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Theo Schöller: Eisfabrikant Schöller im Alter von 87 Jahren gestorben

Theo Schöllers bekanntestes Produkt ist nach wie vor in aller Munde: Mit Eis am Stiel machte der Nürnberger Selfmademan in der Nachkriegszeit Millionen. Anfangs wurde noch in Handarbeit produziert.

Schöller galt neben Max Grundig und Gustav Schickedanz (Quelle) als eine der großen fränkischen Unternehmerpersönlichkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg. Er starb bereits am vergangenen Mittwoch in seinem Haus in Nürnberg. Der Tod des 87-Jährigen sei überraschend gekommen. Schöller habe noch bis April die Geschäfte in seinen beiden Familienstiftungen geführt, sagte das Vorstandsmitglied der Schöller-Stiftungen, Gerhard Sußbauer.

Lieferung in Thermoboxen

Der in Nürnberg geborene Sohn eines Möbelfabrikanten hatte nach seiner Schulausbildung gemeinsam mit seinem Bruder Karl zunächst eine Agentur für Kinowerbung betrieben. Eine Wendung nahm sein Leben, als er in einem Berliner Varieté sein erstes Eis am Stiel aß. Die Idee begeisterte den damals 18-Jährigen so sehr, dass er beschloss, selbst eine Eisfabrik zu gründen. 1937 stieg er zusammen mit seinem Bruder in Nürnberg in die Herstellung von verpacktem Eis am Stiel ein. Hergestellt wurden damals die klassischen Geschmacksrichtungen Vanille, Schokolade und Erdbeere, ausgeliefert wurde in Thermosboxen. Als Transportmittel dienten Fahrräder mit Hilfsmotoren.

Anfang der 50er Jahre begann das Unternehmen mit der Herstellung von Tiefkühlkost. 1957 kam Schöller auf die Idee, einen Ausgleich zu dem sommerlichen Eis-Geschäft zu schaffen. Er begann mit der Produktion von Oblaten-Lebkuchen für die Winterzeit und sicherte auf diese Weise das ganze Jahr über Arbeitsplätze.

2001 von Nestlé übernommen

Auch als er später aus der Geschäftsführung ausschied, lenkte der Geschäftsmann noch lange als Aufsichtsratsvorsitzender und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung die Geschicke des Unternehmens. In den 80er Jahren holte er sich als Partner die Südzucker AG ins Boot. Im Rahmen der Umstrukturierung bei Südzucker ging das Nürnberger Traditionsunternehmen, das Ende der 90er Jahre weltweit mehr als 6.000 Menschen beschäftigte, schließlich mit dem ausdrücklichen Einverständnis Schöllers 2001 an den Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé.

Zuletzt hatte der schwer herzkranke Schöller, der sich Schritt für Schritt vom Vorsitz des Aufsichtsrats und der Gesellschafterversammlung zurückzog, als Mäzen für Wissenschaft und Kultur von sich reden gemacht. Mit beträchtlichen Summen unterstützte er die Nürnberger Oper, das Konservatorium und die Sanierung von Baudenkmälern in seiner Heimatstadt. Dem Zentrum für Altersmedizin am Nürnberger Nordklinikum komme dank der Zuwendungen der Schöller-Familienstiftung, die er gemeinsam mit seiner Frau Friedl initiiert hatte, „eine bundesweite Vorreiterrolle zu“, erklärte der Oberbürgermeister. Und der TU München stiftete er einen Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement.

DPA