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"Die Höhle der Löwen" Keine Knaller-Produkte, aber ein nie gesehener Emotions-Ausbruch

Hunde-Profi Martin Rütter präsentierte bei "Die Höhle der Löwen" nicht etwa Hundespielzeug, sondern ein Hilfsmittel für Demenzkranke
Hunde-Profi Martin Rütter präsentierte bei "Die Höhle der Löwen" nicht etwa Hundespielzeug, sondern ein Hilfsmittel für Demenzkranke
© Frank W. Hempel / RTL
Ein Nassrasierer für die Nase, ein Katzenhaus als Stecksystem und eine Studierenden-App mit Rabattangeboten: Richtige Knaller suchte man in der sechsten DHDL-Folge vergebens. Dafür gab es einen Ausbruch der Emotionen wie in noch keiner Ausgabe davor – wegen Hunde-Profi Martin Rütter.
Von Mark Stöhr

Als Martin Rütter die Bühne betrat, erwartete man ein Hundeprodukt. Vegane Leckerlis oder ein per App steuerbares Spielgerät. Der Verhaltensprofi für Vierbeiner kam aber aus einem zutiefst menschlichen Grund: Seine 2020 verstorbene Mutter litt jahrelang an Demenz. Der Ichó Therapieball, den Rütter an der Seite des vierköpfigen Gründerteams vorstellte, kann die Krankheit nicht heilen, trainiert aber die kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen. Mit dem Thema trafen Rütter und Co. die Investoren direkt ins Herz. Dagmar Wöhrl musste kurzzeitig das Studio verlassen – und auch Judith Williams brach in Tränen aus.

Die präsentierten Produkte

  • Catrub: Das Katzenmöbel besteht aus sechs Modulen und ist Kratzbaum, Katzenspielzeug, Futterstelle und Schlafplatz in einem.
  • Ichó Therapieball: Der digitale, interaktive Therapieball wurde vor allem für an Demenz erkrankte Menschen entwickelt und soll den Verlauf der Krankheit verlangsamen.
  • Memobild: Die gedruckten Poster enthalten Audiobotschaften, die mit dem Smartphone aktiviert werden können und laut Gründer "Erinnerungen zum Sprechen" bringen sollen.
  • Silkslide Pro: Der Nasenhaarrasierer funktioniert wie ein Nassrasierer und wird einen Zentimeter tief in der Nase gedreht.
  • Uniheld: Die Studierenden-App informiert die Nutzer über Angebote von Einzelhändlern und Marken und enthält darüber hinaus auch Chatfunktionen.

Der emotionalste No-Deal aller Zeiten

"Alle drei Sekunden erkrankt weltweit ein Mensch an Demenz", sagte einer der Erfinder von Ichó. Wie verbreitet die Krankheit ist, zeigte sich allein im Studio. Dagmar Wöhrl verlor ihre Mutter an Demenz. Judith Williams Vater leidet an Alzheimer. Für die beiden Unternehmerinnen war der Pitch ein hochemotionales Erlebnis. Doch auch die anderen Investoren ließ der Therapieball, der helfen soll, dass Demenzkranke länger selbstständig ihren Alltag bestreiten können, nicht kalt. Aber: 1,5 Millionen Euro wollte niemand investieren. Es fehle an Studien, argumentierte Carsten Maschmeyer. Außerdem habe keiner der Gründer einen medizinischen Hintergrund.

"Nasieren" statt zupfen

"Ich bin absolut in love with your product", jubelte Judith Williams – über einen Nasenhaarrasier. Der Clou: Er erlaubt eine Nassrasur im vorderen Nasenflügel. Nicht alle Löwen teilten die Euphorie über den "Nassnasierer" (der stern hat das Produkt getestet). Nils Glagau entschied, er werde weiter "glücklich mit der Schere arbeiten". Nico Rosberg monierte die mangelnde Recycelbarkeit des Produkts, in dem Kunststoff und Klinge untrennbar miteinander verbunden sind. Nur Ralf Dümmel stieg in die Auktion mit ein und wählte dafür eine recht robuste Form des Flirts. "Ich finde dich geil – hoffentlich findest du mich auch geil", baggerte er den 42-jährigen Gründer unverblümt an. Und der entschied sich für den kürzesten Weg in den Einzelhandel.

Alles für die Katz

Das ist mal eine Vater-Sohn-Beziehung, die buchstäblich unter die Haut geht. Als vor Jahren die Nieren des Sohnes versagten, gab der Vater eine von sich ab. "Ich musste keine Sekunde überlegen." Jetzt sind die beiden Businesspartner. Für ihr multifunktionales Katzenhaus Catrub fielen schon mal zwei Investoren von vornherein raus: Nico Rosberg und Carsten Maschmeyer sind superallergisch gegen Katzenhaare. Aber auch sonst wollte sich niemand so recht für das Modularsystem begeistern. Ralf Dümmel rang sich schließlich durch und gab dem Duo die gewünschten 100.000 Euro. In Deutschland gibt es 16 Millionen Katzen. Irgendwo müssen die ja wohnen.

Die gehypteste Idee

Wenn zwei Bochumer Partyunternehmer pitchen, hört sich das so an: "Wir wollen mit eurer Power so richtig skalieren." Die Idee der beiden besten Freunde: Product-Placement, das direkt im leeren Geldbeutel von Studierenden Platz nimmt. Bei denen käme klassisches Marketing nicht an wegen eines besonders scharf eingestellten "Bullshit-Filters". Also muss man ihnen die Brands anders ins Bewusstsein mogeln – über Rabattangebote und Sonderaktionen. Genau das macht die App Uniheld. Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl zückten sofort ihr prall gefülltes Portemonnaie. 600.000 Euro Invest – Peanuts bei solchen Jungs. Maschmeyer: "Haben die Strom!" Wöhrl: "Da brauchst du keinen Kaffee mehr."

Applaus und raus

Würden Sie sich ein Bild mit einer Audio-Amplitude an die Wand hängen? Maschmeyer und Co. auch nicht. Die Idee von Memobild, Erinnerungen nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar zu machen, ist super. Aber warum sind dann auf den Bildern nicht die Menschen zu sehen, deren Stimme man hört, sondern ein technisches Symbol? Georg Kofler rettete sich in Sarkasmus: "Das ist abstrakte Malerei." Maschmeyer konterte: "Aber so viel abstrakte Malerei willst du auch nicht an der Wand hängen haben."

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