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Microdrink Waterdrop: Wie gesund ist die Frucht-Brause aus der "Höhle der Löwen"? Fünf kritische Fragen zum Produkt

Der "Microdrink Waterdrop" soll schnödes Leitungswasser mit natürlichen Fruchtextrakten aufpeppen. Sind wirklich nur Früchte drin? Wir haben bei einem der drei Gründer nachgehakt.

Die Waterdrop-Erfinder in der "Höhle der Löwen"

Die Waterdrop-Erfinder in der "Höhle der Löwen"

Mit dem "Microdrink Waterdrop" wollen die Gründer Christoph Hermann (34), Martin Donald Murray (33) und Henry Wieser (28) die deutsche Getränkeszene aufmischen. Die Brausewürfel sollen schnödem Leitungswasser mehr Geschmack verleihen. Dafür setzen die Microdrink-Erfinder auf natürliche Aromen und Frucht- und Pflanzenextrakte aus Ginseng oder Moringa. Sechs verschiedene Geschmacksrichtungen haben die Drei kreiert - sie heißen "Youth", "Glow" oder "Focus". In Österreich ist Waterdrop bereits relativ bekannt. Nun will das Gründer-Trio auch in Deutschland durchstarten und kämpft in der "Höhle der Löwen" um ein Invest. Für eine Million Euro bieten sie zehn Prozent der Firmenanteile. Können sie einen der Löwen überzeugen?

Die Idee für die kleinen Brausetabletten kam Gründer Martin Murray im Flugzeug. Er empfand die Getränkeszene seit jeher als wahnsinnig umständlich und komplex und ärgerte sich vor allem über lange Transportwege und Plastikmüll. So entstand die Idee für eine Brausetablette aus Frucht-Essenzen, mit der sich Wasser je nach Geschmack "individualisieren" lässt. 

Die Brausetabletten sind laut Verpackung zuckerfrei, enthalten natürliche Aromen und Vitamine. Der stern sprach mit dem Gründer über Nachhaltigkeit und darüber, wie natürlich Waterdrop wirklich ist.

Waterdrop wird als zuckerfreier Microdrink vermarktet. Auf der Zutatenliste steht jedoch Maltodextrin. Dabei handelt es sich um einen Füllstoff aus Zuckerbausteinen. Der Stoff enthält genauso viel Energie wie Zucker. Ist das nicht irreführend?

Wir sind ein kleines Unternehmen und konnten in der Vergangenheit vieles noch nicht optimieren – eines davon sind die Verpackungen. Es ist tatsächlich so, dass in den eigentlichen Produkten gar kein Maltodextrin mehr enthalten ist. Es steht nur noch auf der Verpackung, weil wir damals so viele davon geordert haben. Matodextrin war in so kleinen Mengen vorhanden, dass es als technischer Hilfsstoff ausgelobt hätte werden können, aus Transparenzgründen aber aufgeführt wurde.  Bei der Größe der einzelnen Waterdrops waren es nur ein paar Milligramm. Bei bis zu 0,5 Gramm Zucker gelten Produkte als zuckerfrei, davon waren die Produkte weit entfernt. In den Geschmacksrichtungen "Relax" und "Glow" war zum Beispiel nie Maltodextrin enthalten, nur die ersten vier Sorten enthielten eine homöopathische Menge. Seit März 2018 sind alle Geschmackssorten ohne Maltodextrin, das heißt alles, was auf dem Markt ist, ist frei davon.

Die Brausetabletten stecken in kleinen Behältern aus Plastik. Die Verbraucherzentrale kritisiert Hersteller seit langem dafür, Lebensmittel einzeln zu verpacken. Warum haben Sie sich für diese Art der Verpackung entschieden?

Unser eigentlicher Feind ist die Plastikflasche. Wir wollen verhindern, dass die überhaupt ins System kommt. Unsere Verpackung enthält 97 Prozent weniger Kunststoff als eine konventionelle Plastikflasche. Und man darf auch die ganzen Schadstoffe nicht vergessen, die durch den Transport von abgefüllten Getränken entstehen. Die werden mit dem LKW von A nach B gekarrt. Das sehen die Konsumenten aber nicht mehr, wenn die Flaschen erstmal im Supermarktregal stehen. Wir haben sehr lange an der richtigen Verpackung  gefeilt. Uns war es besonders wichtig, die Waterdrops einzeln zu verpacken. Dadurch ermöglicht man den Kunden, das Produkt individuell einzusetzen und kann unterschiedliche Verpackungsgrößen verwenden. Die Verpackungen sind recycelbar und zehn Drops enthalten weniger Verpackung als schon der Deckel einer normalen Plastikflasche.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte jeder Mensch täglich rund 1,5 Liter Flüssigkeit trinken. Am besten seien Wasser und ungesüßte Tees. Nicht erwähnt werden Erfrischungsgetränke mit Süßstoffen, wie sie auch Waterdrop enthält. Wie stehen Sie dazu?

Wir sagen auch: 'Leute, trinkt mehr Wasser und ausreichend Wasser. Wenn ihr mehr Wasser trinkt und weniger abgefülltes Zuckerzeug, wird es euch per se besser gehen. Am besten ist natürlich das Wasser aus der Leitung.' Zum Glück ist das in Deutschland und Österreich einigermaßen gut. Dieses Wasser lässt sich mit Waterdrop individualisieren. Und wenn das dem ein oder anderen dabei hilft, mehr Flüssigkeit zu trinken, freuen wir uns darüber.

Auf der Zutatenliste befindet sich der Inhaltsstoff "natürliches Aroma". Das bedeutet aber nicht automatisch, dass das Aroma auch aus Früchten stammt. "Natürliches Aroma", das nach Himbeere schmeckt, lässt sich aus Zedernholz oder mithilfe von Essigsäurebakterien aus Hopfen gewinnen. Der Geschmack von Erdbeeren stammt häufig aus Buchweizenstelzen.  Anders sieht es bei der Bezeichnung "natürliches Erdbeer-Aroma" aus. Hier garantiert die Wortwahl, dass der Aromabestandteil zu immerhin 95 Prozent aus echten Erdbeeren stammen muss. Wie sieht das bei Waterdrop aus? Stammt das Aroma aus echten Früchten?

Das stimmt, man kann tatsächlich aus Holzrinde Erdbeer-Aroma machen. Das wollten wir eben nicht.  Deswegen haben wir sehr viel Liebe und Detailarbeit reingesteckt, um wirklich nur die Aromen zu haben, die aus den Früchten kommen. An der Bezeichnung auf der Zutatenliste sollten wir daher noch einmal feilen und statt "natürliches Aroma" besser natürliches "Erdbeer-Aroma" schreiben. Ein guter Punkt.

Waterdrop ist mit Vitaminen angereichert – mit Vitamin C und B-Vitaminen.  Dabei ist die Bevölkerung gut mit diesen Stoffen versorgt. Die DGE schreibt: "Deutschland ist kein Vitaminmangelland". Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschieden?

Waterdrop enthält Essenzen, die von Natur aus Vitamine enthalten. Nur sind es oft nicht genug Vitamine, um eine "Health-Claim" auszuloben. Dabei handelt es sich um eine gesundheitsbezogene Aussage zu den Inhaltsstoffen. Die Claims sind auf EU-Ebene geregelt und dürfen nur bei Produkten verwendet werden, die die Vorgaben einhalten.  Beim Beispiel Vitamine muss das Produkt 15 Prozent der empfohlenen Tagesdosis decken – bezogen auf 100 Gramm, 100 Milliliter oder pro Portion. Um diesen Schwellenwert einhalten zu können, setzen wir Vitamine zu.

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Anm. d. Red.: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, dass zwei Drops weniger Verpackung als der Deckel einer Plastikflasche enthalten. Diese Angabe wurde von den Gründern zwischenzeitlich korrigiert. Richtig muss es heißen: Zehn Drops enthalten weniger Verpackung als der Deckel einer normalen Plastikflasche.