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16. Februar 2009, 12:26 Uhr

Zwangspakt der Scheinriesen

Eine Liebesehe ist es nicht: Um den wirtschaftlichen Sturz ins Bodenlose zu verhindern, will Daimler-Chef Dieter Zetsche mit BMW zusammen arbeiten. Doch wie weit können Stern und Doppelniere aufeinander zu gehen, ohne ihren Charakter zu verlieren? Eine Analyse von Gernot Kramper

BMW, Mercedes. Kooperation

Dieter Zetsche zieht die Reißleine. Die Zusammenarbeit mit BMW soll in die Zukunft weisen© Jeff Kowalsky/EPA

Mercedes und BMW sind Fixpunkte im Himmel der Automobilträume. In Punkto Image sind beide Giganten, aber je näher man hinschaut, umso mehr schrumpfen die Riesen. Der Größe des Namens entspricht aber nicht die Größe der Firmen, darum wollen und müssen beide enger zusammenrücken, das hat die FAS am Wochenende berichtet. Tatsächlich erzwingt die aktuelle Lage die Kooperation, denn gerade die erlösstarken, großen Fahrzeuge lassen sich zurzeit kaum noch absetzen.

Sofort hört man Klagelaute, dass ein BMW ein BMW bleiben müsse und eine S-Klasse ein reinrassiger Mercedes. Dahinter steckt die nostalgische Idee, dass ein Auto im Großen und Ganzen von einer Firma entwickelt und gebaut wird. Wer daran glaubt, träumt auch noch von der Zeit, als ein Volkswagen immer in Wolfsburg montiert wurde. Ein großer Teil des Produkts Autos stammt dabei längst nicht von der eigenen Marke sondern von Zulieferern. Darunter sind Firmen, deren Namen dem Endkunden meist gar nichts sagen. Im ersten Schritt der angedachten Premiumkooperation wird es darum gehen, eine höhere Marktmacht bei den Zulieferern zu mobilisieren - ganz simpel durch höhere Stückzahlen.

Denn daran hapert es. Andere Premiummarken wie Lexus (Toyota) und Infinity (Nissan) satteln auf der Nachfragemacht riesiger Konzerne auf, die Einzelkämpfer Mercedes und BMW können das nicht. Dabei haben sie den Angreifer, der es erfolgreich anders macht, direkt vor den Toren: Audi ist in den letzten Jahren erfolgreich in die Premiumgruppe eingebrochen und profitiert dabei massiv vom Autouniversum der Volkswagen AG. Imagenachteile durch Konzerntöchter wie Skoda oder Seat behinderten den Siegeszug von Audi offenkundig nicht.

Stärkung des Einkaufs

Von Zulieferern stammen zahlreiche Bauteile und Baugruppen, die der Fahrer kaum mit dem Markenimage in Verbindung bringt. Damit wird die Kooperation von BMW und Mercedes beginnen. Das können Dinge sein, die der Kunde kaum zu Gesicht bekommt, wie Dämmstoffe, Fensterheber oder Schlösser. Aber auch Systeme, die bereits zum technischen Antrieb gehören, stammen nur selten vom Autohersteller. Und welcher Endkunde wird es bemerken, wenn künftig in einem Mercedes und einem BMW baugleiche Anlasser, Wasserpumpen und Kühlkompressoren arbeiten?

Dabei gehen bestehende Kooperationen längst über die Zone "unverdächtige" Teile hinaus. Selbst das Herz eines BMWs muss kein Bayerngewächs sein. BMW lässt Vierzylinder-Benzin-Motoren in einer Kooperation von PSA fertigen. Über den Anteil der Partner am Motoren-Know-How lässt sich streiten, Fakt ist aber, dass in einem BMW oder einem Mini der gleiche Motor wie in einem Peugeot arbeitet. Da diese Motoren zum Besten gehören, das es auf dem Markt gibt, liegt kein Nachteil in dieser Kooperation. Warum sollte so etwas nicht zwischen Mercedes und BMW möglich sein?

BMW, Mercedes. Kooperation

Wird dieser Mercedes Diesel in Zukunft in einen BMW implantiert?© Fabrizio Bensch/Reuters

Skeptische Techniker

Das Problem ist, dass es in beiden Marken eine starke Technikerfraktion gibt, die der Zusammenarbeit mit dem benachbarten Erzrivalen skeptisch gegenübersteht. Belächeln darf man den Eigensinn der Techniker nicht. Gerade im Fall Mercedes macht diese Technikkompetenz den Kern der Markenstärke aus, nur ihr ist es zu verdanken, dass die Firma den irrwitzigen Ausflug der Schremppschen Welt AG weitgehend unbeschadet überstanden hat.

Sicher wird man daher auch in Zukunft keine S-Klasse erleben, unter deren Stern ein verkleideter Siebener daherkommt. Doch BMW und Mercedes bauen nicht nur Traumwagen der Oberklasse, auch bei den Premiumherstellern macht die Masse das Geschäft. Und da liegt gerade bei Mercedes einiges im Argen. A- und B-Klasse gelten seit Jahren als Sorgenkinder. Das "einzigartige" Fahrzeugkonzept macht sich vielleicht in der Werbung ganz gut, führt aber dazu, dass hier in einem preissensiblen Segment automobile Solitäre zu unvertretbaren Kosten hergestellt werden. In diesem Bereich oder bei denkbaren Fahrzeuggrößen unterhalb der Kompaktklasse sind weitreichende Gemeinschaftsprojekte durchaus denkbar. Bereits im letzten Jahr haben BMW und Fiat erklärt, man könne den Mini und Modelle von Alfa Romeo auf einer einheitlichen Plattform aufbauen und dabei auch Komponenten gemeinsam anfertigen. Der Zwang zum Zusammengehen ist also da. Und wenn die BMW-Welt gemeinsame Fahrzeuge mit einem Partner wie Fiat erträgt, sollte es keine Hindernisse in einer Zusammenarbeit mit Mercedes geben. Der einzige Grund wäre tatsächlich die liebgewonnene Erbrivalität der Marken.

Die Kernfrage der geplanten Edel-Kooperation wird daher nicht sein, ob man durch einen gemeinsamen Einkauf ein paar Cent an der Kofferraumauskleidung einsparen kann. Viel entscheidender wird es sein, ob es gelingt, die technische Potenzial beider Marken gemeinsam auszuschöpfen. Denn nur wenn es zu einem produktiven Miteinander der Technikerkulturen von BMW und Mercedes kommt, könnte man auf Dauer den technischen Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern halten und auch finanzieren.

 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Eisenbaer (18.02.2009, 11:53 Uhr)
@insane - Schneehöhen -
Lassen Sie mich raten: Sie sind Schüler oder allenfalls Azubi und kennen "das Autofahren" nur aus der Sagen- und Märchenwelt Ihrer älteren Kumpels.

Denn wenn Sie bereits zu der fahrenden Zunft gehören würden, dann wüssten Sie, dass nicht festgefahrene Schneedecken die schwierigsten Straßenverhältnisse darstellen, sondern Schneehöhen von nur wenigen Zentimetern bzw. Schneematsch. Denn hierbei braucht ein Auto zwei Dinge: 1. Traktion und 2. ein gut dosierbares Drehmoment des Motors.

1. Traktion: Anpressdruck der Antriebsräder, viel Gewicht auf möglichst kleiner Fläche. Also vergessen Sie Ihren jugendlichen Enthusiasmus bezüglich möglichst breiter Winterreifen, womöglich noch im Niederquerschnittsformat und montieren Sie lieber die kleinste (schmalste) für den Wagen zugelassene Reifengröße (mit schönen hohen Flanken).

2. Drehmoment. Sie müssen nur soviel Kraft an die Reifen kommen lassen können, dass deren Lamellen sich mit dem Schnee verzahnen können. Hierbei braucht es einen möglichst geradlinigen Drehmomentverlauf, und lang übersetzte Gänge sind auch sehr von Vorteil, kann man doch mit diesen notfalls noch im zweiten Gang (und mit ggf. schleifender Kupplung) anfahren. Ein "Sportgetriebe" mit kurzen knackigen Schaltwegen hingegen ist denkbar ungeeignet.

Aber das wüssten Sie bereits alles, wenn Sie entsprechende Praxis besäßen...
burri (17.02.2009, 21:11 Uhr)
@insane
Als Kenner der Automobiltechnik sage ich Ihnen:
Sie fabulieren hier einen Müll zusammen, daß es nur so stinkt!
Lernen Sie erst einmal richtiges Deutsch, bevor Sie Ihre von keiner Sachkenntnis getrübten Kommentare abgeben!
insane (17.02.2009, 15:48 Uhr)
@Eisenbaer
Wer in solchen georgraphischen Regionen einen normalen Wagen käuft und sich dann wundert das er bei 40,50,60cm Schnee nicht vorran kommt, der brauch sich nicht wundern. Da ist es unabhängig ob Hecktriebler oder Fronttriebler - da hilft nurnoch Allrad! Markenunabhängig
Denn immerhin kaufe ich mir in der Wüste auch keine Seeyacht...
Eisenbaer (17.02.2009, 14:26 Uhr)
@insane - X 5 -
Ich weiß nicht, was ein X 5, außer der Ziffer 5 in der Modellbezeichnung, mit einem 5´er BMW gemeinsam haben sollte. Es handelt sich bei dem ersten um einen Geländewagen mit Allradantrieb, bei letzterem um eine stinknormale Limousine, respektive um einen Kombi. Also seien Sie so gut und erklären Sie mir bitte, warum Sie X 5 und z.B. M 5 gleichsetzen.
gesox (17.02.2009, 09:51 Uhr)
Am Markt vorbei und dann immer geradeaus...
...ist weiterhin das Motto der deutschen Autobauer in der Krise. Wenn alle Welt kleine, sparsame und bitte nicht zu teure Autos kaufen will, warum meinen diese Firmen dann, etwas anderes anbieten zu müssen? Es wäre ja auch sinnlos, auf dem Oktoberfest Kamillentee anbieten.
Aber BMW, Mercedes, aber auch Audi wollen wieder mal den nächsten PS-Rekord aufstellen, um Wagen für überfüllte und mit Radarfallen gespickte Straßen zu verkaufen.
Wie lange soll das noch gutgehen?
Tipp: es geht schon nicht mehr gut, es geht eigentlich gar nicht mehr.
insane (16.02.2009, 21:32 Uhr)
@Eisenbaer
Also meine Eltern wohnen in der Rhön gegend und fahren X5 - keinerlei probleme ;-) möglicherweise liegts am Fahrer ?
Eisenbaer (16.02.2009, 20:51 Uhr)
@insane - Winter im Bergland -
Jetzt ist es Winter, ich wohne am Rande eines Mittelgebirges und wenn dann mal wieder etwas Schnee fällt, dann sieht man sie reihenweise an den Steigungen hängen: die BMW mit ihrer ach so guten 50:50 ausgeglichenen Lastverteilung.

Ich habe mich lange genug über diverse 5´er BMW geärgert, seit ich Wagen mit Front- oder Quattroantrieb fahre bin ich im Sommer auf trockenen Straßen vielleicht nicht ganz so schnell unterwegs, bei jedem anderen Wetter aber deutlich sicherer.

Sie haben theoretisch recht, aber in der Praxis versagt ihr Weltbild.
insane (16.02.2009, 19:53 Uhr)
@ Stern-Leser24
Ich würde mal sagen der einizige der nicht wirklich viel von Automobilbau versteht sind Sie. In erster Linie ist ein Fahrzeug zum FAHREN da - und in dieser Primärfunktion müssen die richtigen Komponenten gewählt werden. Das fängt bei den wichtigen Teilen wie MOTOR und FAHRWERK an - das bisschen Verkleidung und Leder und Elektro reinzimmern in die Kiste kann jeder halbwegs gute Automobilhersteller, da die Teile meist eh von den gleichen zulieferern kommen (Recaro oder sonstwas..) von daher brauchen Sie mir keinen vom Pferd erzählen. Audi spielt da nur eine unterlegene Rolle und ist dabei nur Mittelmaß, denn für einen anständigen Heckantrieb hat das Knowhow bis dato noch nicht gereicht ;-)
Eisenbaer (16.02.2009, 19:27 Uhr)
Der Sinn eines Automobilwerkes...
...besteht darin Gewinn zu machen. Dazu müssen Verkaufserlös und Herstellungskosten eine sinnfällige Allianz eingehen. Nun ist es zwar schön, dass BMW viele junge Fahrer hat und Mercedes-Benz so viele kaufkräftige Senioren als Kunden besitzt, doch lässt sich mit keiner der beiden Gruppen ein satter Gewinn erzielen: die einen haben noch kein Geld, die anderen sind sehr knauserig.

Blieben bis jetzt als scheinbar "sichere" Einnahmequelle die Firmenwagen. Da aber hat jetzt das große Downsizing angefangen: statt 5´er BMW wird Ford Mondeo besetzt, statt Mercedes-Benz E-Klasse muss jetzt ein VW Passat reichen. Und geht auch der Trend vom Audi A 6 zum Skoda Superb, so bleibt doch der Gewinn in der Familie.

Der Volkswagen-Konzern ist halt richtig gut aufgestellt.
Stern-Leser24 (16.02.2009, 19:24 Uhr)
@insane
Sorry, die harten Worte... Aber Sie haben von Autos genausoviel Ahnung wie meine Oma vom PC.
·
Glücklicherweise bestehen die Autos für die ich mich entscheide nicht nur aus Motor und Fahrwerk.
·
Hochachtungsvoll
nach Diktat verreist.
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