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Aventis-Übernahme: Zunächst keine Kündigungen bei Aventis

Obwohl die Übernahme durch Sanofi "keine Liebesheirat" war, einigten sich Geschäftsleitung und Betriebsrat auf einen Beschäftigungspakt, der zunächst betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Auch nach einer Übernahme durch den französischen Pharmakonzern Sanofi soll kein Aventis-Mitarbeiter in Deutschland in den nächsten dreieinhalb Jahren seinen Arbeitsplatz verlieren. Aventis-Geschäftsleitung und Betriebsrat vereinbarten einen Beschäftigungspakt, der betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31.12.2007 ausschließt, wie Personalvorstand Heinz-Werner Meier am Freitag auf einer Betriebsversammlung in Frankfurt am Main verkündete. Die Vereinbarung sollte noch am Freitagnachmittag unterzeichnet werden.

10 Millionen Euro Abfindung für Landau

Ein besonderer Passus in dem Beschäftigungspakt verweise auf die Zusicherungen von Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq, der in den Verhandlungen den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland und die Bedeutung des Forschungsstandortes zugesichert habe, erklärte Meier unter dem Applaus der rund 4.000 Aventis-Beschäftigten in der vollbesetzten Jahrhunderthalle des Frankfurter Stadtteils Höchst. Gesamtbetriebsratschef Friedhelm Conradi ergänzte, dass auch die Ausbildungsplätze gesichert seien. Die Übernahme der Auszubildenden sei als Absichtserklärung aufgenommen worden, jedoch gebe es dafür keine Garantie.

Meier betonte, Aventis-Vorstandschef Igor Landau werde als Abfindung rund 10 Millionen Euro erhalten und nicht 24 Millionen Euro, wie in verschiedenen Berichten die Rede war. Diese Abfindungsregelung beruhe noch auf alten Verträgen Landaus aus den Zeiten von Rhone-Poulenc. Niemand aus der Aventis-Führung habe die Entscheidung zur Annahme des Sanfoi-Angebots "aus persönlichen Gründen" getroffen. Diese Bemerkung wurde mit Gelächter quittiert.

Wieso die plötzliche Kehrtwende?

Die Kritik der Mitarbeiter, die vor der Halle mit Transparenten gegen ihre eigene Geschäftsführung, gegen Sanofi und auch die Bundesregierung protestierten, drehte sich vor allem um zwei Fragen: Wieso soll das Zusammengehen mit Sanofi jetzt auf einmal richtig sein, wo es doch vorher wochenlang als Fehler abgelehnt wurde? Und: Wieso die plötzliche Kehrtwende der Konzernführung?

Betriebsratschef Conradi kritisierte, die Niederlage von Aventis in dem Übernahmekampf sei darauf zurückzuführen, dass man gegen zwei zusätzliche Gegner habe antreten müssen: die Regierungen Paris und Berlin. Meier erklärte, nach der Novartis-Ankündigung von Fusionsverhandlungen am Donnerstag vergangener Woche sei "bei der französischen Regierung Panik ausgebrochen".

"Aufgetreten wie die Rambos"

Die in Paris seien anschließend "aufgetreten wie die Rambos", sagte Meier. Offenbar unter Druck habe Dehecq schließlich sein Angebot nachgebessert. Entscheidend sei aber gewesen, dass der "weiße Ritter" Novartis schließlich erklärte habe, es wolle sich an keiner Bieterauktion um Aventis beteiligen, erklärte Meier den Beschäftigten. Die Aventis-Führung habe schließlich unter Zeitdruck gestanden und wollte die in dem jüngsten Sanofi-Angebot gemachten Zugeständnisse sichern, bevor bekannt wurde, dass Novartis ausgestiegen sei und damit die eigene Verhandlungsposition sich damit wieder verschlechtere. Und die sieben Milliarden Euro zusätzlich seien eine "gigantische Summe, die da obendrauf gelegt wurde".

"Machen wir uns nicht vor: Das ist keine Liebesheirat", erklärte er unter Beifall der Beschäftigten. "Es erinnert mich eher an eine Muss-Heirat im siebten Monat. Aber auch da muss man gut miteinander auskommen." Er appellierte an die Mitarbeiter, das Feindbild gegen Sanofi zu begraben. "Auch Muss-Ehen halten manchmal erstaunlich lange."

DPA