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Selbsttest: Ich habe meine Arbeitszeit per App erfasst – und es ist das pure Chaos

Der EuGH verdonnert Europas Arbeitgeber dazu, die Arbeitszeit der Mitarbeiter zu erfassen. Das ist dank Smartphone und Apps kein Thema mehr – oder doch? Nach zwei Wochen mit der App des Bundesarbeitsministeriums muss ich feststellen: Es ist die Hölle.

Arbeitzeiterfassung: Chaos per App

Arbeitzeiterfassung: Chaos per App

Blumen gießen ist kein Journalismus. Duschen auch nicht. Und Kaffee trinkend am Küchentisch rumgammeln ebenfalls nicht. Zuvor hatte ich noch zwei Mails beantwortet. Das war echte, richtige Arbeitszeit. Aber dazwischen habe ich vergessen, bei der Zeiterfassungs-App die Pausentaste zu drücken. Denn ich selektiere jetzt meine Zeit: Die knallharte Arbeit und das private Vergnügen. Keine Graustufen, sondern klare Kante.

Und das funktioniert gar nicht. Nach einer Woche dokumentiere ich ein einziges Chaos.

Aber der Reihe nach: Der Europäische Gerichtshof hat jüngst deutlich gemacht, dass die Arbeitszeit von Angestellten genau erfasst werden muss. Denn nur so würden sich unbezahlte Überstunden und nicht eingehaltene Pausen und Ruhezeiten aufdecken und abschaffen lassen. Verantwortlich dafür ist der Arbeitgeber. Er muss den Mitarbeitern künftig praktische Tools an die Hand geben, die ihre Arbeitszeit erfassen. Und durch Smartphone und Apps sollte das auch kein Problem sein. 

Das Arbeitsministerium bietet schon heute eine kostenlose Zeiterfassungs-App. Und da kann man technisch wenig falsch machen, denn dafür hat sie einfach zu wenige Funktionen. An, aus, stop - fertig ist die App. In regelmäßigen Abständen kann man die aufgezeichneten Daten an ein Email-Postfach leiten, um die Dokumentation zu archivieren. Nur eine Fehlerquelle bekommt die App so gar nicht in den Griff: mich. 

Ich bin die Sollbruchstelle im System der Zeiterfassung. Denn wenn ich arbeite, aber mich nicht einlogge, weiß das die App nicht. Im Gegenzug kann ich offiziell schon von der Anwendung in den Feierabend geschickt worden sein - und dann zu Hause bis spät in die Nacht über Arbeit brüten. Die fehlerhafte Komponente Mensch wird an einigen Knackpunkten deutlich:

1. Die Arbeitszeit vergessen

Montag war ich auf einer Messe. Vorträgen lauschen, Interviews führen. Brav schmiss ich die App an. Am Abend beendete ich das Programm. Eigentlich alles richtig gemacht. Doch als ich am späten Abend schon mal anfing, Interviews abzutippen, loggte ich mich nicht wieder ein. Zwei Stunden Arbeitszeit, die nicht erfasst wurden. Blöd.

2. Privates erledigen in der Arbeitszeit

Morgens nutze ich die Zeit am Küchentisch gerne schon für Berufliches. Ohne den Trubel der Kollegen kann man sich eben doch besser konzentrieren. Erst danach nehme ich mir Zeit, um mich fürs Büro fertig zu machen. Duschen, Haare föhnen, noch schnell die Blumen gießen - das sind ganz klar keine beruflichen Aktivitäten. Wenn die App aber nicht pausiert, rattert die digitale Stechuhr weiter.

3. Fehler ausbessern? Is' nicht!

Nach einer Woche komme ich zu dem Ergebnis: Läuft vollkommen chaotisch. Ich habe kaum einen Tag wirklich richtig erfasst. Mal ist das Ein- und Ausgestempel falsch, mal vergesse ich ganz, dass ich die App nutzen sollte. Allerdings: In der App kann man diese Fehler nicht ausbessern. Klar, so soll Missbrauch im Nachhinein ausgeschlossen werden. Also archiviere ich eine Arbeitswoche, die vorn und hinten nicht stimmt. Denn zusätzlich zur Fehlerquelle Mensch setzt die App stur auf Arbeitszeitrichtlinien. Auch wenn ich nur eine halbe Stunde in der Mittagspause war, weil ich vielleicht etwas früher aus dem Büro verschwinden möchte, bucht die App mindestens 45 Minuten ein. Das Gesetz zur Pausenregelung will es so. 

Die gute Seite der Erfassung: Man bekommt (abseits der Fehler) eine recht erschreckende Übersicht, in der Überstunden fast selbstverständlich einsickern. In der eigenen Wahrnehmung hat man nicht zu viel gearbeitet. Die Übersicht sagt was anderes. Diese Erkenntnis macht deutlich, dass die Erfassung der Arbeitszeit gar nicht so unnötig ist.

Und noch eine gute Nachricht gibt es: Die Fehler werden weniger. Denn auch eine App kann zur Routine werden. In Woche 2 habe ich mich fürs Blumen gießen ordnungsgemäß ausgestempelt. 

Eine junge Frau sitzt lächelnd am Computer und hält sich mit der linken Hand einen Kugelschreiber an den Mund
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(