VG-Wort Pixel

DS Produkte "Am liebsten würde ich alles 'Made in Germany' machen, aber..." - wie Ralf Dümmel durch die Corona-Krise steuert

Ralf Dümmel
"Wir sind kein Corona-Gewinner, allerdings sind wir auch weit weg von einem Corona-Verlierer": Ralf Dümmel verrät, wie sein Unternehmen durch die Krise kommt
© Henning Kaiser/DPA / Picture Alliance
Ab Montag ist Ralf Dümmel wieder in der "Höhle der Löwen" als Investor zu sehen. Im stern-Interview erzählt der Unternehmer, wie er selbst durch die Krise kommt, was sich im China-Geschäft durch Corona geändert hat und warum er nicht mehr Waren in Deutschland produzieren lässt.

Herr Dümmel, Ihr Unternehmen DS Produkte hat Geschäftsbeziehungen um die ganze Welt, insbesondere nach China, wo die Pandemie ihren Ausgang nahm. Wie läuft es bei Ihnen - sind Sie immer noch im Krisenmodus oder schon in einem New Normal?

Ich habe das Gefühl, es wird wieder normaler. Aber wir sind natürlich weit weg von Vor-Corona. Durch unsere Geschäftsbeziehungen nach Asien haben wir früh von Corona gewusst und Maßnahmen ergriffen: Wir haben die Belegschaft in verschiedene Gruppen eingeteilt, die untereinander keinen Kontakt haben. Wir haben sämtliche Investitionen ohne Priorität gestoppt. Wir hatten auch zweieinhalb Monate Kurzarbeit, aber mittlerweile sind alle wieder voll da. Und wir mussten keine Mitarbeiter entlassen.

Wie hart ist Ihr Geschäft betroffen?In China werden viele Ihrer Produkte hergestellt, die Sie hier in die Läden bringen.

Wir haben anfangs schon Probleme gehabt, weil wir gewisse Waren verspätet bekommen haben, deutlich höhere Luftfrachtkosten hatten und nicht wie gewohnt auf den Containerverkehr zurückgreifen konnten. Rein produktionstechnisch hat sich die Lage in China relativ schnell wieder normalisiert. Wir haben heute bei einigen Rohstoffen oder Komponenten längere Vorlaufzeiten, jedoch keine größeren Probleme, dass ein Produkt gar nicht produziert werden kann.

Die Dümmel-Maschinerie läuft also trotz Corona wieder rund?

Wir sind kein Corona-Gewinner, allerdings sind wir auch weit weg von einem Corona-Verlierer. Zwischenzeitlich konnten wir rund 8000 Filialen nicht beliefern, weil sie geschlossen waren, wie zum Beispiel Karstadt, Möbelhäuser und teilweise Baumärkte. Im Online- und Teleshopping haben wir wiederum ein Wachstum verzeichnen können.

Was ist die einschneidendste Änderung für Sie bei der Arbeit?

Normalerweise bin ich zwei, drei Mal im Jahr für einige Tage in Asien auf Messen und für Lieferantenbesuche. Das fällt natürlich alles weg. Die großen Messen, die im Oktober 2020 stattfinden sollten, sind alle abgesagt. Und ich glaube auch nicht daran, dass wir unsere Mitarbeiter im Frühjahr schon wieder durch die Welt schicken werden.

Es gibt im Zuge der Pandemie eine Diskussion, ob wir nicht zu viel globalisiert haben. Ob man nicht wieder mehr Sachen im eigenen Land herstellen muss. Glauben Sie, dass sich da grundsätzlich etwas verändert?

Ich kann nur jedem raten, dass man aus so einer Geschichte auch etwas lernt. Dass wir bei so einem einfachen Artikel wie Masken abhängig von Asien sind, ist für so ein weit entwickeltes Land wie Deutschland schwach. Ich bin sicher, dass die Maskenpflicht früher gekommen wäre, wenn ausreichend Masken verfügbar gewesen wären.   

Aber Sie lassen auch weiter in Asien produzieren wie zuvor.

Wir produzieren ja schon teilweise in Europa und schauen uns ernsthaft nach weiteren Alternativen hier um und überlegen: Für welche Produkte gibt man ein bisschen mehr Geld aus in der Produktion, weil die Endkunden auch bereit sind, mehr zu bezahlen? Am liebsten würde ich alles "Made in Germany" machen. Dann würde mir aber kaum jemand etwas abkaufen, weil es zu teuer ist. Die Konsumenten müssen auch bereit sein, für Ware aus Deutschland und nachhaltige Produkte mehr Geld auszugeben. Man kann durchaus eine leichte Tendenz und höhere Bereitschaft erkennen. Allerdings gibt es noch Grenzen. Man muss sich ja nur den Fleischskandal der letzten Monate angucken. Alle regen sich über das günstige Fleisch und die Produktionsbedingungen auf, aber am Konsumverhalten hat sich kaum etwas geändert, wenn man sich im Supermarktregal umschaut. Und das machen die Händler ja nicht, weil es keiner kauft.

Nochmal zurück zu den Masken. Das war für Sie auch ein nettes Zusatzgeschäft oder?

Durch unsere guten Kontakte nach Asien war es naheliegend, dass wir ins Maskengeschäft einsteigen, zumal wir tatsächlich wahnsinnig viele Anfragen hatten. Ich würde lügen, wenn ich sage, wir haben nichts damit verdient. Allerdings war es uns sehr wichtig, nicht die Not auszunutzen und zu Wucherpreisen an den Meistbietenden zu verkaufen. Insgesamt haben wir eine zweistellige Millionenzahl Masken verkauft, vor allem an Behörden, Polizeistationen, Bestatter, Kliniken, Apotheken und Altenheime. Das Maskengeschäft hat sich jetzt ein bisschen beruhigt, da auch ein gewisses Überangebot da ist, aber da wurde schon zeitweise mit brutalen Methoden gekämpft.

Wie brutal?

Eine gewisse Zeitlang wurden Masken ja fast wie Gold gehandelt. In den Fabriken in Asien wurde um die Ware gekämpft, auch schon bei den Rohstofflieferanten, wo der Zellstoff hergestellt wird, wurde alles weggekauft. Die Frachtkosten sind brutal gestiegen. Ich werde nie vergessen: An einem Freitagnachmittag saßen wir im Büro, und da hat die Luftfracht neun Cent je Maske gekostet, was schon nicht ganz wenig für so ein Produkt ist. Und als wir am Montag die Entscheidung getroffen haben, gewisse Mengen zu fliegen, da war der Preis auf 42 Cent pro Maske gestiegen.

Machen Sie unterm Strich in dieses Jahr höhere oder geringere Umsätze als sonst?

Wir werden dieses Jahr ein leichtes Wachstum haben, weil wir auch Warengruppen bedienen, die derzeit besonders gefragt sind. Küchenartikel, Gartenartikel und Baumarktartikel sind stärker gelaufen als sonst. Die Gärten waren ja noch nie so schön wie jetzt. (lacht)

Nicht so rosig sieht es für junge Unternehmen aus, die nicht so breit aufgestellt sind und noch geringe Umsätze haben.

Die Startup-Szene leidet sehr stark. Ich fürchte, dass es viele Insolvenzen geben wird. Ein Startup hat ja nicht 4000 Artikel, sondern oft eine Idee oder ein Produkt und das ist alles finanziell spitz auf Knopf genäht und der Businessplan muss funktionieren. Gründer, die so vernünftig über dem Wasser geschwommen sind müssen jetzt aufpassen, dass sie nicht untergehen. Selbst wer Wachstum hat, braucht jedoch Kapital, um das zu finanzieren. Und manche Investoren halten sich derzeit lieber etwas zurück.

Ab 31. August sieht man Sie wieder in Ihrer Rolle als Investor in der Vox-Gründershow "Die Höhle der Löwen". Halten Sie sich dieses Mal mit Deals auch coronabedingt etwas zurück?

Nein. Selbst während der Corona-Hochphase bin ich reingegangen mit der Einstellung: Es wird eine Zeit nach Corona geben und deshalb investierst du weiter in Produkte und Ideen. Ich habe jetzt nicht Angst, in ein Unternehmen zu investieren, weil es wieder einen Lockdown geben könnte. Trotzdem ist diese Staffel "Die Höhle der Löwen" sehr speziell. Die Dreharbeiten gingen von Januar bis Anfang Mai, es gibt also Pitches, die vor Corona und während Corona aufgezeichnet wurden. Deswegen springe ich bei manchen Deals auf und renne nach vorne, um die Gründer zu umarmen und bei anderen winke ich nur vom Sessel aus wegen der Abstandsregeln.  

Haben in der Krise Startups Probleme bekommen, in die Sie als Löwe investiert haben?

Natürlich waren auch Startups von uns betroffen. Die Ausstrahlung der Frühjahrsstaffel fiel genau in die Lockdown-Phase. Wenn du ein Produkt am Markt platzieren willst und dann hat ein Großteil der Filialen geschlossen, ist das natürlich schwierig. Da hat Corona für einige unserer Startups ganz schön was kaputt gemacht.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker