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+++ EU-Krisengipfel in Brüssel +++: Newsticker: Monti bedauert Camerons Isolation

Italiens Regierungschef Mario Monti bedauert die Isolation Großbritanniens auf dem EU-Gipfel. Im Januar will sich Monti mit Merkel und Sarkozy treffen. Die Ereignisse im stern.de-Newsticker.

+++ 17.51 Uhr: Iren könnten Referendum fordern

Die geplanten Integrationsschritte in der Europäischen Union könnten in Irland nach Ansicht der Regierung in Dublin eine Volksabstimmung erfordern. Europaministerin Lucinda Creighton sagte der Nachrichtenagentur Reuters, sie schätze die Wahrscheinlichkeit eines Referendums auf 50 Prozent. Die Regierung werde die Einzelheiten der Vereinbarung in den kommenden Wochen prüfen.

Eine Volksabstimmung könnte das Projekt verzögern oder sogar gefährden. Die irischen Wähler haben schon bei zwei EU-Abstimmungen mit Nein gestimmt. Experten gehen davon aus, dass ein Referendum frühestens in einem halben Jahr abgehalten werden könnte. Das würde Hoffnungen vieler Investoren zunichtemachen, die auf eine schnelle Lösung der Krise setzen.

+++ 16.59 Uhr: Monti bedauert Isolation Großbritanniens +++

Großbritannien hat sich nach Einschätzung des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti auf dem EU-Gipfel "mit Sicherheit isoliert". Das Land habe sich mit seiner Verhandlungsführung "selbst ausgeschlossen", sagte Monti zum Ende des Gipfeltreffens in Brüssel. "Das wird Folgen für seinen Einfluss haben." Der britische Premierminister David Cameron habe "nicht hinnehmbare Forderungen gestellt", sagte Monti. Er bedauerte die Isolation Großbritanniens, denn in der EU sei es wichtig, "ein Gegengewicht gegen Länder wie Frankreich" zu haben.

+++ 16 Uhr: EZB soll Euro-Rettungsfonds verwalten +++

Der europäische Rettungsfonds soll künftig von der Europäischen Zentralbank (EZB) verwaltet werden. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte beim EU-Gipfel in Brüssel, auf Vorschlag von EZB-Präsident Mario Draghi werde die Zentralbank den bisherigen Rettungsfonds EFSF und den künftigen dauerhaften Euro-Rettungsfonds ESM führen. Die EU-Staats- und Regierungschefs hätten dies für gut befunden. "Das ist ein weiteres Element, das dafür sorgt, das Vertrauen in die Fonds zu stärken", sagte Sarkozy.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte, "dass in Zukunft die EZB mit ihrer Expertise den EFSF unterstützt. Und ich glaube, damit kann der EFSF auch besser und effizienter arbeiten." Die EZB habe "einfach Fachpersonal, und ich glaube, das ist sicherlich recht hilfreich", sagte die Kanzlerin. Zugleich kündigte sie an, dass es im nächsten halben Jahr monatlich Treffen in der Eurozone geben werde, um dabei weiter über das Krisenmanagement in der Schuldenkrise zu beraten.

+++ 15.52 Uhr: Dreier-Treffen mit Monti, Merkel und Sarkozy +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy werden im Januar der neuen italienischen Regierung nach Angaben von Ministerpräsident Mario Monti einen Besuch abstatten. Die Reformanstrengungen seiner Regierung seien bei dem EU-Gipfel in Brüssel gut angekommen, sagte Monti in Brüssel. Die Tatsache, dass Euro-Bonds nicht in der Abschlusserklärung auftauchten, bedeute nicht, dass die Arbeit daran nicht weitergehe, sagte er weiter.

+++ 15.40 Uhr: US-Börsen legen leicht zu +++

Die Wall Street hat am Freitag im frühen Handel mit verhaltener Erleichterung auf die Beschlüsse des EU-Gipfels reagiert. "Der Plan bietet mehr Positives als Negatives. Er erweckt den Eindruck, dass die Staats- und Regierungschefs das Ausmaß des Problems erkannt haben und wissen, wie sie reagieren müssen", sagte Rick Fier von Conifer Securities. Vor allem Bank-Aktien konnten dank der Gipfel-Beschlüsse einen Teil ihrer Vortagesverluste wettmachen. Gleichzeitig jedoch lastete eine ganze Reihe von Gewinnwarnungen auf den US-Börsen und begrenzte die Aufschläge.

+++ 15.14 Uhr: Serbien - EU-Kandidatenstatus nicht vor 2012 +++

Serbien wird nicht vor März 2012 den Status eines EU-Beitrittskandidaten bekommen. Dies beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs am Freitag in Brüssel. Vor allem Deutschland hatte sich dagegen ausgesprochen, Serbien rasch zum EU-Anwärter zu erklären.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy lobte Belgrad für die Wiederaufnahme des Dialogs mit der Regierung des Kosovos, dessen Unabhängigkeit Serbien nicht anerkennt. "Wir können Serbien nur ermutigen, diesen Dialog auszubauen und die Beziehungen zu Pristina im eigenen Interesse auszubauen." Die EU habe "das klare Ziel, Serbien den Status eines Beitrittskandidaten zuzuerkennen".

+++ 15.11 Uhr: Cameron sieht Großbritannien weiter in der EU +++

Großbritannien bleibt trotz seiner Isolation bei der geplanten Fiskalunion Mitglied der EU. Die Zugehörigkeit zur Europäischen Union liege im britischen Interesse, sagte Premierminister David Cameron nach Abschluss des EU-Krisengipfels in Brüssel. Solange das der Fall sei, bleibe das Königreich Mitglied der EU und werde auch Einfluss auf deren Entscheidungen nehmen. Die Niederlande hätten sich bereiterklärt, britische Interessen in der Euro-Zone wahrzunehmen.

+++ 15.05 Uhr: Merkel ist gegen ESM-Aufstockung +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich klar gegen eine baldige Aufstockung der Mittel des Euro-Rettungsmechanismus ESM ausgesprochen. "Ich habe meine Position klar gemacht, dass da nichts draufgelegt wird", sagte Merkel nach dem EU-Gipfel in Brüssel. Es sei nicht ausreichend, immmer mehr finanzielle Ressourcen zur Rettung von Euro-Staaten bereitzustellen. Entscheidend sei, dass die Ursachen der Krise bekämpft würden - die mangelnde Fiskaldisziplin und zu geringe Wettbewerbsfähigkeit. Die Euro-Zone habe aber noch einen langen Weg vor sich. "Es wird nicht mit einem Paukenschlag zu Ende sein, sondern das ist über Jahre gewachsen, und das muss auch über Jahre weitergeführt werden", ergänzte Merkel.

+++ 14.52 Uhr: Merkel sieht Durchbruch zur Stabilitätsunion +++

Die Euro-Länder gehen nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem Reformvertrag einen wichtigen Schritt zu einem dauerhaft stabilen Euro. "Man kann sagen, es ist der Durchbruch zu einer Stabilitätsunion", sagte Merkel am Freitag zum Abschluss des EU-Gipfels in Brüssel. Die Euro-Zone ziehe gemeinsam mit den anderen EU-Staaten die Lehren aus der schweren Schuldenkrise. Dies sei "ein weiterer wichtiger Schritt auf einem längeren Weg."

+++ 14.39 Uhr: Buzek: EU-Parlament voll einbeziehen in Sondervertrag +++

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, hat die volle Einbeziehung der Volksvertreter in den geplanten Sondervertrag zu mehr Haushaltsdisziplin in den EU-Staaten gefordert. "Wenn wir über tiefe Veränderungen nachdenken und diskutieren und einen Schritt weitergehen in der Europäischen Integration, dann sollten wir die demokratische Glaubwürdigkeit und den Kontakt zu den Bürgern nicht vernachlässigen", sagte Buzek am Freitag beim EU-Gipfel in Brüssel. Neben dem EU-Parlament müsse auch die Kommission eng in die Umsetzung des geplanten Zusatzvertrages eingebunden werden.

+++ 13.39 Uhr: Niederlande in der Rezession +++

Als erstes Kernland der Euro-Zone sind die Niederlande in eine Rezession gefallen. Nach Prognose der Notenbank schrumpft die Wirtschaft im zu Ende gehenden Quartal um 0,4 Prozent. Bereits im Sommer war das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent zurückgegangen. Von Rezession wird bei mindestens zwei Minus-Quartalen in Folge gesprochen. Die fünftgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion leide unter dem schwächeren Welthandel, schrieb die Notenbank am Freitag. Für 2012 rechnet sie nur noch mit einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Bislang war sie von 1,7 Prozent ausgegangen.

+++ 13.09 Uhr: Neun EU-Mitglieder treten Euro-Vertrag bei +++

Großbritannien steht mit seinem Nein zu einem europäischen Fiskalpakt auf dem EU-Gipfel isoliert da. Neun weitere EU-Mitglieder wollen sich nunmehr dem Reformvertrag der 17 Euro-Staaten anschließen, wie aus einem am Freitag neu aufgelegten Entwurf für die Gipfelerklärung in Brüssel hervorgeht. Damit wäre Großbritannien in der Frage isoliert. Zunächst war nur von sechs EU-Staaten außerhalb der Währungsgemeinschaft die Rede, die die Reform mittragen. "Die Staats- und Regierungschefs von Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien und Schweden haben ihre Bereitschaft zur Teilnahme an diesem Prozess bekundet. Wo nötig, müssen jedoch die Parlamente konsultiert werden", heißt es nun in dem Entwurf.

+++ 12.42 Uhr: Kreise - EZB wird bei Bonds nicht die Bazooka auspacken +++

Nach dem EU-Gipfel will die EZB nach Informationen aus Zentralbankkreisen ihr Ankaufprogramm für Staatsanleihen nicht forcieren. Es bleibe bei der vom EZB-Rat festgelegten Obergrenze von wöchentlich 20 Milliarden Euro für die Geschäfte am Sekundärmarkt, erfuhr Reuters am Freitag aus den Kreisen. "Es wird weitere Käufe geben, aber nicht die große 'Bazooka', die einige an den Märkten und in den Medien erwarten."

Über diese Obergrenze war zuletzt in Presseberichten spekuliert worden, doch hat sich die EZB bei dem Programm bislang offiziell nicht vorab auf Kaufvolumina festgelegt. Sie hat bisher Käufe über mehr als 200 Milliarden Euro getätigt, sieht das Programm allerdings als vorübergehende und begrenzte Hilfe zur Stabilisierung der Anleihen-Märkte an. Forderungen nach einer massiven Ausweitung der Käufe wies die EZB stets zurück. Auch nach den Gipfelbeschlüssen gebe es keinen Grund, jetzt über "weitergehende Maßnahmen" nachzudenken, hieß es in den Kreisen weiter. Es sei auch keine EZB-Telefonkonferenz geplant.

+++ 12.29 Uhr: Scharfe Kritik an britischer Blockadehaltung +++

Der britische Premier David Cameron hat mit seiner Blockade von Vertragsänderungen für eine strengere Haushaltspolitik scharfe Reaktionen bei Europaparlamentariern ausgelöst. Der Chef der liberalen Fraktion im Europaparlament, Alexander Graf Lambsdorff, sagte "Spiegel Online": "Es war ein Fehler, die Briten in die Europäische Union aufzunehmen." Die Briten müssten nun ihre Beziehungen zur EU neu verhandeln. "Entweder sie tun es von sich aus, oder die EU gründet sich neu - ohne Großbritannien", forderte Lambsdorff. "Die Schweiz ist ein Modell, an dem sich auch die Briten orientieren können."

Auch der Co-Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Daniel Cohn-Bendit, reagierte heftig. "Cameron ist ein Feigling", sagte er "Spiegel Online". Der Premier wolle die Auseinandersetzung in Sachen Europa in seiner konservativen Partei nicht führen.

Der Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Markus Ferber, bezeichnete die Haltung Großbritanniens als "so egoistisch wie widersprüchlich".

+++ 12.26 Uhr: Commerzbank - EU-Gipfel erreicht viel

Die Vereinbarung von 23 EU-Ländern zur stärkeren Haushaltskontrolle stoßen bei Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer auf ein positives Echo. "Die Regierungschefs des Euroraums haben aus politischer Sicht in der Tat einiges erreicht", schreibt Krämer in einer Studie vom Freitag. Aus Sicht der Anleger blieben aber noch wichtige Fragen offen. "Der Höhepunkt der Staatsschuldenkrise liegt noch nicht hinter uns."

Zum einen stellt sich laut Krämer die Frage, ob die vereinbarten automatischen Sanktionen bei Haushaltsverstößen tatsächlich wirken. Zum anderen seien die konkreten Konsequenzen ungewiss, falls Länder die zu installierenden Schuldenbremsen verletzen.

+++ 12.05 Uhr: Bundesbank - EU-Beschlüsse Schritt in richtige Richtung +++

Die EU-Beschlüsse zu einer größeren Haushaltsdisziplin sind nach Einschätzung der Bundesbank ein Schritt in die richtige Richtung. Die Entscheidungen bedeuteten eine Härtung der bisherigen Verträge, sagte ein Sprecher am Freitag. Dies sei begrüßenswert. Wie der deutsche Beitrag für die geplante Erhöhung der IWF-Mittel für angeschlagene Staaten ausgestaltet werden könne, sei derzeit Gegenstand von Gesprächen zwischen Bundesbank und Bundesregierung. "Wir stehen dem grundsätzlich positiv gegenüber. Die Gespräche darüber mit der Regierung laufen konstruktiv", sagte der Sprecher.

+++ 11.50 Uhr: Ungarn schwächt "Opt-out" ab +++

Ungarn hat sein Nein zur Teilnahme an dem von 23 EU-Ländern beschlossenen Euro-Krisen-Management abgeschwächt. "Das ungarische Parlament hat noch reichhaltig Zeit, um in dieser Frage zu entscheiden", erklärte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban am Freitag vor ungarischen Journalisten in Brüssel.

Nachdem Großbritannien auf dem EU-Gipfel in Brüssel Vertragsänderungen für eine strengere Haushaltspolitik blockiert hatte, streben nun die 17 Euro-Länder und sechs weitere kooperationswillige Mitgliedsstaaten einen eigenen Vertrag an. Ungarn hatte wie Großbritannien, Tschechien und Schweden eine Teilnahme an dieser Vereinbarung zunächst abgelehnt. Auch Schweden und Tschechien wollen erst die Parlamente zu dem neuen Vertrag hören.

+++ 11.18 Uhr: Opposition kritisiert Merkels Vorgehen +++

Die Opposition hat nach der Einigung der Euro-Länder auf dem Brüsseler EU-Gipfel auf einen Vertrag für strikte Haushaltsdisziplin erneut das Krisenmanagement der Bundeskanzlerin kritisiert. Linken-Chef Klaus Ernst erklärte in Berlin, "wenn Brüssel nicht der Anfang vom Ende sein soll, muss sich Europa aus dem Würgegriff der Banken befreien". Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Gerhard Schick, warf Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy vor, durch einen "Krisengipfel nach dem anderen" die Lage nur noch schwieriger zu machen. Gebraucht würden stärkere europäische Institutionen zur Steuerung der erforderlichen Prozesse. "Krisenmanagement mit 17 Veto-Spielern, das kann einfach nur schief gehen."

+++ 11.12 Uhr: Griechische Wirtschaft schrumpft um 5,0 Prozent +++

Die Wirtschaft des hochverschuldeten Griechenland ist weit von einem Ende ihrer Rezession entfernt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euro-Mitglieds schrumpfte im dritten Quartal um 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Statistikamt in Athen am Freitag mitteilte. Saisonale Einflüsse sind dabei nicht herausgerechnet. Experten hatten sogar ein Minus von 5,2 Prozent erwartet. Die Talfahrt hat sich allerdings weiter verlangsamt: Im zweiten Quartal ging die Wirtschaftsleistung um 7,4 Prozent zurück, im ersten um 8,3 Prozent. Griechenland hängt am Tropf internationaler Hilfen und will durch radikale Reformen und Sparprogramme wieder wettbewerbsfähig werden.

+++ 11.10 Uhr: Märkte sehen in Gipfelbeschlüssen keinen Durchbruch +++

Die Anleger haben reserviert auf die Ergebnisse des EU-Gipfels zur Bewältigung der Euro-Schuldenkrise reagiert. Vor allem die Unsicherheit, wie die Beschlüsse zu werten sind, prägte den Handel an den Aktienmärkten in Europa am Freitag. Börsianer kritisierten auch, die EZB werde nicht genug zur Krisenbekämpfung eingesetzt. Zwar verflog anfängliche Ernüchterung schnell, die zunächst Aktienmarkt und Euro deutlich belastet hatte. Allerdings schwang die Stimmung auch nicht in Euphorie um, denn es blieben bei den Börsianern Zweifel, ob die Maßnahmen geeignet sind, die Euro-Schuldenkrise tatsächlich in den Griff zu bekommen.

+++ 11.03 Uhr: Steinbrück kritisiert Merkels Euro-Krisenmanagement +++

Der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ein schlechtes Krisenmanagement in der Euro-Zone vorgeworfen. Die Entscheidungen der Kanzlerin seien "immer zu wenig, zu spät und im Ungefähren", kritisierte er am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Der lange Weg zu neuen Verträgen für eine striktere Haushaltsdisziplin der Euro-Staaten habe die Krise eher eskalieren lassen. So habe Merkel automatische Sanktionen bei Verstößen gegen die Stabilitätskriterien in der Vergangenheit verworfen: "Und nun hat sie sie wieder." Die Frage sei, warum sie sie nicht von vornherein akzeptiert und durchgesetzt habe. Durch Pirouetten wie diese seien eineinhalb Jahre verloren gegangen.

+++ 11.00 Uhr: Bundesbank - Krise bremst 2012 Aufschwung am Arbeitsmarkt +++

Im Sog der Euro-Krise wird der Aufschwung am Arbeitsmarkt im kommenden Jahr nach Ansicht der Bundesbank vorerst gestoppt. Sie rechnet in ihrem am Freitag veröffentlichten Konjunkturausblick damit, dass sich die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt bei drei Millionen einpendeln und damit auf dem Niveau von 2011 verharren wird.

+++ 10.40 Uhr: Moody's stuft drei französische Banken herab +++

Die Ratingagentur Moody's hat am Freitag die Kreditwürdigkeit von mehreren französischen Großbanken um jeweils einen Punkt herabgestuft. Die Banken Crédit Agricole SA, BNP Paribas und Société Générale seien auch mit einem negativen Ausblick versehen, erklärte die Agentur in Paris. Die Entscheidung geht auf eine umfassende Überprüfung seit dem 15. Juni zurück, die Mitte September verlängert wurde.

Moody's hatte bereits Mitte September die Kreditwürdigkeit der Crédit Agricole SA und der Société Générale jeweils um einen Grad herabgestuft, BNP Paribas war damals noch einmal davongekommen. Nun wurde die langfristige Benotung der Bank auf Aa3 gesenkt. So wurde auch Crédit Agricole eingestuft. Für Société Générale legte die Agentur A1 fest. Bei allen Banken wurde auch die finanzielle Solidität abgestuft. Vor allem für Crédit Agricole und BNP Paribas verwies die Agentur darauf, dass sie viele Staatsanleihen schwacher Euro-Staaten halten. Für alle drei Banken sei die Wahrscheinlichkeit von Staatshilfen, falls dies nötig werden sollte, "sehr hoch".

+++ 10.33 Uhr: Europagegner loben Camerons Blockade +++

Großbritanniens Premierminister David Cameron hat nach der Blockade einer EU-weiten Lösung für die Haushaltsprobleme Unterstützung von Euroskeptikern in seiner Heimat bekommen. Camerons Entscheidung sei "sehr bedeutend" und solle der Start für eine stärkere Loslösung Londons von Brüssel sein, sagte der konservative Abgeordnete und Cameron-Parteikollege Mark Reckless am Freitag dem Sender BBC.

Cameron habe versprochen, die Interessen des Finanzsektors in der City of London zu schützen, und sich daran gehalten. "Das gibt uns eine neue Möglichkeit, eine neue Beziehung mit der Europäischen Union auszuhandeln, die in unserem Interesse ist."

+++ 10.29 Uhr: Kroatien unterzeichnet Beitrittsvertrag zur EU +++

Kroatien hat am Freitag den Beitrittsvertrag zur Europäischen Union unterzeichnet. Beim EU-Gipfel in Brüssel setzten die Staats- und Regierungschefs ihre Unterschrift unter das Dokument. Kroatien wird demnach im Juli 2013 als 28. Staat in die Europäische Union aufgenommen.

+++ 10.28 Uhr: Bulgarien verabschiedet Sparhaushalt 2012 +++

Bulgariens Parlament hat in der Nacht zum Freitag einen umstrittenen Sparetat für 2012 verabschiedet. Vorgesehen ist ein Rückgang des Defizits auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das BIP des neuen EU-Landes soll sich im kommenden Jahr auf rund 80 Milliarden Lewa (40 Mrd. Euro) belaufen. Die Opposition kritisierte, dass die konservative Regierung mit dem Sparhaushalt auch für 2012 keine höheren Löhne und Gehälter im Staatssektor vorsehe.

+++ 10.20 Uhr: Frankreichs Defizitreduzierung liegt im Plan +++

Das um seine Top-Bonität kämpfende Frankreich hat bis Ende Oktober sein Staatsdefizit um 33 Milliarden Euro auf 99,4 Milliarden Euro reduziert. Das gab das zuständige Budgetministerium am Freitag in Paris bekannt. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone hatte es vor einem Jahr noch bei 133,1 Milliarden Euro gelegen. Nach Angaben des Ministeriums liege die Defizitreduzierung damit im Rahmen der Zielvorgaben.

+++ 10.15: Westerwelle begrüßt Einigung auf Stabilitätsunion +++

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Einigung einer großen Mehrheit von EU-Mitgliedsstaaten begrüßt, beim Aufbau einer Stabilitätsunion entschlossen voranzugehen. "Dass nicht alle EU-Staaten diesen Weg mitgehen, ist nicht erfreulich, darf die anderen aber nicht hindern, die notwendigen Fortschritte zu machen", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in einer Erklärung zum Brüsseler EU-Gipfel am Freitag in Berlin.

+++ 9.58 Uhr: Merkel: Keine faulen Kompromisse +++

Die Euro-Zone ist mit den Gipfelbeschlüssen nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein gutes Stück vorangekommen. "Es ging darum, die Stabilitäts- und Fiskalunion zu beginnen", sagte Merkel am Freitagmorgen zum Auftakt des zweiten Gipfeltages in Brüssel. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis", fügte sie mit Blick auf die verschärften Regeln für Defizitsünder und das Einverständnis aller Euro-Staaten hinzu, eigene nationale Schuldenbremsen zu verabschieden.

"Jeder in der Welt wird sehen, dass wir aus den Fehler der Vergangenheit gelernt haben", betonte die Kanzlerin. Es sei darum gegangen, auf dem Gipfel "faule Kompromisse" zu vermeiden. Jetzt würden die EU-Kommission und der Europäische Gerichtshof gestärkt.

+++ 9.57 Uhr: Dax in nervösem Handel mit Kursschwankungen +++

Die Nervosität der Anleger im Zuge des EU-Gipfels hat auch am Freitag wieder für starke Kursschwankungen am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Leicht enttäuschte, aber nicht klar negative Reaktionen auf die ersten Aussagen aus Brüssel drückten den Dax im frühen Geschäft in die Nähe von 5800 Punkten, bevor er es kurz ins Plus schaffte. Nach der ersten halben Stunde büßte er aber wieder 0,19 Prozent ein auf 5863 Punkte.

+++ 8.37 Uhr: Hague: Großbritannien ist weiter im Club

Großbritanniens Außenminister William Hague hat sich nach der Spaltung beim EU-Gipfel gegen Vorwürfe gestellt, sein Land sei nun isoliert und außen vor. "Das schließt uns nicht aus dem Club aus", sagte Hague am Freitag in einem Interview des Senders BBC in Brüssel, nachdem Großbritannien eine gemeinsame Lösung aller 27 EU-Staaten für mehr Haushaltsdisziplin blockiert hatte. Man bleibe bei Fragen etwa der Außenpolitik, der Position gegenüber Syrien und auch in Wirtschaftsfragen führend, erklärte Hague.

+++ 6.50 Uhr: Cameron verteidigt ablehnende Haltung +++

Der britische Premierminister David Cameron hat sein Nein zu einer EU-Vertragsänderung als "harte, aber gute Entscheidung" gerechtfertigt. "Wenn wir keine Schutzklauseln bekommen, ist es besser draußen zu bleiben", sagte Cameron nach nächtlichen Beratungen auf dem EU-Gipfel am Freitag in Brüssel. Deutschland und Frankreich waren zuvor am Widerstand Großbritanniens mit dem Vorhaben gescheitert, die EU-Verträge mit Zustimmung aller 27 EU-Länder zu ändern, um eine strikte Haushaltsdisziplin der Euro-Länder zu erreichen.

Die wichtigsten Beschlüsse der Nacht

Den großen Wurf haben die EU-Länder auf dem Krisengipfel in Brüssel bisher nicht geschafft. Größter Konfliktpunkt: Die von Deutschland und Frankreich angestrebte Fiskalunion durch Änderung der EU-Verträge. Großbritannien stellte sich quer, ebenso sprach sich Ungarn gegen die gemeinsamen Vertragsänderungen aus. Schweden und Tschechien müssen noch ihre nationalen Parlamente befragen.

Deshalb wollen jetzt 17 Euroländer und 6 weitere EU-Staaten einen separaten Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin schließen, um so der Eurokrise entgegenzuwirken.

Immerhin konnten sich die 27 EU-Länder darauf einigen, dass der Internationale Währungsfonds stärker eingebunden werden soll. Die Euroländer wollen ihm mindestens 150 Milliarden Euro bereitstellen, um Krisenstaaten unter die Arme zu greifen.

Außerdem wollen die EU-Staaten den dauerhaften Eurorettungsschirm ESM schon 2012 einsetzen und den jetzigen Rettungschirm EFSF ablösen.

mlr/fro/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters