Nachfolge Wer beerbt Welteke?


Nach dem Rücktritt von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke ist der Streit um die Nachfolge voll entbrannt. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke.

Nach dem Rücktritt von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke ist der Streit um die Nachfolge voll entbrannt. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke. Die Union macht Front gegen den ursprünglichen Regierungsfavoriten, Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser. Den derzeit amtierenden Bundesbank-Vizechef Jürgen Stark will die Regierung dem Vernehmen nach wegen dessen CDU-Parteibuchs nicht akzeptieren.

Union will Stark, den lehnt die Regierung aber ab

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums betonte am Samstag, das Rennen sei noch offen: "Es gibt noch keine Festlegung." Die Entscheidung über einen neuen Bundesbankpräsidenten werde "zeitnah und in angemessener Form getroffen". "Focus online" hatte am Freitagabend berichtet, Tacke stehe als Welteke-Nachfolger bereits fest. Der Bundesbank-Chef wird von der Regierung ausgesucht.

Unions-Vizefraktionschef Friedrich Merz erteilte sowohl Koch-Weser als auch Tacke eine Absage. Da der Bundesbank-Chef auch automatisch Führungsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) sei, müsse es sich um eine in Währungs- oder Bankenfragen anerkannte und erfahrene Persönlichkeit handeln. "Dieses Kriterium erfüllen weder Koch-Weser noch Tacke", sagte Merz der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Entscheidung nach rein fachlichen Kriterien

CDU-Chefin Angela Merkel äußerte sich zurückhaltender und forderte eine unvoreingenommene Nachfolger-Suche. "Eine Entscheidung, die die Einflussnahme der Bundesregierung auf die Bundesbank untermauern würde, fände ich nicht so gut", sagte Merkel in der ZDF-Sendung "halb 12", die am Sonntag ausgestrahlt werden sollte.

Bisher hatte die Union vor allem den parteilosen Koch-Weser unter Beschuss genommen, dem sie Pläne zum Verkauf der Goldreserven der Bundesbank vorwirft. Regierungskreise warnten am Samstag die Opposition davor, die Personalie parteipolitisch zu instrumentalisieren. Die Entscheidung werde nach rein fachlichen Kriterien getroffen.

Union verdächtigt Eichel der Intrige

Die Union will unterdessen nach wie vor Bundesfinanzminister Eichel zu den Umständen der Adlon-Affäre um Welteke befragen. Der Verdacht liege nahe, dass Eichel die Affäre für politische Zwecke genutzt habe und die Goldreserven zum Stopfen von Haushaltslöchern einsetzen möchte, sagte der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Dietrich Austermann (CDU), im DeutschlandRadio Berlin. Deshalb werde an Eichels Erscheinen im Haushaltsausschuss am 28. April festgehalten.

Der Minister hatte sich grundsätzlich bereit gezeigt, im Bundestag zu berichten. Voraussetzung sei aber, dass die Mehrheit des Ausschusses dies wünsche. Die Affäre um Welteke war durch anonyme Briefe mit Details zu dessen Hotelaufenthalt auf Kosten der Dresdner Bank ins Rollen gekommen. Das Ministerium weist Spekulationen zurück, die Briefe stammten aus dem Hause selbst.

Welteke war am Freitag - knapp zwei Wochen nach Ausbruch der Affäre um seinen Hotelaufenthalt auf Kosten der Dresdner Bank zum Jahreswechsel 2001/2002 - zurückgetreten. Entscheidender Auslöser für den Rücktritt sei die Reise zum Formel-1-Rennen in Monaco auf BMW- Einladung im vergangenen Jahr gewesen, berichteten das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und die ARD.

DPA


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