September Geringste Arbeitslosenzahl seit 1992


Im September sind in Deutschland 3,081 Millionen Menschen arbeitslos gewesen. Die Quote sank damit auf 7,4 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit November 1992. Laut Bundesagentur für Arbeit zeigte sich der Arbeitsmarkt damit unbeeindruckt von den aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September auf den tiefsten Stand seit fast 16 Jahren gesunken. Im zu Ende gehenden Monat seien 3,081 Millionen Erwerbslose registriert gewesen, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg am Dienstag mit. Dies seien 115.000 weniger als im August und 463.000 weniger als vor einem Jahr. Weniger Arbeitslose hatte es zuletzt im November 1992 gegeben. Die Arbeitslosenquote sank von August auf September um 0,2 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte, der Arbeitsmarkt zeige sich bisher unbeeindruckt von der Abschwächung der konjunkturellen Dynamik und den Turbulenzen an den Finanzmärkten. Die Beschäftigung sei weiter gewachsen, und die Nachfrage nach Arbeitskräften bewege sich weiter auf hohem Niveau. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Erwerbslosenzahl um 29.000 zurück. Sie fiel damit stärker als von den Experten erwartet, die im Schnitt mit einer Abnahme um 15.000 gerechnet hatten.

"Die Daten sind eine positive Überraschung im gesamten negativen Umfeld", sagte die Arbeitsmarktexpertin Antje Hansen von der Bank HSBC Trinkaus. Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank warnte, auf Dauer könne sich der Arbeitsmarkt nicht vom Konjunkturabschwung abkoppeln. Der Abbau der Arbeitslosigkeit werde im Winter zum Stillstand kommen.

Die Beschäftigung ist in den vergangenen Monaten weiter gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im August 40,4 Millionen Erwerbstätige, rund 94.000 mehr als im Juli. Sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren im Juli nach BA-Berechnungen 27,4 Millionen Menschen. Das seien 586.000 mehr gewesen als ein Jahr zuvor.

Von der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt profitierten auch die Finanzen der BA. Ende September stand sie um 3,5 Milliarden Euro besser da als für diesen Zeitpunkt im Haushalt geplant. Weise warnte aber davor, den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung von derzeit 3,3 Prozent im kommenden Jahr auf weniger als 3,0 Prozent zu senken. Bei einem Beitrag von 2,8 Prozent müsste die BA nach seinen Worten ihre Liquiditätsrücklage in den kommenden Jahren aufbrauchen.

"Dazu kann ich als Finanzvorstand nicht raten", sagte Weise. "Es kommt wahrscheinlich eine Abschwächung, und diese Arbeitslosenversicherung ist so gesund aufgestellt wie keine Sozialversicherung. Wenn die Krise kommt, sind wir gut aufgestellt. Ich könnte nicht raten, etwas an dieser gesunden Struktur zu ändern."

Die Regierungskoalition aus Union und SPD will am Sonntag bei einem Treffen der Koalitionsspitzen über eine weitere Senkung des Beitragssatzes entscheiden. Aus der Union gibt es Forderungen, den Beitrag auf 2,8 Prozent zu verringern.

DPA DPA

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