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Glückstadt: Die reinste Zettelwirtschaft: So arbeitet Deutschlands modernste Papierfabrik

In Glückstadt, 45 Minuten von Hamburg entfernt, steht eine der modernsten Papierfabriken Deutschlands. Hier werden Magazine von Tackernadeln getrennt, Kartons von Zeitungen. Ganz ohne Handarbeit kommt man hier trotz modernster Technologie nicht aus. Ein Ortsbesuch.

Im Minutentakt fahren 40-Tonner auf das Gelände der Papierfabrik in Glückstadt, sie sind randvoll mit Papierabfällen.

Im Minutentakt fahren 40-Tonner auf das Gelände der Papierfabrik in Glückstadt, sie sind randvoll mit Papierabfällen.

Papier ist geduldig. Das weiß kaum jemand so gut wie Ulrich Feuersinger. Der 59-Jährige ist Geschäftsführer der Steinbeis GmbH in Glückstadt, einer der modernsten Papierfabriken Europas. Seit mehr als hundert Jahren laufen hier an der Unterelbe, etwa 45 Autominuten entfernt von Hamburg, die riesigen Maschinen. Rund um die Uhr, das ganze Jahr über. Zugleich ist die Papierfabrik der größte Arbeitgeber der Region. Längst gehört der riesige, dampfende Schlot des angeschlossenen Kraftwerks, den man schon vom Weiten sieht, zum Landschaftsbild.

Doch während in anderen Teilen der Welt ganze Wälder gerodet werden, um die Papierproduktion am Laufen zu halten, gehen die Glückstädter einen anderen Weg: Schon Mitte der 70er, lange bevor Nachhaltigkeit und Umweltschutz sexy waren, stellte das Unternehmen die Produktion von Primärfasern aus Holz auf 100 Prozent Altpapier um. "Paper made from Paper" - das ist seit 40 Jahren der Firmen-Grundsatz. Damit wurde der Konzern zu einem der Pioniere in der Branche.

Die Qualität und der Weißgrad des Papiers sind mittlerweile so gut, dass man auf den ersten Blick kaum einen Unterschied zu Frischfaserpapier erkennt. Ökologisch trennen die beiden jedoch Welten: Bei der Produktion von 800 Tonnen Papier werden im Vergleich zur Produktion mit Frischfasern bis zu 83 Prozent Wasser und 72 Prozent Energie verbraucht. Der CO2-Ausstoß wird um 52 Prozent reduziert. Und nicht ein Baum wird dafür gefällt.

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