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Luftverkehr: Easyjet verschärft den Kampf der Billigflieger

Ein neuer Rivale am Himmel will den Markt für Billigflieger ordentlich durchmischen: Ab Mittwoch greift easyjet auf gleich 23 Routen die etablierten Konkurrenten an - doch die wappnen sich mit neuen Zielen und Aktionen.

Ein neuer Rivale am Himmel verschärft den Kampf der Billigflieger in Deutschland. Europas Branchenzweiter Easyjet startet an diesem Mittwoch mit einer massiven Attacke in den Markt von Air Berlin, Germanwings und Co. Auf gleich 23 Routen wollen die Briten die etablierten Konkurrenten nach und nach angreifen - doch die haben sich ebenfalls schon mit neuen Zielen und Werbeaktionen bis hin zu Gratistickets in Stellung gebracht. Auch auf Flügen zur spanischen Ferieninsel Mallorca wollen mehrere Preisbrecher im Sommer erstmals die Kräfte messen. Urlauber können auf viele günstige Tickets hoffen.

Berlin wird easyjet-Drehkreuz

Wenn am Mittwochnachmittag der erste Airbus am Flughafen Berlin-Schönefeld nach Liverpool abhebt, müssen sich ehrgeizige Pläne von Easyjet-Chef Ray Webster bewähren. "Großartige Möglichkeiten" gebe es derzeit in Deutschland, schwärmt der Vorstandsvorsitzende. Nach der verworfenen Kaufoption für die Deutsche BA im vergangenen Jahr kommen die Briten nun auf eigene Faust - und zwar mit Macht. Allein das neue Drehkreuz in Berlin soll in diesem Jahr eine Million Passagiere anlocken. In Dortmund, das im Juli die zweite deutsche Basis wird, sollen es noch einmal 330.000 werden. Bereits im Juni tritt Easyjet auch in Köln/Bonn an, dem Heimatflughafen des Rivalen Germanwings.

Nutzen Sie Billigflieger?

Im ohnehin harten Ringen um jeden Kunden wollen sich die schon präsenten Billigflieger wehren - und geben sich selbstbewusst. "Wir werden Märkte nicht kampflos aufgeben", heißt es beim inzwischen zweitgrößten deutschen Linienflieger Air Berlin. Um Easyjet Paroli zu bieten, senken die Hauptstädter den Lockpreis für Mallorca-Flüge ab Berlin und fliegen künftig wie die Briten direkt nach Barcelona. Auch Germanwings, Tochter der Lufthansa-Beteiligung Eurowings, geht in die Offensive und startet vor Easyjet von Köln nach Gatwick bei London. Ryanair trommelt mit 100.000 "geschenkten" Flügen zum Preis von Steuern und Gebühren für den Hunsrück-Flughafen Hahn. Selbst die Lufthansa zeigt Flagge mit 49-Euro-Tickets zu mehreren Sonnenzielen.

Im Herbst kommt Stunde der Wahrheit

"Der Wettbewerb geht in eine neue Dimension", sagt Andreas Knorr, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bremen. Sicher könnten sich die etablierten Billigflieger ihrer Passagiere nicht sein. "Die Kunden sind nicht so loyal." Neben Deutschland, wo es schon jetzt Überkapazitäten gibt, werde der Wettbewerb für die Airlines auch in Spanien und Großbritannien schärfer. Um Vertriebskosten zu sparen und Märkte zu besetzen, sind die Großen unter der Billigen wie die TUI-Tochter Hapag Lloyd-Express, Germanwings und Air Berlin bereits Kooperationen mit ausländischen Airlines eingegangen.

Inwiefern die Allianzen nach dem Vorbild der globalen Luftfahrt-Bündnisse das Feld der Billigflieger auf längere Sicht stabilisieren können, gilt allerdings auch in der Branche als ungewiss. "Geld zu verdienen, wird nun noch schwerer", erwartet ein langjähriger intimer Kenner des deutschen Marktes. Nach dem Anfangsboom des vergangenen Jahres müssen die Airlines kräftigen Atem beweisen. Im möglichst spektakulären Werben um Kunden in diesem Sommer werde noch keiner der Rivalen zurückziehen, erwartet Luftverkehrsexperte Knorr. "Im Herbst könnte aber für einige die Stunde der Wahrheit beginnen."

Sascha Meyer, dpa / DPA