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Personalstruktur: Wenig Ausländer in deutschen Chefetagen

Trotz der fortschreitenden Globalisierung sind Ausländer in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft noch Exoten. Prominente Ausnahmen wie Deutsche Bank-Chef Ackermann (Schweiz) oder MAN-Chef Samuelsson (Schweden) sind selten.

"Ausländische Führungskräfte in deutschen Unternehmen und Managementgremien sind immer noch eine seltene Ausnahme, die in keinem Verhältnis zur internationalen Verflechtung unserer Wirtschaft steht", sagte Peter Baumgartner, Deutschland-Chef der Beratungsfirma Mercer Management Consulting, in München. Wegen der Bedeutung des Auslandsgeschäfts als Konjunkturmotor bestehe hier großer Nachholbedarf. Beim Maschinenbau- und Nutzfahrzeugekonzern MAN wird zum Jahreswechsel erstmals in der mehr als 100-jährigen Firmen-Geschichte ein Ausländer Chef. Der Schwede Hakan Samuelsson tritt dann die Nachfolge von MAN-Urgestein Rudolf Rupprecht an.

RWE und Lufthansa ließen Ausländer ran

Erst in den vergangenen Jahren wurden die Zugänge in die Chefetagen im Zuge der Globalisierung etwas durchlässiger. So führt der Schweizer Josef Ackermann die Deutsche Bank, der Niederländer Harry Roels den Energiekonzern RWE und der Österreicher Wolfgang Mayrhuber die Lufthansa. "Ausländische Manager bringen nicht nur andere Sichtweisen, wie etwa den Umgang mit Bürokratie, Mitbestimmungsfragen oder die Ausrichtung auf den Shareholder Value mit, sondern vor allem auch ihr internationales Netzwerk", sagte Baumgartner.

So brachte der 53-jährige Samuelsson seine Erfahrungen mit, die er beim Konkurrenten Scania gesammelt hatte, als er Mitte 2000 die Führung der MAN-Nutzfahrzeugesparte übernahm. Nach dem Maschinenbau-Studium in Stockholm hatte er seine Karriere 1977 bei dem schwedischen Lastwagenbauer in der Abteilung "Systementwicklung Bremsen" begonnen. Auslandserfahrung im wichtigen südamerikanischen Markt sammelte er ab 1993 bereits bei Scania in Brasilien, ehe er 1996 in den Vorstand des Konzerns berufen wurde.

Ausländer bringen ihr Netzwerk mit ein

Bei MAN erwarb sich Samuelsson mit der Sanierung der Nutzfahrzeuge-Sparte Anerkennung. Der Schwede habe durch effektives Kostenmanagement in schwierigen Zeiten die Profitabilität des Bereichs deutlich gesteigert, lobte Aufsichtsrats-Chef Volker Jung auf der Hauptversammlung. Nach zwei verlustreichen Jahren machte der Teilkonzern 2003 wieder einen Gewinn von 100 Millionen Euro.

In den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern erwies sich Samuelsson dabei als knallharter, aber verlässlicher Gesprächspartner. Der Schwede habe sich als Sturkopf erwiesen, heißt es in Gewerkschaftskreisen. "Wir können mit der Lösung aber leben." Immerhin sei Samuelsson schon seit vier Jahren bei MAN und kenne daher den Laden. Bei der Wahl spielte für die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat weniger der Pass der künftigen Chefs eine Rolle als seine Zugehörigkeit zum MAN-Konzern. Samuelsson glaubt zudem, dass die Unterschiede zwischen Deutschen und Schweden gar nicht so groß sind: "Das sind beides nordeuropäische Länder. Die Ähnlichkeiten sind sicher größer als die Unterschiede."

Axel Höpner, dpa / DPA