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"Von Floerke" im Shitstorm: Der Vorzeige-Gründer, der seinen Investor Frank Thelen wahnsinnig macht

Mit hochwertiger Herrenmode trumpfte das Startup "Von Floerke" vor drei Jahren in der "Höhle der Löwen". Nun bietet Gründer David Schirrmacher plötzlich auch Schnaps und Kaviar an - und kann nicht liefern. Investor Frank Thelen ist sauer.

David Schirrmacher, Gründer und Geschäftsführer des Mode-Startups Von Floerke

David Schirrmacher, Gründer und Geschäftsführer des Mode-Startups Von Floerke

David Schirrmacher ist einer der wenigen Gründer aus den Anfangstagen der "Höhle der Löwen", über den auch heute noch gesprochen wird. Vor drei Jahren trumpfte er in der zweiten Staffel der TV-Show mit seinem Mode-Start-up "Von Floerke" groß auf und sicherte sich einen Deal. Der smarte Jungunternehmer aus Bonn gilt seitdem als Vorzeigegründer und erwirtschaftet Millionenumsätze.

Doch nun bekommt der 26-Jährige heftigen Gegenwind, denn mit seiner neuesten Idee ist er etwas zu forsch vorgeprescht. Seit Oktober bietet "Von Floerke" in seinem Onlineshop neben hochwertigen Herren-Outfits auch alkoholische Getränke und Kaviar an. Mit Kampfpreisen und Sonderaktionen sollte das neue Produktsegment die Umsätze nach oben treiben. Das Problem: Den so entfachten Ansturm konnte Von Floerke nicht bewältigen.

Shitstorm aufgebrachter Kunden

Wartezeiten von mehr als vier Wochen verärgern viele Kunden und entfachten einen Shitstorm auf Bewertungsplattformen und in sozialen Netzwerken, wie zuerst die "Gründerszene" berichtete. Die Vorwürfe reichen von "unseriöser Laden" bis "Vorsicht, Betrug". Einige Kunden, die nach wie vor auf ihre bestellten Waren warten, drohen sogar mit Klagen. Von 40.000 seit Mitte Oktober eingegangenen Bestellungen konnten bis Anfang dieser Woche gerade einmal 15.000 geliefert werden, schreibt das "Handelsblatt".

Gegenüber der Gründerszene erklärte Schirrmacher, er sei auf die hohe Nachfrage nicht vorbereitet gewesen. Zu wenig Ware, zu geringe Lagerkapazitäten, zu wenig Verpackungsmaterial und zu wenige Mitarbeiter für Logistik und Kundenservice hätten zu dem Chaos geführt. Mittlerweile werde wieder pünktlich geliefert, heißt es auf der Homepage und auch die alten Bestellungen würden "mit Hochdruck" bearbeitet.

"Unmöglich": Rüffel von Frank Thelen

Dass Schirrmacher mit seinem unbedachten Schritt den mühsam aufgebauten Ruf des Unternehmens beschädigt, verärgert nicht zuletzt Von Floerkes Investor Frank Thelen. Der TV-Löwe war 2015 eingestiegen und hält derzeit 16 Prozent des Unternehmens. Über den Strategiewechsel, neben Mode plötzlich auch Spirituosen und Delikatessen anzubieten, hat Gründer Schirrmacher seinen Geldgeber nicht informiert. "Es ist unmöglich, dass er das nicht durchgesprochen hat", sagte Thelen dem Handelsblatt. Es sei zwar grundsätzlich gut, dass der Gründer seinen eigenen Kopf habe. Von den massiven Lieferproblemen hätte der Investor aber gerne früher erfahren. "Da hätten wir viel früher die Bestellungen stoppen müssen", so Thelen.

Wie naiv Schirrmacher seine Spirituosen-Offensive anging, zeigt auch noch ein anderer Umstand. Der Umsatz stieg im Oktober derart sprunghaft an - nach eigenen Angaben auf 2,5 Millionen Euro, davon 80 Prozent durch Getränke -, dass Zahlungsdienstleister wie Paypal, Klarna und Amazon Pay misstrauisch wurden und vorsorglich erst einmal die Konten einfroren.

Auch dies hätte laut Thelen einfach verhindert werden können: "Wenn wir eine Ausstrahlung bei 'Die Höhle der Löwen' haben, sagen wir den Zahlungsdienstleistern vorher Bescheid. David hat aber niemanden informiert, weshalb die Konten zunächst einmal eingefroren wurden", sagte Thelen dem Handelsblatt. Nur ein Notfallkredit der Sparkasse über eine halbe Million Euro konnte die Liquidität des Unternehmens sichern.

Und wie geht es jetzt weiter? Allem Chaos zum Trotz will Von Floerke weiter mit Spirituosen die Verkaufszahlen pimpen: Im November rechnet Schirrmacher mit 3,5 Millionen Euro Umsatz.

Quellen: Gründerszene/ Handelsblatt/ Von-Floerke-Website 

Rafy Ahmed