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Hinter den Kulissen: Zu Besuch in der "Höhle der Löwen": So laufen die Deals wirklich ab

In "Die Höhle der Löwen" treffen Gründer und Investoren vor laufender Kamera aufeinander. Aber wie geht es eigentlich hinter den Kulissen zu? Der stern hat die Dreharbeiten besucht.

Die Höhle der Löwen

Die Höhle der Löwen: Carsten Maschmeyer und Judith Williams im Zwiegespräch

Der Pitch dauert schon etwa eine Stunde, als Frank Thelen die Geduld verliert. "No Bullshit", ruft der Löwe Gründer Christoph Egger zu. "Irgendwas verheimlichst du uns!" Die Atmosphäre im TV-Studio von "Die Höhle der Löwen" in Köln-Ossendorf ist angespannt, dabei ist es noch früh am Tag. Seit 10:30 Uhr versucht der aus Österreich angereiste Gründer an diesem Apriltag die Löwen von seinem Produkt zu überzeugen: unzerbrechliche Brillen.

Egger hat sich mächtig ins Zeug gelegt: Er hat die Brillen mit einem Snowboard und einem Hammer malträtiert und sogar eine Presse mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen auf sie niederfahren lassen. Die Brillengläser blieben heil - und die Löwen sind beeindruckt. Aber überzeugt sind sie noch nicht. Denn: Wenn das Produkt so gut ist, warum zum Teufel stagniert dann das Geschäft? "No Bullshit!", ruft Frank Thelen wieder.

Ein Pitch von anderthalb Stunden

Fast anderthalb Stunden nehmen Thelen und seine Mitlöwen den Brillen-Gründer in die Mangel. Sie fragen nach Geschäftszahlen, Eigentümerstruktur und dem biografischen Hintergrund. Würde das Material ungekürzt ausgestrahlt, wäre diese Höhle-der-Löwen-Folge nach dem ersten Gründer-Auftritt schon fast vorbei.

Für die Sendung wird der Pitch später auf weniger als 30 Minuten zusammengekürzt. Spannend ist aber auch die ungekürzte Live-Version. Man merkt den Löwen an, dass sie mit sich ringen, ob sie einsteigen wollen. Andere Pitches, bei denen schneller klar ist, ob die Löwen anbeißen oder nicht, dauern wesentlich kürzer.

In "Die Höhle der Löwen" ist nichts gescriptet

Wer die Aufzeichnung im Studio verfolgt, spürt die Authentizität des TV-Formats. Die Pitches werden zwar im Nachhinein gekürzt, aber abgesehen davon laufen sie so ab, wie sie dem Fernsehzuschauer präsentiert werden. Hier ist nichts gescriptet. Es gibt keine vorgegebenen Dialoge, die Interaktion zwischen Löwen und Gründern ist echt.

Die Löwen ziehen sich auch nicht zu Beratungen abseits der Kamera zurück, sondern entscheiden spontan und ohne ihr Beraterteam, ob sie den Deal machen oder nicht. Die Gründer dürfen sich ebenfalls nur kurz beraten, maximal einmal kurz telefonieren, dann müssen sie sich entscheiden.

Treten im Nachhinein in der juristischen Durchleuchtung des Unternehmens (der Due-Diligence-Prüfung) Unstimmigkeiten auf, kann ein Deal allerdings immer noch platzen. Schließlich können nicht alle möglichen Probleme während des Pitches ausreichend besprochen und überprüft werden. Erst wenn Gründer und Investoren gemeinsam zum Notar gehen, ist der Deal wirklich fix - aber da sind dann keine Kameras mehr dabei. 

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Überraschung für die Löwen im Studio

"Die Höhle der Löwen" lebt davon, dass echte Gründer auf echte Investoren treffen, die vorher noch nie etwas von dem Kandidaten und seiner Firma gehört haben. Damit der Überraschungseffekt perfekt ist, achtet das Produktionsteam streng drauf, dass sich Gründer und Investoren vor der Sendung nicht über den Weg laufen. Erst kurz vor Beginn der Aufzeichnung betreten die Löwen das Studio, in dem schon die Produkte des ersten Kandidaten aufgebaut sind. 

Sechs Gründer bekommen an einem Drehtag die Chance, die Löwen vor der Kamera von ihrem Business zu überzeugen. Was nicht bedeutet, dass diese sechs Pitches hinterher eine Sendung ergeben. Die TV-Macher montieren stattdessen im Nachhinein Auftritte von verschiedenen Drehtagen zu einer stimmigen Sendung zusammen. Das erklärt auch, warum Judith Williams innerhalb einer Sendung in vielen verschiedenen Outfits auftritt und Frank Thelen ständig ein andersfarbiges Hemd anhat.

Kurze Verschnaufpause für die Löwen

Nach jedem Pitch bekommen die Löwen eine kurze Verschnaufpause und verlassen für ein paar Minuten das Studio. Judith Williams steigt aus ihren hochhackigen Schuhen, die sie einfach vor ihrem Löwen-Sessel im Studio stehenlässt. Und Jochen Schweizer hadert auf dem Flur vor dem Studio noch etwas mit dem vorangegangenen Pitch. "Hätte ich den Deal doch machen sollen?", fragt er eine seiner Mitarbeiterinnen. "Hättest du schon machen können", entgegnet die. Aber jetzt ist es zu spät.

Gedreht wird den ganzen Tag. Kommt ein Deal zustande, nutzen die Löwen die Mittagspause zwischen den Pitches oder das Abendessen nach Abschluss des Drehtages, um mit dem Gründer so schnell wie möglich die nächsten Schritte zu besprechen. Zeit ist schließlich Geld. Und von ersterem haben die Löwen sogar deutlich weniger.

Aus diesem Grund wird "Die Höhle der Löwen" - im Gegensatz zu anderen TV-Shows - auch nicht an einem Stück abgedreht. Die Löwen können ihre sonstigen Geschäfte nicht mal eben drei Wochen ruhen lassen. Daher kommen sie über mehrere Monate hinweg jeweils nur für drei, vier Drehtage im Monat nach Köln. Zwischen dem Abschluss der Dreharbeiten im Frühjahr und dem Beginn der Ausstrahlung liegen vier Monate. Das macht es auch erst möglich, dass manche Produkte schon am Tag nach der Sendung mit "Die Höhle der Löwen"-Label im Supermarkt liegen. 

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