TOUR DE FRANCE Voigt muss das Gelbe Trikot wieder abgeben

Einen Tag durfte Jens Voigt das Gelbe Trikot tragen, dann holte es sich sein Teamgefährte und Kumpel Stuart O'Grady zurück. Die achte Etappe gewann Erik Dekker.

Aus dem siebten Himmel zurück auf den Boden der Tatsachen: Die Freude von Jens Voigt über das erste Gelbe Trikot seiner Karriere währte bei der Tour de France nur 24 Stunden. Nach der denkwürdigen 8. Etappe, auf der sich die Favoriten eine rund 30-minütige Verspätung leisteten, setzte sich am Sonntag bei strömendem Regen wieder sein Team-Kollege und Freund Stuart O?Grady an die Spitze des Gesamtklassements. Dazu nahm der Australier auf dem Weg von Colmar nach Pontarlier über 222,5 km auch Erik Zabel das Grüne Trikot ab.

Dekker wurde Tagessieger

O?Grady war Mitglied einer anfangs 14-köpfigen Ausreißer-Gruppe, die sich schon nach fünf Kilometer zusammengefunden hatte. Mit einer Attacke 25 Kilometer vor dem Ziel hatten sich daraus noch ein Mal der Tagesieger Erik Dekker (Niederlande) und weitere drei Fahrer abgesetzt.

»Selbst wenn es bis in die Pyrenäen dauern sollte, bis O?Gradys Vorsprung aufgezehrt ist - kein Problem«, sagte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage, der sich um den Plan, Jan Ullrich zum zweiten Mal nach 1997 zum Tour-Sieger zu machen, keine Sorgen macht. Vorjahressieger Lance Armstrong (USA) und Ullrich haben jetzt jeweils rund 25 Minuten Rückstand auf den Australier.

Passend zum französischen Nationalfeiertag, der nach Etappenende am Samstag in Colmar mit einem tragischen Zwischenfall endete, als ein Amok-Autofahrer zehn Menschen verletzte, hatte Laurent Jalabert seinen zweiten Tagessieg gefeiert. Voigt, der in Colmar als elfter deutscher Radprofi Gelb holte, gab sich mit dem zweiten Rang zufrieden. Beide hatten in einer zum Schluss vier Fahrer starken Spitzengruppe 4:28 Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld.

Regen und Kühle

Die Ausreißer hatten sich am Sonntag kurz nach dem Start bei Dauerregen und empfindlicher Kühle formiert. Der prominenteste unter ihnen war neben O?Grady der dreifache Etappen-Gewinner des Vorjahres, Dekker. Tour-Neuling Sven Teutenberg aus Mettmann war als einziger Deutscher dabei, fiel aber 35 Kilometer vor dem Ziel ab. Telekom-Fahrer Alexander Winokurow (Kasachstan) verpasste den Anschluss, als er zum ungünstigsten Augenblick eine Reifenpanne hatte. 70 Kilometer vor dem Ziel betrug der Vorsprung der Spitzengruppe unglaubliche 32:50 Minuten. Bei mehr als zehnprozentiger Überschreitung der Siegerzeit drohte am Sonntag der Rennausschluss.

Topfavoriten blieben ruhig: »die Ausreißer stellen keine Gefahr da«

Die Topfavoriten im Feld blieben ruhig, weil ihrer Meinung nach niemand der Ausreißer in der Gesamtwertung eine wirkliche Gefahr darstellte. Von O?Grady ist bekannt, dass er im Hochgebirge große Schwierigkeiten hat. »Weshalb sollen wir uns Sorgen machen?«, fragte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage, als der Vorsprung die Grenze von 30 Minuten überstieg. Allerdings gilt Andrej Kiwilew (Kasachstan) als guter Kletterer.

Der französische Jubeltag hatte am Samstag in Colmar nach dem zweiten Etappensieg Jalaberts mit einem tragischen Zwischenfall 45 Minuten nach der Zieldurchfahrt geendet. Ein amokfahrender Jalabert- Fan raste mit seinem Auto durch Absperrungen in die Zuschauer und verletzte zehn Menschen, eine 51-jährige Frau erlitt schwere Kopf- Verletzungen.

Schlechtes Wetter droht

Für die Königsetappe am Dienstag nach L?Alpe d?Huez gab es am Sonntag beunruhigende Wettervorhersagen. Die Schneefallgrenze liegt zurzeit in den Alpen bei 1600 Meter. Auf dem Weg nach L?Alpe d?Huez (1850 m) sind der Col de la Madeleine (2000 m) und der Glandon (1924 m) zu bewältigen.

Andreas Zellmer, dpa


Mehr zum Thema



Newsticker