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GM und Chrysler: Obama setzt Autobauern Galgenfrist

Showdown in der US-Autoindustrie: US-Präsident Barack Obama lehnt die Sanierungspläne von General Motors und dessen Konkurrenten Chrysler ab. Beide Konzerne erhalten nur noch für wenige Wochen Geld und sollen notfalls in die Insolvenz. Außerdem muss GM-Chef Rick Wagoner mit sofortiger Wirkung zurücktreten. Sein Nachfolger steht bereits fest.

Der Chef des von der Pleite bedrohten US-Autobauers General Motors, Rick Wagoner, gibt auf Drängen des Weißen Hauses sein Amt ab. Mit seinem Rücktritt macht Wagoner den Weg frei für die vom Opel-Mutterkonzern geforderten weiteren Milliardenhilfen der US-Regierung.

Nachfolger soll nach Angaben des Autobauers bis auf Weiteres der bisherige Konzernvize und frühere Europa-Chef Fritz Henderson werden. Der 50-jährige Henderson galt bei vielen schon lange als ausgemachter Nachfolger. Als Chief Operating Officer war er seit einem Jahr für das laufende Geschäft zuständig. Als früherer Chef der Europa-Tochter kennt er auch die Lage bei Opel bestens. Wagoner bezeichnete seinen bisherigen Vize als die ideale Wahl, um das Unternehmen aus der Krise zu führen.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, wurde Wagoner bereits am Freitag von Steven Rattner, dem Chefberater des von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Arbeitsstabes zur Rettung der Autoindustrie, um den Rücktritt gebeten. Rattner habe die Bitte in einem persönlichen Gespräch mit Wagoner im Finanzministerium vorgetragen. Anschließend sei er mit Henderson zu einem Vier-Augen-Gespräch zusammengetroffen.

Drastische Schritte geplant

Obama will an diesem Montag einen neuen Rettungsplan für GM und den Wettbewerber Chrysler vorstellen. Allerdings wurde bereits bekannt, dass er die Sanierungspläne von GM und Chrysler strikt ablehnt. Keines der Unternehmen habe einen belastbaren Plan vorgelegt, der weitere Milliarden Dollar Steuergelder wert sei, erklärten ranghohe Beamte der Regierung in der Nacht zum Montag. Obama setzt den Autoherstellern daher kurze Fristen, um eine umfassende Restrukturierung zu erzwingen. Chrysler soll noch 30 Tage Zeit und Geld bekommen, der Opel-Mutterkonzern GM 60 Tage. Bei einem Scheitern sei auch eine Insolvenz der Autogiganten aus Detroit nicht auszuschließen.

GM soll in den zwei Monaten der Anschlussfinanzierung mit Gewerkschaften, Aktionären und Gläubigern verhandeln und ihnen bedeutende Zugeständnisse abfordern. Dadurch soll eine Restrukturierung als schlankeres und kosteneffizienteres Unternehmen ermöglicht werden. Darüber hinaus will die Regierung für die kommenden 60 Tage ein Team nach Detroit schicken, das die Verhandlungen zur Umstrukturierung begleitet.

Bei Chrysler fällt das Urteil in Washington noch deutlicher aus: Die Regierung rechnet damit, dass Chrysler alleine nicht überlebensfähig ist. Dazu sei das Unternehmen zu klein, die Produktpalette zu schwach und der Verlust an Marktanteilen in den USA zu groß. Chrysler soll dennoch bis zu sechs Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro) erhalten, falls der Konzern in den nächsten 30 Tagen die Partnerschaft mit dem italienischen Autobauer Fiat unter Dach und Fach bringt.

Im Gespräch war bislang, dass Fiat im Gegenzug für einen weitgehenden Technologietransfer einen Anteil von 35 Prozent an dem US-Autobauer erhält. Allerdings stimmte Fiat in den Verhandlungen den Forderungen der Taskforce bereits zu, mit weniger als den ursprünglich angedachten 35 Prozent bei Chrysler einzusteigen. Zudem dürfen die Italiener keinen Mehrheitsanteil übernehmen, solange Chrysler die Regierungshilfen nicht zurückgezahlt hat. Sollten die Verhandlungen scheitern, werde es keine weitere Finanzierung geben, hieß es in Washington.

Obama fordert umfassende Restrukturierung

Beide Autobauer wollten zu den Plänen Obamas zunächst nicht Stellung nehmen. Zuerst sollte deren offizielle Bekanntgabe abgewartet werden, hieß es. GM hat seit 2005 mehr als 80 Milliarden Dollar Verlust eingefahren und bereits 13,4 Milliarden Dollar Kredit vom Staat erhalten, Chrysler vier Milliarden Dollar. Die beiden Konzerne, die direkt etwa 140.000 Menschen beschäftigen, sollten bis zum Dienstag abschließende Sanierungspläne vorlegen. Zuvor hatten sie erklärt, sie bräuchten weitere Kredit von bis zu 21,6 Milliarden Dollar.

Angesichts der Rezession in den USA sieht sich die Industrie mit dem schlimmsten Absatzeinbruch seit knapp drei Jahrzehnten konfrontiert. Obama hatte bereits angekündigt, dass er von den Konzernen weitere Zugeständnisse verlangen will. Die Regierung werde "von allen beteiligten Parteien eine Reihe Opfer verlangen: Management, Arbeitnehmer, Aktionäre, Gläubiger, Zulieferer und Händler - alle müssen an den Verhandlungstisch kommen". Nur ein klares Bekenntnis zu einer drastischen Umstrukturierung könne eine bessere Zukunft für die Konzerne garantieren, sagte Obama am Sonntag dem Fernsehsender CBS.

DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters