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Subventionen: Baumwolle wird zu billig gemacht

Die staatliche Unterstützung für US-Baumwollbauern ist höher als das Bruttoinlandsprodukt von Burkina Faso, errechnete eine Studie der Hilfsorganisation Oxfam. Afrikanische Farmer fordern: Schluss mit den Subventionen.

Eine Bluse wiegt etwa 200 Gramm. Wenn es eine Baumwollbluse ist, dann ist das Rohmaterial 20 bis 25 US-Cent wert. In den vergangenen drei Jahren ist der Weltmarktpreis für Baumwolle von 70 auf knapp 40 US-Cent pro Pfund gefallen - so tief wie seit Jahrzehnten nicht. Baumwollbauern in Westafrika machen vor allem die Agrarsubventionen in den USA dafür verantwortlich. "Die Baumwollpreise sind zu niedrig, um unsere Kinder in die Schule zu schicken, Essen zu kaufen und Arztbesuche zu bezahlen", sagt Brahima Outtara, ein Baumwollbauer im westafrikanischen Staat Burkina Faso.

Kurz vor Beginn der Konferenz der Welthandelsorganisation im mexikanischen Cancún haben sich vier westafrikanische Staaten zusammengeschlossen, um ein Ende der Baumwollsubventionen innerhalb von drei Jahren zu fordern. Zudem sollen die Entwicklungsländer, die unter den Subventionen leiden, finanziell entschädigt werden, heißt es in einem Entwurf, den Benin, Burkina Faso, Tschad und Mali zusammen eingebracht haben. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat ihre Unterstützung für die Pläne zugesagt.

Eindrucksvolle Zahlen

Die Skepsis ist jedoch groß, dass sie damit Erfolg haben. "Es ist eher zu befürchten, dass in Cancún bei diesem Thema kein Konsens gefunden wird", sagte Südafrikas Präsident Thabo Mbeki in dieser Woche.

Die Westafrikaner können ihren Appell mit drastischen Zahlen unterfüttern. In 2001/02 habe der Verlust durch US-Baumwollsubventionen für die gesamte Region bei 300 Millionen Dollar gelegen, heißt es in einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam. Mali hat demnach 1,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verloren und acht Prozent seines Exporteinkommens. Die staatliche Unterstützung für amerikanische Baumwollbauern ist höher als das Bruttoinlandsprodukt von Burkina Faso.

Bauern in Burkina Faso produzieren drei Mal billiger

In Burkina Faso leben etwa zwei Millionen Menschen von der Baumwollproduktion, die Hälfte von ihnen unterhalb der Armutsgrenze. Das International Cotton Advisory Committee (ICAC) in Washington hat ausgerechnet, dass Bauern in Burkina Faso drei Mal billiger produzieren als ihre Berufsgenossen in den USA. Wenn die USA auf die Subventionen verzichteten, würde der Baumwollpreis um 25 Prozent steigen.

Da die weißen Flocken in Afrika mit der Hand geerntet werden, ist die Qualität besser als bei der maschinellen Ernte in den USA. Und dennoch haben sie auf dem Weltmarkt keine Chance. Die 25.000 Baumwollbauern in den USA erhalten nämlich jährlich knapp vier Milliarden Dollar Unterstützung.

Francois Traoré ist angesichts der Misere vom Baumwollbauer zum Lobbyisten geworden. Er hat in Burkina Faso den ersten Verband von Baumwollbauern in Afrika gegründet. Mehr als 210.000 Bauern sind darin vereint. "Wir würden es sogar schaffen, dass sämtliche Baumwollbauern in Burkina Faso ihre Arbeit niederlegten, um Druck auf die reichen Industrieländer auszuüben", sagt er.