HOME

Betriebsratschef Franz: GM sagt Opel mehr Freiheit zu

General Motors hat seiner alten, neuen Tochter Opel mehr Unabhängigkeit zugesichert. Das sagt jedenfalls Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Im neuen stern kündigt er harte Verhandlungen an. Als Chef wollen die Amerikaner in Rüsselsheim aber zunächst einen der ihren einsetzen.

Der Chef der US-Mutter General Motors (GM), Fritz Henderson, hat Opel nach Betriebsratsangaben mehr Eigenständigkeit versprochen. "Fritz Henderson bekräftigte, dass Opel in Europa wieder zu alter Stärke geführt werden solle, mit einem hohen Maß an Unabhängigkeit und Eigenständigkeit innerhalb des GM-Konzerns", teilte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Dienstag nach Gesprächen mit Henderson mit. Als Chef wollen die Amerikaner in Rüsselsheim aber zunächst einen der ihren einsetzen, nämlich den GM-International-Manager Nick Reilly. Die Lösung soll allerdings vorübergehend sein, erklärte GM. Der gebürtige Brite Reilly arbeitet seit mehr als 30 Jahren für GM. Er ist nicht nur Chef des Internationalen Geschäfts, sondern als Vizepräsident des Gesamtkonzerns eine der Schlüsselfiguren im neuen Untenehmen.

Die Arbeitnehmervertretung erwartet nach Franz Worten einen umfassenden Unternehmensplan für Opel bis 2014 mit einem soliden Finanzierungskonzept. "Wir selbst haben in den vergangenen eineinhalb Jahren mit unseren Beratern einen solchen Plan erarbeitet. Wir wissen, wo die wichtigen Stellschrauben für eine erfolgreiche Zukunft von Opel sind", sagte Franz. Die Arbeitnehmervertreter würden den GM-Plan an diesen Vorgaben messen und dann entscheiden, ob die Belegschaft in weitere Verhandlungen einsteigt.

"Wir beginnen da, wo wir mit Magna aufgehört haben"

In der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern macht Franz klar, dass GM mit ihm keinen leichten Partner haben wird. Die alte und neue Konzernmutter müsse dem Rüsselsheimer Autobauer mindestens die gleichen Zugeständnisse machen, wie sie der Autozulieferer Magna eingeräumt hätte. "Sollten wir in konstruktive Gespräche mit GM einsteigen, dann beginnen wir da, wo wir mit Magna aufgehört haben", sagt Franz dem stern.

Magna hatte Opel den Erhalt sämtlicher deutscher Standorte garantiert, allerdings bei einem sozialverträglichen Abbau von insgesamt rund 10.500 Stellen. Der Betriebsrat hatte sich mit dem Zulieferer auf einen Lohn- und Gehaltsverzicht der Belegschaft von 265 Millionen Euro geeinigt. Franz fordert nun von GM ein Höchstmaß an Freiheit für Opel durch eine Umwandlung der GmbH in eine Aktiengesellschaft, was er am Dienstag bekräftigte. Außerdem soll Opel uneingeschränkt auf dem globalen Markt tätig werden dürfen, was GM in den vergangenen Monaten verhindern wollte. Schließlich sollen Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen an allen europäischen Standorten vermieden werden.

"Erst einmal eine Flasche Wein ins Hirn gehauen"

Die Schuld am Scheitern des Magna-Deals liegt nach Franz' Einschätzung nicht nur bei GM, sondern auch bei den Politikern. "Im Frühjahr, als GM 40 Tage lang insolvent war, hätte Karl-Theodor zu Guttenberg nicht zögern dürfen", sagte Franz dem stern. "Und man hätte Neelie Kroes nicht gewähren lassen dürfen." Der damalige Bundeswirtschaftsminister hatte den Sinn, die EU-Wettbewerbskommissarin die Rechtmäßigkeit von Staatsbürgschaften für Magna angezweifelt.

Franz selbst wurde von der Nachricht, dass der Magna-Deal platzt und General Motors Opel behalten will, kalt erwischt. Der Betriebsratschef zum stern: "Ich war schockgefroren und habe mir erstmal eine Flasche Wein ins Hirn gehauen."

DPA/ben / print