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Gazprom-Chef Alexei Miller, Putins Gas-General will Europa in die Knie zwingen

Miller gilt als hunderprozentiger Putin-Loyalist
Miller gilt als hunderprozentiger Putin-Loyalist
© Alexei Nikolsky / Picture Alliance
Steigende Spritpreise, Gaskrise und Firmen ohne Energie – mit dieser Strategie will Alexei Miller den Westen in die Knie zwingen. Der Gazprom-Chef steht zu hundert Prozent hinter Putin.

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine tobt ein Handelskrieg zwischen dem Westen und Moskau. Der Westen hat Russland aus dem internationalen Zahlungssystem gedrängt, große Guthaben eingefroren und versucht mit weiteren Sanktionen, die russische Wirtschaft in die Knie zu zwingen.

Russland ist wirtschaftlich gesehen kein Riese. Doch auf einigen Sektoren kann das Land dem Westen und der Weltwirtschaft große Schwierigkeiten bereiten. Der wichtigste ist der Markt mit fossilen Energieträgern. Den Energiekrieg führt vor allem ein Mann für Putin: Der Chef von Gazprom PJSC, Alexei Miller.

Energiekrise soll zur Wirtschaftskrise werden

Kontinuierlich dreht der nun Westeuropa den Gashahn zu. Das Ganze wird von einer PR-Kampagne begleitet. Sie zielt darauf, den europäischen Regierungen die Schuld an der Energiekrise und den steigenden Preisen zu geben. Millers Ziel in diesem Krieg ist weit gesteckt. Es geht nicht allein darum, unzufriedene Gesichter an Zapfsäulen zu produzieren. "Er droht damit, Europa in diesem Winter in die Dunkelheit zu stürzen, Fabriken zu schließen und die Entschlossenheit der Regierungen auf die Probe zu stellen, der Ukraine Geld und Waffen für ihren Krieg mit Russland zukommen zu lassen" schreibt das "Wall Street Journal".

Dass die milliardenteuren Pipelines nach Westeuropa wertlos werden, nimmt der Gazprom-Chef in Kauf. Dabei ist sein Vorgehen nicht so unverantwortlich, wie westliche Experten meinen. Westeuropa hatte bereits angekündigt, sich komplett vom Russengas zu lösen. Miller kommt ihnen nur etwa ein Jahr zuvor, indem er den Hahn zudreht, bevor es die EU-Staaten tun. Aus der Sicht von Gazprom sind die Investitionen in die teuren Röhren so oder so verloren.

Miller will Europa durch China als Kunden ersetzen, dazu wird Gazprom eine Reihe von Pipelines im Osten neu bauen müssen. Auf Technologie und Finanzierung aus dem Westen kann er nicht zählen, doch das dürfte diese Projekte kaum behindern. Zu viele andere Staaten sind bereit, die Lücken zu füllen, auch die Türkei. Dafür gerät Russland aber auch im Energiesektor in eine wachsende Abhängigkeit von China. Vor dem Überfall auf die Ukraine war Moskau darauf bedacht, eine eigenständige Rolle neben China und den USA zu beanspruchen. Durch die offene Gegnerschaft mit dem Westen ist diese Option ohnehin dahin (Drache und Bär – wie Moskau und Peking den Westen in eine Zwei-Fronten-Konfrontation zwingen).

Der Krieg stellt ihn vor seine bisher schwerste Herausforderung. Um die Verkäufe nach Europa auszugleichen, müssen die Gasexporte neu ausgerichtet werden. Das Hauptproblem von Gazprom ist heute, dass sich die Firma auf Pipelines konzentriert hat und kaum in Flüssiggas-Anlagen investiert. Flüssiggas kann von Tankern in fast jedes Land gebracht werden, Pipelines müssen erst angelegt werden. Um sich für die Zukunft zu wappnen, zahlt Gazprom keine Dividende und hat dadurch etwa 20 Milliarden Dollar mehr in der Kriegskasse.

Alexei Miller: Ein Mann von Putins Gnaden

Miller wurde von Putin gemacht. Der etablierte den unbekannten Doktoranden 2001 als Vorstandsvorsitzenden des wichtigsten Unternehmens Russlands. Eine typische Putin-Entscheidung. Miller hatte zwar keinerlei Erfahrungen im Gasgeschäft, aber Putin kannte ihn aus seiner Zeit in St. Petersburg, als beide für die Stadt arbeiteten. "Er war kein Gasfachmann. Er hatte keinen Hintergrund in der Branche - und genau deshalb wurde er ernannt", sagte Thane Gustafson, Professor an der Georgetown University und Historiker für Öl und Gas in Russland, zum "WSJ". Durch den Gefolgsmann kontrolliert Putin die Gasbranche.

Ein wichtiger Nebeneffekt: Der Clan um Putin herum profitiert direkt von den Geldern der Firma. Bekannt wurde der Fall Kirill Shamalow. Der Ex-Schwiegersohn von Putin bekam durch die Hochzeit mit Putins Tochter einen Kredit von mehr als einer Milliarde Dollar von der Gazprombank. So konnte er im großen Stil ins Gasgeschäft einsteigen. Nach der Trennung musste er die Anteile wieder zurückgeben (Die Liebe von Putins Tochter machte ihn zum Milliardär – die Trennung nahm ihm (fast) alles).

Alexei Miller gilt heute als einer der treuesten Putin-Loyalisten. "Miller ist jemand, der Putins Vertrauen genießt, jemand mit bedingungsloser Loyalität", sagte Alexander Gabuev, ein Senior Fellow bei der Carnegie Endowment for International Peace, zum "WSJ". Dass der Krieg in der Ukraine das Geschäft von Gazprom nachhaltig erschweren wird, musste Miller klar sein. Doch aus seinem Mund gab es nie ein Wort der Kritik. Im Gegenteil: Kurz nach dem Einmarsch in die Ukraine schwor Miller alle 500.000 Gazprommitarbeiter auf Putin ein. Er schrieb ihnen: "Unser riesiges Unternehmen hat eine besondere Aufgabe. Heute ist es wichtiger denn je, dass wir uns weiterhin für eine gemeinsame Sache einsetzen und uns um unseren Präsidenten scharen."

Und wie alle Vasallen wurde auch Miller reich von Putin bedacht. Nach Informationen der Nawalny-Organisation besitzen Miller und seine Freundin Marina Yentaltseva, Immobilien im Wert von etwa 710 Millionen Dollar. Erst 2018 kam Miller auf die Sanktionsliste der USA. Damals sagte er, er sei stolz darauf, obwohl er sich frage, warum er nicht schon früher gelistet wurde. "Es gab einige Zweifel bei mir - vielleicht stimmt etwas nicht?", sagte er im russischen Fernsehen. "Aber jetzt bin ich endlich aufgenommen worden. Das bedeutet, dass wir alles richtig machen."

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