghai richtig Gas geben, um die Jungs vor mir noch zu überholen."

6. (6.) Jo-Wilfried Tsonga (FRA, 26 Jahre, Weltrangliste: 7) / Letzte vier Turniere: Montréal (Halbfinale), Cincinnati (2. Runde), US Open (Viertelfinale), Metz (Sieg) / Power Ranking-Punkte: 709

Beim Thema Streik dürfte Jo-Wilfried Tsonga nicht das richtige Beispiel für die Durchsetzung eines neuen Terminkalenders sein. Der Franzose reiste nach den US Open zum Davis Cup gegen Spanien, gewann in der Woche darauf das Heimturnier in Metz und greift in dieser Woche auch in Peking zum Schläger. In jedem Fall hat sich für Tsonga die Trennung vom langjährigen Trainer Eric Winogradsky im April gelohnt, er könnte das Jahr erstmals mit einem einstelligen Platz in der Weltrangliste beschließen.

5. (3.) Mardy Fish (USA, 29 Jahre, Weltrangliste: 8) / Letzte vier Turniere: Los Angeles (Finale), Montréal (Finale), Cincinnati (Halbfinale), US Open (Achtelfinale) / Power Ranking-Punkte: 888

Ausgerechnet bei den US Open erwischte Mardy Fish das schwächste Turnier der vergangenen Wochen. Bei der vorgeschalteten US-Open-Serie war Fish fast nicht zu schlagen (Platz drei im letzten Power Ranking), im Achtelfinale von Flushing Meadows kam gegen Tsonga das Aus. Dabei führte der auf seine alten Tage immer besser werdende Amerikaner bereits mit 2:1-Sätzen, aber die Kampfkraft von Tsonga ist ja nicht erst seit Wimbledon bekannt.

4. (4.) Roger Federer (SUI, 29 Jahre, Weltrangliste: 3) / Letzte vier Turniere: Wimbledon (Viertelfinale), Montréal (Achtelfinale), Cincinnati (Viertelfinale), US Open (Halbfinale) / Power Ranking-Punkte: 1062

Roger Federer wird immer einer der größten Tennisspieler der Historie bleiben. In diesem Jahr läuft es aber nicht nur sportlich mit nur einem Turniersieg nicht wirklich rund, auch das Image des Gentleman bekommt erste Risse. Nach seiner Niederlage bei den US Open gegen Novak Djokovic, als der Djoker bei Matchball Federer einen Wahnsinns-Return spielte und das Spiel noch drehte, zeigte sich Federer als schlechter Verlierer. "Ich hätte hier gewinnen müssen", sagte der Schweizer laut Augsburger Allgemeine. "Ich hatte das Gefühl, dass er mental schon abgeschlossen hatte. Es ist so enttäuschend, gegen so jemand zu verlieren. Er trifft am Ende den Glücksschuss, und draußen bist du." Anerkennende Worte kamen nicht über Federers Lippen, laut Forbes-Rangliste gehört er mit knapp 20 Millionen Euro Werbeeinnahmen aber weiterhin zu den Sportlern mit den größten Werbewerten. In Shanghai will Federer lieber nicht spielen: "Ich möchte nach dem anstrengenden Sommer jetzt erstmal Ruhe und Erholung." Auch eine Form eines Streiks.

3. (2.) Andy Murray (GBR, 24 Jahre, Weltrangliste: 4) / Letzte vier Turniere: Montréal (2. Runde), Cincinnati (Sieg), US Open (Halbfinale), Bangkok (Sieg) / Power Ranking-Punkte: 1430

Bestätigt sich der Trend der letzten Wochen, könnte Andy Murray bald an Roger Federer in der Weltrangliste vorbeiziehen. In Abwesenheit von Djokovic gehört Murray in Shanghai zu den Topfavoriten. Beim Thema Streik vertritt der Brite in jedem Fall eine klare Meinung, er hält ihn für machbar: "Es ist eine Möglichkeit. Ich weiß aus Gesprächen mit einigen Spielern, dass sie davor keine Angst haben", sagte er gegenüber der BBC.

2. (5.) Rafael Nadal (ESP, 25 Jahre, Weltrangliste: 2) / Letzte vier Turniere: Wimbledon (Finale), Montréal (2. Runde), Cincinnati (Viertelfinale), US Open (Finale) / Power Ranking-Punkte: 1830

Den Streik-Stein ins Rollen brachte mit Rafael Nadal tatsächlich dann auch der Spieler aus dem Top-Bereich, der in dieser Saison die meisten Matches in den Knochen hat. Nadal stand bereits 73 Mal auf dem Platz, im Vergleich dazu bringt es ein Andy Murray nur auf 56 Spiele. "Es kann nicht sein, dass zwei große Wettbewerbe wie ein Grand-Slam-Turnier und der Davis Cup so dicht beieinander liegen", sagte Nadal nach den US Open, als er wenige Tage später schon wieder für Spanien aufschlagen musste. "Wenn das so weitergeht, werden die besten Spieler nicht mehr im Davis Cup antreten."

1. (1.) Novak Djokovic (SRB, 24 Jahre, Weltrangliste: 1) / Letzte vier Turniere: Wimbledon (Sieg), Montréal (Sieg), Cincinnati (Finale), US Open (Sieg) / Power Ranking-Punkte: 3880

Die Rückkehr von Novak Djokovic ist derzeit noch nicht absehbar, die Muskelverletzung im Rippenbereich heilt langsamer ab, als zunächst angenommen. Aber spätestens beim letzten Masters-Turnier in Paris Anfang November will der Djoker wieder aufschlagen. Dabei könnte er sein Preisgeld-Rekord noch weiter in die Höhe treiben. Bisher hat der Dominator des Jahres 2011 10,609 Millionen Dollar verdient, kein Wunder bei zehn Turniersiegen.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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