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Super Bowl Champions versus Cheaters


Darauf wartet ganz Nordamerika: Am Sonntag stehen sich im Super Bowl die New England Patriots und Titelverteidiger Seattle Seahawks gegenüber. Doch das Finale steht unter Betrugsvorbehalt.

Wenn ganz Nordamerika ausflippt, sich good-old-Europe aber bloß schulterzuckend fragt, was die Amis denn jetzt schon wieder haben, dann, ja dann ist wieder Super-Bowl-Zeit. In der Tat gibt es wohl kein einziges Sportereignis, was die Lager so sehr trennt wie das Finale der National Football League NFL: hüben die eingefleischten Fans - und drüben die gelangweilten Ignoranten.

Inzwischen trägt die Volkshochschul-Arbeit des Bezahlfernsehens und vor allem von Sat.1 allerdings erste Früchte. Zum vierten Mal in Folge ist das größte Sportereignis der USA nun schon im deutschen Free-TV zu sehen (Sonntag, ab 23.15 Uhr) - und zu zweiten Mal kämpft sogar ein Deutscher um die Krone im American Football.

Wenn am Sonntag die New England Patriots in Glendale/Arizona den Vorjahres-Meister Seattle Seahwaks fordern, dann will Sebastian Vollmer in seinem zweiten Endspiel mit den Patriots endlich den Titel gewinnen. "Es steckt unheimlich viel Arbeit dahinter, und man weiß nicht, ob man es noch einmal ins Finale schafft", sagt der Right Tackle. "Viele Spieler spielen zehn oder 15 Jahre, haben hervorragende Karrieren, schaffen es aber trotzdem nie in den Super Bowl. Von daher will man die Chance schon nutzen und alles geben", sagte Vollmer.

Wahnsinn in der Wüste

Es wird der Wahnsinn in der Wüste. Der Meister spielt gegen die erfolgreichste Mannschaft des 21. Jahrhunderts. Es gibt ein Quarterback-Duell der Generationen. Und in Vollmer womöglich den ersten deutschen Super-Bowl-Champion - spannender könnten die Voraussetzungen kaum sein. Seattle will das schaffen, was zuletzt Finalgegner New England Patriots 2003 gelungen ist - den Titel zu verteidigen. Vollmer wiederum hofft, nach der Finalniederlage 2012 gegen die New York Giants (17:21) im zweiten Anlauf Meister zu werden.

Im Jahr 2008, als das Endspiel ebenfalls in der Arena in Glendale stattfand und New England gegen die Giants kurz vor Spielschluss verlor, spielte Vollmer noch am College in Houston. Nun kann der 2,03 Meter große und 145 Kilogramm schwere Mann aus Kaarst vor den Augen der Eltern seine NFL-Karriere krönen. Doch mit den Seahawks steht den Patriots ein Team gegenüber, das vor einem Jahr die Denver Broncos im Finale mit 43:8 düpierte.

Seattle stellt die beste Defensive der Liga, wegen ihrer küppelharten Spielweise auch "Legion of Boom" genannt. Die Patriots sind mit drei Titeln seit der Jahrtausendwende das NFL-Nonplusultra, allerdings datiert der letzte Triumph vom 6. Februar 2005 und Quarterback Tom Brad, der Ehemann von Model Gisele Bündchen, ist bereits 37 Jahre alt. "Vergangenheit trifft Gegenwart", schrieb "USA Today".

Vergangenheit trifft Gegenwart

Seattle hat in Russell Wilson einen 26 Jahre jungen Spielmacher und zudem in den gleichaltrigen Richard Sherman oder Kam Chancellor weitere Leistungsträger, die erst noch am Anfang ihrer Karrieren stehen. Und sie haben in Runningback Marshawn Lynch den Top-Angreifer der Liga in ihren Reihen. Angeführt werden die jungen Seeadler vom 63-jährigen Trainer Pete Carroll, der auf Bill Belichick trifft - seinem Nachfolger auf dem Patriots-Chefsessel.

"Gegen die Seahawks darfst du dir keine Fehler erlauben. Sie haben eine gute Defensive, machen es dir nicht leicht, spielen diszipliniert und schlau. Deshalb müssen wir unser bestes Match abliefern", betont Brady, der zum sechsten Mal im Endspiel steht und bei einem Sieg mit den erfolgreichsten Quarterbacks der NFL-Geschichte, Joe Montana und Terry Bradshaw, gleichziehen würde.

Damit Brady die für ihre Kreativität bekannte Patriots-Offensive in Szene setzen kann, muss Vollmer ihm die Gegner vom Leib halten. Wie viele Profis betonte der Deutsche im Vorfeld, der Super Bowl sei nur ein Spiel wie jedes andere. Anderseits hob Vollmer hervor, dass bei den ersten beiden Spielzügen "eine gewisse Nervosität" mitspiele. Aber dann wisse er, welche Schritte zu machen und wie beim Blocken die Hände zu halten seien.

Champions versus Cheaters

So reizvoll das Endspiel auch ist, für viele wird es einen faden Beigeschmack haben. Die Vorfälle mit den elf Bällen der Patriots, die beim 45:7-Halbfinalsieg gegen die Indianapolis Colts zu wenig Luft hatten, waren in den Tagen vor dem Saison-Highlight omnipräsent. Vom Duell "Champs versus Cheaters" (Champions gegen Betrüger) war gar die Rede. Die Liga untersucht den Fall zwar, mit einem Ergebnis sei jedoch erst in einigen Monaten zu rechnen, hieß es.

Das wäre dann vermutlich einer der größten Skandale der US-Sportgeschichte: Wenn die Pats als nach einem Sieg im Finale als amtierender Champion des Betrugs überführt würden.

kng/DPA DPA

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